Der Museumsförderverein in Efringen-Kirchen steht vor dem Aus, denn der hatte sich einst wegen des Museums gegründet. Es gibt aber Perspektiven für eine Zukunft.
„Wenn kein Museum, dann auch kein Museumsförderverein“, diese Aussage war in der Januar-Sitzung zu hören, nachdem der Gemeinderat beschlossen hatte, das Museum nicht weiter zu betreiben und zu entsammeln. Für den Verein, der seit 1990 eine Konstante in der Gemeinde Efringen-Kirchen war, ist das Aus damit noch ein Stück näher gerückt, wenn auch nicht der einzige Grund. „Der Verein ist überaltert“, sagt Ehrenvorsitzende Helga Meier. Im Vorstand sei niemand jünger als 70 Jahre.
Zudem sei nach ihrem Abschied nach 17 Jahren als Vorsitzende im März 2025 niemand mehr für dieses Amt gefunden worden. Joachim Gröbke lenkt als stellvertretender Vorsitzender derzeit die Geschicke des Vereins über dessen Zukunft bei der Mitgliederversammlung am 8. April entschieden wird.
Eine 50/50-Chance räumt Meier dem Verein für sein Weiterbestehen ein, während sie für das Museum in der Alten Schule keinerlei Perspektive sieht. Auch wenn viele Bürger sich in Leserbriefen wünschten, dass der Gemeinderat seinen Beschluss zurücknehmen möge, sie glaubt nicht daran: „Das Gremium steht nicht geschlossen hinter der Institution des Museums.“
Auch bei den vorherigen Räten habe es teils Gegner der Einrichtung gegeben. So hatte Gerhard Kienle im Jahr 2023 bei einer Haushaltsberatung im Verwaltungsausschuss festgestellt: „Die Anzahl der Besucher im Museum liegt bei null.“ Das Umsetzen von Maßnahmen des Brandschutzgutachtens und Unterhaltungsmaßnahmen an den Fenstern der „Alten Schule“ standen mit 25 000 Euro im Ergebnishaushalt.
Dies sei für den Betrieb des Museums unvermeidbar, weil sonst die Rückgabe von Leihgaben des Landes aus der laufenden Ausstellung drohen würden, hieß es in der Sitzungsvorlage. Kienle legte aus seiner Sicht angesichts der Kosten und des Nutzens nach:„Früher waren da zwei Wohnungen drin“, sagte der Fraktionsführer und spielte auf die Wohnungsnot an.
Die Ehrenvorsitzende hat Zweifel am Brandschutz-Argument für die Schließung des Museums: „Mit etwas gutem Willen gäbe es günstigere Lösungen für den Brandschutz, die man zumindest prüfen könnte.“ Weiterhin zeigt sie sich überzeugt, dass man an diesem Thema ohnehin nicht vorbeikomme, sollte das Gebäude weiterhin genutzt werden – auch ohne Museum. So findet sie es zum Beispiel „ganz schlimm“, dass der große Saal nicht nutzbar sei. Künstler hätten bereits nach Räumen für Ausstellungen gefragt.
Gute und erfolgreiche Zeiten erlebt
Der Förderverein und das Museum in der Alten Schule haben aber auch gute und erfolgreiche Zeiten erlebt. Gegründet wurde dieser im Oktober 1990, nachdem das Museum in der Alten Schule einen Monat zuvor eingeweiht worden war. Der Verein wollte die Einrichtung bei Anschaffungen unterstützen.
Das Museum eröffnete dann im Mai 1993. Die erste Museumsleiterin war Verena Alborino, sie war die Vorgängerin von Maren Siegmann. Tausende Stunden Ehrenamt stecken in dem Museum sowie in der Vereinsarbeit. „Da steckt so viel Herzblut drin“, bedauert die Ehrenvorsitzende Helga Meier die Schließung.
Sonderausstellungen lockten Besucher
Teils zwischen 2000 und 3000 Besucher pro Jahr hatten die Sonderausstellungen angelockt, die alle zwei Jahre im Dachgeschoss der Alten Schule stattfanden. Dazu gehörten: „Über den Rhein, die Römer, der Rhein, die Straßen und Kleinkems“ (2011/12), „Juden von Kirchen“ (1992) und „150 Jahre Eisenbahn“.
Herzblut und Überstunden hatte ab 2007 auch Museumsleiterin Maren Siegmann investiert, um Sonderausstellungen auf die Beine zu stellen. Im Jahr 2012 seien es 443, in 2011 knapp mehr als 700 gewesen. Insgesamt seien bis April 2014 rund 2500 Stunden auf diese Weise zusammen gekommen, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt hatte.
Fördervereins-Ehrenvorsitzende Helga Meier ist sich sicher, dass es Zeiten gegeben habe, in denen diese auch bezahlt wurden. Doch Bürgermeister Wolfgang Fürstenberger sah 2014 bei einer Mitgliederversammlung des Museumsvereins keine Möglichkeit, der Museumsleitung eine höhere Stundenanzahl zuzuweisen. Zuletzt sei es Siegmann untersagt gewesen, Überstunden zu machen. Deshalb habe es keine Sonderausstellungen mehr gegeben. „Und ohne Sonderausstellungen keine Besucher“, hatte Walter Silbereisen in der Januar-Gemeinderatssitzung unter dem Punkt „Bürgerfragen“ festgestellt.
Perspektive Jaspisbergwerk
Ein Schwerpunkt des Museums war die Abteilung „Frühgeschichte“ mit einem Modell des jungsteinzeitlichen Jaspisbergwerks von Kleinkems. Der Förderkreis hatte dafür gesorgt, dass es eine Besucherattraktion wurde. Am Tag des Geotops im September werden jährlich Führungen angeboten. Für sein Engagement für dieses bei seiner Entdeckung im Jahr 1940 in Europa einzigartige Feuersteinbergwerk wurde der Verein 2016 beim „Tag des Bürgerengagements“ vom Landkreis Lörrach ausgezeichnet.
Im Jahr 2019 übernahm der Verein die Patenschaft für das jungsteinzeitliche Bergwerk und setzt sich für dessen Pflege und Erhaltung ein, worin für ihn zugleich eine Zukunftsperspektive liegt. Zudem hat diese Attraktion dem Förderverein das jüngste Mitglied gebracht: Michael Schweizer (Jahrgang 1986), macht Führungen im Bergwerk und sei mit Herzblut dabei.
Förderkreis Museum
Die Mitgliederversammlung
findet am Mittwoch, 8. April, 19 Uhr, im Vereinsraum in der Alten Schule in Efringen-Kirchen