Interstuhl-Museum eröffnet
: Die Not der Näherinnen war der Funke für die Weltfirma in Tieringen

Die „Schmiede der Visionen“ ist eröffnet: Die Geschäftsführer der Firma Interstuhl, Joachim und Helmut Link, haben das Dorffest genutzt, um ihr Schatzkästchen zu zeigen.
Von
Dieter Dürrschnabel
Oberndorf
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Bei der Eröffnung der „Schmiede der Visionen“ freute sich Familie Link, dass viele Ehrengäste dabei waren, darunter Alfred Dinser (vorne links), Pfarrer Philipp Haas (rechts), Bürgermeister Frank Schroft (Sechster von links) und der Erste Landesbeamte Matthias Frankenberg (Dritter von rechts).

Stadt Meßstetten/Volker Bitzer

In langer und mühevoller Arbeit ist das Museum des Büromöbelherstellers „Interstuhl“, die „Schmiede der Visionen“, entstanden. Klara Stingel, Sabine Geiser und Alfred Dinser haben das exzellente Konzept für die Ausstellung erarbeitet, welche die Geschichte der Firma Interstuhl von den Anfängen Ende der 1950er-Jahre bis heute zeigt.

Den ersten Meilenstein hatte Wilhelm Link, der Opa der heutigen Geschäftsführer Joachim und Helmut Link, gesetzt. Zu den ersten Lehrlingen gehörten Helmut Unsöld, Alfred Dinser und Alfred Merz. Eine Dorfschmiede war für die Landwirtschaft damals unverzichtbar. Das Beschlagen der Pferde und Ochsen, das Anfertigung von Pflugscharen und Torbeschläge waren wichtige Aufgaben der Schmiede.

Hat selbst gedichtet: Alfred Clesle

Foto: Stadt Meßstetten/Volker Bitzer

In dieser Zeit lebte der Heimatdichter Matthias Koch, der Tieringen in seinen Gedichten und Texten verewigt hat. Hans Eppler, Tieringer Urgestein, las bei der Eröffnung im Rahmen des Dorffestes „750 Jahre Tieringen“ daraus vor – „Mei‘ Diarenga, o mei‘ Diarenga“ – und Alfred Clesle sagte gar ein eigenes Gedicht auf.

Lenore Link hat schon als junges Mädchen in der Firma mitgeholfen und später die Buchhaltung aufgebaut.

Foto: Dieter Dürrschnabel

Werner Link, der Sohn von Wilhelm und Hilda Link, geborene Narr, hatte zunächst den Beruf des Kfz-Mechanikers erlernt, war der jüngste Meister im Kammerbezirk und arbeitete in der „Gasse“, Neue Straße 26, mit, um das Unternehmen aufzubauen. Seine Schwester Lenore Link half bereits als Jugendliche im Betrieb mit, etwa bei Aufziehen von Eisenreifen auf Holzräder, bediente später die familieneigene Tankstelle. Nach und nach baute sie zudem die Buchhaltung des Unternehmens auf.

Zahlreich sind die Gäste beim Dorffest zur Eröffnung der „Schmiede der Visionen“ gekommen.

Foto: Stadt Meßstetten/Volker Bitzer

Mit dem Wirtschaftswunder gingen die Geschäfte der Schmiede zurück, denn auch in der Landwirtschaft hielt die Motorisierung Einzug, und so kam die Idee auf, Stühle und Tische zu fertigen. Zunächst baute Link für die Nähmaschinenhersteller „Pfaff“ und „Singer“ Untergestelle, um bei der Auslieferung festzustellen, dass die improvisierten Sitzgelegenheiten der Näherinnen verbesserungswürdig waren.

Der „bi-regulette“ startete als höhenverstellbarer Stuhl für Näherinnen.

Foto: Dieter Dürrschnabel

So entwickelte Werner Link einen höhenverstellbaren Arbeitsstuhl für Näherinnen: den „bi-regulette“. Einer der bekanntesten Stühle ist außerdem der hochmoderne „Silver“, der es sogar in einen James-Bond-Film geschafft hat. Weltweit stattet die Interstuhl-Group heute Firmen, Institutionen und Verwaltungen aus kann mit Recht behaupten, eine der führenden Hersteller von Sitz- und Kommunikationsmöbeln zu sein.

Stolz auf das, was ihre Vorfahren geleistet haben, sind die Geschäftsführer Joachim (links) und Helmut Lin

Foto: Stadt Meßstetten/Volker Bitzer

Ein schöner Zufall: Am Tag der Museumseröffnung feierte Karin Link, die Mutter von Helmut und Joachim Link, ihren 82. Geburtstag. „Mit unseren Wurzeln auf der Schwäbischen Alb tragen wir Visionen mit viel Leidenschaft und Innovationskraft in die ganze Welt“ – so endet die Zeitreise von den Anfängen bis zur Weltfirma.

Sie in Tieringen zu beheimatet und verwurzelt zu wissen, freut Bürgermeister Frank Schroft, wie er betonte, und sein Dank galt allen Mitarbeitern der Firma Interstuhl, allen voran den „Machern“ an der Spitze.

Pfarrer Philipp Haas zündete symbolisch eine Wunderkerze

Foto: Stadt Meßstetten/Volker Bitzer

Weil das Museum „Schmiede der Visionen“ ein Ort der Begegnung sein soll, an an dem Staunen erlaubt sei, segnete Pfarrer Philipp Haas die „Schmiede der Visionen“, entzündete eine Wunderkerze und sprach vom „Licht des Funkens, der in der Schmiede aufgegangen ist und im Wirken der Firma Interstuhl weiterleuchten soll“.

Führungen durch das Museum sind möglich auf Anfrage bei Interstuhl, Telefon 07436/871-0, E-Mail info@interstuhl.com.

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