Nathalie Armbruster geht im Massenstartrennen der Nordischen Kombination von Ramsau das Höllentempo von Ida Marie Hagen mit – bis sie nicht mehr kann und auf der Strecke zusammenbricht.
Schrecksekunde bei Kilometer 3,2: In einem gandenlosen Hochgeschwindigkeits-Ausscheidungsrennen hat die Norwegerin Ida Marie Hagen wie schon in Trondheim im Massenstart von Ramsau von Anfang an ein Tempo vorgelegt, dem nicht viele folgen können, am Ende auch nicht Nathalie Armbruster.
Die Freudenstädterin musste – anders als beim Weltcup-Auftakt an dem Ort ihrer Horror-Erfahrungen – abreißen lassen, wurde immer langsamer und schließlich von der Amerikanerin Alexa Brabec und der Norwegerin Marte Leinan Lund überholt. An der Steigung vor der 3,2-Kilometer-Marke passiert es dann: Die Skating-Schritte werden immer schwerer, sie rutscht weg – und bleibt liegen.
„Der Körper hat alles zugemacht. Ich wollte laufen, aber es ging nicht mehr, es ging kein Schritt mehr. Ich bin irgendwie in mir zusammengesackt und habe mir gedacht, das war jetzt das Ende“, berichtete sie im ZDF, während sie mit den Tränen kämpfte.
Quälend lange Sekunden
Nach quälend langen Sekunden im Schnee durchzuckten aber wieder die Lebensgeister die 19-Jährige, sie richtete sich auf, und nach einem kurzen Check von Bundestrainer Florian Aichinger machte sie sich daran, Richtung Ziel zu laufen. „Nicht mehr schnell“, erzählte sie, „aber immerhin bin ich ins Ziel gekommen.“
„Das war ein schwerer Tag für die Nathalie“, resümierte Bundestrainer Aichinger, „sie hat es probiert. Es war die Taktik von ihr, mit der Hagen mitzugehen. Ich glaube, auch die Hagen hat überzogen in der ersten Runde. Die sind beide schon ziemlich angeschlagen in die zweite Runde gegangen.“
Verfolgerfeld zieht vorbei
Doch während Ida Marie Hagen den Schwächeanfall von Nathalie Armbruster, die nicht nur amtierende Gesamtweltcupsiegerin ist, sondern auch im Sommer Grand Prix triumphiert hatte, nutzte, um sich einen großen Vorsprung vor dem Springen herauszuarbeiten, zog das Verfolgerfeld an der Freudenstädterin vorbei und ließ sie auf Platz 13 durchrutschen.
„Dann kommt der große Knall“
„Die Nathalie war im Vorfeld nicht ganz fit und hat sich auf der Strecke schwergetan“, meinte Aichinger, „dann kommt einfach irgendwann der große Knall.“ Und so brauchte die 19-Jährige „zwei, drei Sekunden zum Durchatmen“, mit einem neuen Stock – der alte war gebrochen – ging es ins Ziel, sogar in einer noch ordentlichen Zeit.
Hautsache: Gesund!
Nach einem Check durch den Teamarzt ging es auch noch auf die Schanze, doch auch da war die große Spannung weg. 84,0 Meter waren okay, aber die Hauptsache war, dass die deutsche Meisterin Nathalie Armbruster gesund durch den Tag in Ramsau gekommen war, wo sie schon im vergangenen Jahr keine schönen Erfahrungen gemacht hatte.
„Klassisch übernommen“, ordnete Aichinger sachlich ein, „das ist eine sehr schwere Strecke, und als junge Sportlerin bezahlt man auch hin und wieder den Tribut für die offensive Herangehensweise.“ Und ohne die „macht man heute kein Podest mehr bei uns“.
Nathalie Armbruster greift wieder an
Am Ende gewann Hagen vor Brabec und der Finnin Minja Korhonen. Und Armbruster, die Zwölfte wurde? „Morgen werden die Karten neu gemischt“, strahlte Aichinger Optimismus aus: „Nathalie ist eigentlich gut drauf, auch springerisch. Die macht morgen schon ihr Zeug.“