Großes Trauergeleit in Albstadt
: Eine Abschiedsfeier voller Superlative für den bescheidenen Manfred Maute

Ein „Staatsbegräbnis“ hatte ein Insider für die Trauerfeier zur Beisetzung von Kunstradsport-Legende Manfred Maute prophezeit – und er sollte Recht behalten.
Von
Karina Eyrich
Oberndorf
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„Stellet d’Räder ins Eck!“ hatte Manfred Maute seinen Schützlingen nach jedem Training gesagt. Bei der Trauerfeier für die mit 85 Jahren verstorbene Kunstradsport-Legende wurde deutlich, dass Manfred Mautes Lebensleistung weltweit ein Mittelpunkt im Kunstradsport bleiben wird.

Karina Eyrich

Tränen in den Augen – aber ein dankbares Lächeln auf den Lippen: Das Gesicht seines Sohnes Dieter war beispielhaft für die Gemütslage, in der Hunderte Trauergäste Abschied genommen haben von Manfred Maute – als Mensch und Freund nicht weniger einzigartig denn als Kunstrad-Sportler und Trainer – und sein Leben feierten.

Die Superlative, die Oberbürgermeister Roland Tralmer, Norbert Hirt, Vorsitzender des Radsportvereins Tailfingen (RSV), und die Vizepräsidenten Harry Bodmer vom Bund Deutscher Radfahrer und Katharina Schwarz vom Deutschen Radsportverband aufs laufende Band setzten, kamen nicht aufgesetzt daher, sondern bezeugten große Hochachtung vor der Lebensleistung eines Tailfinger Stickmaschinen-Mechanikers, der es – zunächst neben dem Brotberuf – und als Vater von vier Kindern zum dreifachen Weltmeister, vierfachen Vize-Weltmeister und später zum Landestrainer gebracht hatte.

Mehr noch: Mit den von ihm entwickelten und im Weltverband UCI verwendeten Trainingsmethoden und Lehrfilmen habe Maute Standards gesetzt, die ihn weit überdauerten: „Kein anderer Trainer weltweit hat eine solche Erfolgsbilanz“, sagte Schwarz. Seine Schützlinge hätten 75 Prozent aller möglichen Goldmedaillen bei Welt- und Europameisterschaften geholt. „Sein Lebenswerk hat den Kunstradsport auf ein internationales Spitzenniveau gehoben.“

Roland Tralmer würdigte die Mischung von „überragendem Talent, Fleiß, Ausdauer und der Bereitschaft, sein Wissen weiter zu geben und jungen Talenten zum Erfolg zu verhelfen: Die Sportstadt Albstadt hat Manfred Maute beispiellos geprägt mit seiner Persönlichkeit und unglaublichen Strahlkraft“, so der OB, dem ein Trauergast erzählt hatte, wie sehr ihn die Werte, die Maute ihm vermittelt habe, sein ganzes Leben geprägt hätten. „Etwas Schöneres kann man über einen Menschen nicht sagen!“

Vom großen Glück einer solchen Freundschaft

Harry Bodmer sprach von dem „großen Glück“, dass Maute sein Trainer, Förderer, Wegbegleiter und Freund gewesen sei, auf den er sich stets habe verlassen können. „Du hast viel gefordert, aber uns nie überfordert, und uns früh vermittelt, dass die Zeit als aktiver Sportler die schönste im Leben sein kann.“ Besonders tief zogen alle, Bodmer voran, den Hut vor Mautes Bescheidenheit: „Du hast Dich nie verbiegen lassen, bist immer auf dem Boden geblieben, warst selbstlos, hast Menschen mitgenommen“, sagte er mit Tränen in den Augen. „Für Dich stand immer der Mensch im Vordergrund.“

Das bestätigte Norbert Hirt und erinnerte an Mautes gutes Auge für Talente, die er geformt und geprägt habe. Den RSV habe er zum erfolgreichsten Kunstradsport-Verein der Welt gemacht und Tailfingen zum nationalen und internationalen Mekka dieses Sports.

Die Liebe seines Lebens hat hohen Anteil am Erfolg

Wie groß der Anteil seiner Frau Roswitha an dieser Lebensleistung war, hoben alle Redner hervor – auch Trauerrednerin Jessica Straubinger. „Wo sonst als beim Kunstrad-Training hätte er der großen Liebe seines Lebens begegnen sollen?“ fragte sie mit Blick auf die mehr als 70 Jahre andauernde Beziehung, die begann, als beide 14 Jahre alt waren. Sie erinnerte an die besonderen Erlebnisse und weltweite Reisen, die der Kunstrad-Sport den Mautes beschert habe, an die Unterstützung und das Verständnis seiner Frau, die vieles erst ermöglicht hätten.

„Muss ich auch geh’n, die Liebe bleibt“

„Sie waren für ihn da bis zum letzten Augenblick“, sagte sie mit Blick zu Roswitha Maute, die von ihren Kindern und acht Enkeln begleitet und getröstet wurde, als Charly Bitzer auf der Trompete „Ich bete an die Macht der Liebe“ spielte und Gunnar Schierreich „Mögen Engel Dich begleiten“ und „Das war mein Leben“ sang, in dem es heißt: „Ich weiß, ich hatte Glück, ich hatte Euch“ und „muss ich auch geh’n, die Liebe bleibt!“

Wenngleich Manfred Maute durch seine Krankheit in seinen letzten Lebensjahren einen Teil seiner Geschichte verloren hatte, wie Jessica Straubinger sagte: Bei seiner Abschiedsfeier wurde deutlich, dass er und seine Geschichte bleiben werden.

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