Peruanerin in Bad Herrenalb
: Bei jeder Aufführung Kampf mit den Tränen

Yudith Middeke stammt aus Peru und hat im Schwarzwald eine neue Heimat gefunden. Mit Tanz und Musik gibt sie Kindern die Kultur ihrer Herkunft weiter. Es ist mehr als ein Hobby.
Von
Sabine Zoller
Oberndorf
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Yudith Middeke mit ihrer kleinen Tanzgruppe beim „Klang-Kraxler- Tag“ – alles mit bunten Kostümen, Schminke und der dazu passenden Musik.

Zoller

Im Tanz vereint Yudith Middeke die Seele zweier Kontinente: die Verbundenheit mit ihrer Heimat Peru und die Liebe zu ihrem neuen Zuhause im Schwarzwald.

„Bad Herrenalb ist für mich ein schönes Zuhause, mitten in der Natur. Es erinnert mich an meine Heimat. Bunt, vielfältig und von herzlichen Menschen geprägt“, so Middeke.

Stolz auf die Vielfalt

Reiche Kultur Die Wälder und Berge erinnern sie an die Weite des Amazonas, gleichzeitig schätzt sie die menschliche Vielfalt, die ihr vertraut vorkommt. Doch ihr Herz schlägt auch für ihre Wurzeln. „Mir ist wichtig, die reiche Kultur und die Traditionen, die mir überliefert wurden. Ich bin stolz auf die Vielfalt unserer Gastronomie, die Herzlichkeit unserer Menschen und die Schönheit unserer Bräuche“, erzählt Middeke.

Besonders die Bedeutung von Familie, Gemeinschaft und der Respekt vor der Natur seien Werte, die sie mit ihren Kindern teilen möchte. Zuhause spricht sie mit ihnen Spanisch, kocht peruanische Gerichte und tanzt gemeinsam Folklore.

Brücke zwischen Welten Bekannt ist Yudith in Bad Herrenalb durch ihre Tanzgruppe Colores. Mit leuchtenden Kostümen, die direkt aus Peru kommen, und Rhythmen, die zwischen Moderne und Tradition pendeln, nimmt sie Kinder und Erwachsene gleichermaßen mit auf eine kulturelle Reise. Beim „Klang-Kraxler-Tag“ in Dobel begeisterte sie mit dem Tanz Anaconda, einem Stück aus der Amazonasregion, das die Verbindung zwischen Mensch, Natur und Geist erzählt.

Besonders berührend

Wenn sie den Kindern die Tänze näherbringt, nutzt sie Geschichten, ihren Globus oder zeigt die bunten Kostüme, die ihre Mutter aus Peru mitbringt. „Jeder Workshop ist anders, je nachdem, welche Fragen die Kinder stellen. Aber alles geschieht mit viel Liebe.“

Besonders berührend seien für sie die Momente kurz vor einem Auftritt, wenn die jungen Tänzerinnen und Tänzer aufgeregt ihre Kostüme anziehen. Nervös, aber voller Begeisterung auf die Bühne treten und über sich hinauswachsen. „Bei jeder Aufführung kämpfe ich mit den Tränen, wenn ich sehe, wie die Kinder, oft zum ersten Mal auf einer Bühne, allen Mut zusammennehmen und den Tanz zu Ende bringen. Das macht mich unendlich stolz.“

Werkzeuge für Integration Auch ihre beiden Töchter sind Teil der Gruppe und bringen eigene Ideen ein. Sie helfen bei der Bühnendekoration, wählen Musik mit aus und erleben so die kulturelle Reise aktiv mit. „Kinder sind sehr offen. Sie probieren die Kostüme an, tanzen ohne Hemmungen und gehen mit Freude auf die musikalische Reise – von Salsa und Merengue bis hin zur traditionellen peruanischen Folklore.“

Brücke zwischen den Kulturen

Für Yudith Middeke ist dieses Engagement weit mehr als ein Hobby. „Tanz und Musik sind Werkzeuge für Integration und Toleranz“, betont sie. Langfristige Pläne habe sie nicht „alles ist möglich und nichts ist sicher“. Doch kurzfristig möchte sie möglichst vielen Kindern die Vielfalt Lateinamerikas näherbringen. Ihr Traum: Tanzworkshops an Kindergärten und Schulen in ganz Deutschland.

Ihre Vision ist klar: Kinder sind für sie die Brücke zwischen den Kulturen. Sie wünscht sich mehr kulturelle Aktivitäten im Alltag von Kindergarten über Schule bis hin zu Festivals, bei denen junge Menschen die Traditionen ihrer Familien präsentieren können. „So entsteht Respekt und Wertschätzung für die Vielfalt.“

Für ihre eigenen Kinder hat sie eine Botschaft: Beide Kulturen, die deutsche und die peruanische, sind gleich wichtig. „Auf den ersten Blick sind sie sehr unterschiedlich, aber sie haben etwas Gemeinsames: die Liebe.“

Und manchmal helfen ihr dabei zwei Sprichwörter aus ihrer Heimat, die ihr Kraft geben: „Lebe das Leben, bevor das Leben dich lebt.“ Und: „Alles ist möglich, nichts ist sicher.“Mit diesen Worten lebt Yudith Middeke zwischen Schwarzwald und Amazonas und lässt mit jedem Tanz die Welt ein Stück bunter werden.

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