Kultur in Efringen-Kirchen: Schließung des Museums beschäftigt die Bürger

Die Schließung des Museum in der Alten Schule beschäftigt die Bürger, den Gemeinderat aber nicht mehr (Archivbild).
Daniel HengstDas Museum in der Alten Schule scheint für Gemeinderat und Verwaltung schon vergessen: Die Schließung und Entsammlung ist in der Januar-Sitzung beschlossen und abgehakt worden. In der Sitzung am Montag, wendet man sich anderen Dingen zu wie der Gewerbesteuer A, dem Regionalplan Hochrhein-Bodensee sowie dem Gemeindeentwicklungskonzept, in dem das geschlossene Museum ohnehin längst feststeht.
Doch die Bürger hat die Museumsschließung in den vergangenen Wochen beschäftigt, wie Leserbriefe zeigen. So meint Armin Schweizer aus Efringen-Kirchen, dass dem Museum eine Lobby gefehlt habe und fragt, ob das Aus „einer so wertvollen Kultureinrichtung “ hätte verhindert werden können. „Hätten sich kreative Ideen und Wege finden lassen können, diesen sinnstiftenden Ort wieder „salonfähig“ zu machen?“ fragt er weiter. Stattdessen habe man „das Pferd eiligst von hinten aufgezäumt: keine Museumsleiterin mehr da – aus die Maus! Egal was das Gemeindeentwicklungskonzept unter Beteiligung der Bevölkerung in dieser Sache schlussendlich ergeben hätte, wurden Fakten geschaffen.“
Peter Bühler findet, dass Kinder und Enkel mit der Schließung des Museums in Efringen-Kirchen keine Möglichkeit mehr haben, ihren dörflich- und ländlichen Ursprung und ihre Herkunft kennen zu lernen. Er rief in seinem Leserbrief alle Bürger, die zu diesem Thema eine eigene Meinung haben, dazu auf, „an der nächsten Gemeinderatssitzung teilzunehmen“.
Der Beschluss des Gemeinderats zur endgültigen Schließung des Museums „Alte Schule“ wird als „schwarzer Tag“ in die Geschichte der Gemeinde Efringen-Kirchen für die letzten Jahrzehnte eingehen, meint Walter Silbereisen. Ohne große Diskussion über die Gründe des aktuellen Zustands im Museum und mit teilweise fadenscheinigen Anmerkungen („keine Besucher mehr“, „kostet nur Geld“) habe man über 30 Jahre ehrenamtliche Arbeit zunichte gemacht, heißt es weiter in seinem Leserbrief.
Welche kulturelle Einrichtung einer Kommune kostet kein Geld oder schreibt schwarze Zahlen? „Es schmerzt, wenn man den Aufbau und Betrieb des Museums in den ersten fast 20 Jahren miterlebt und gesehen hat, was hier ehrenamtlich tätige Personen mit Tausenden von Arbeitsstunden, auch bei Sonderausstellungen und kostenlosen Aufsichtsdiensten in der Dauerausstellung, geleistet haben, auch mit Unterstützung des Fördervereins, und nun, wohl auch im Sinne der Bürgermeisterin, ein schnelles Aus beschlossen wurde“, schrieb Silbereisen.
„Wenn solche Orte verschwinden, verlieren wir mehr als Ausstellungsräume. Wir verlieren ein Stück von uns selbst“, meint Patrick Luetzelschwab aus Weil am Rhein zur Schließung des Museums in der Alten Schule in Efringen-Kirchen.
Das Museum sei 33 Jahre lang weit mehr als ein Gebäude gewesen. „Es war ein lebendiger Treffpunkt, ein Ort des Dialogs zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Kunst und Geschichte.“ Die Schließung dieses Museums sende ein bedrückendes Signal und werfe die Frage auf, welchen Stellenwert Kultur und kulturelles Gedächtnis künftig noch haben sollen. „Ich hoffe sehr, dass diese Entscheidung noch einmal überdacht wird“, schreibt Luetzelschwab in seinem Leserbrief.
Helga Meier, einst Vorsitzende des Fördervereins Museum Alte Schule, hat keine Hoffnung mehr für das Museum: „Ich glaube nicht, dass sich da noch mal etwas tut“, erklärt sie auf Anfrage unserer Zeitung. Doch sie bedauert dies sehr, weil „da so viel Herzblut drin steckt“, von vielen, aber auch von ihr selbst, wie sie sagt.
Von Anfang an habe sie mitgearbeitet und hat bei Ausstellungen ihre berufliche Expertise als Gestalterin eingebracht. „Es ist ein Trauerspiel und von langer Hand vorbereitet“, schrieb sie Ende Januar in ihrem Leserbrief. Vor zwei Jahren musste das Museum „vorübergehend“ aus Brandschutzgründen geschlossen werden. Im Bericht des Gemeindeentwicklungskonzepts ist mehrmals vom ehemaligen Museum die Rede, stellte Meier in ihrem Leserbrief fest.
In der Gemeinderatssitzung im Januar stimmte das Gremium dann tatsächlich lediglich über den geänderten Beschlussvorschlag zur Schließung des Museums ab. Die erste Variante „Der Betrieb des Museums wird unverändert fortgeführt und die Stelle der Museumsleitung zeitnah ausgeschrieben“, war in der Diskussion über eine befristete oder unbefristete Archivarstelle zur Entsammlung des Museums nach seiner Schließung (Variante zwei), untergegangen.
Termin
Gemeinderatssitzung
in Efringen-Kirchen am Montag, 23. Februar, 19 Uhr, im Sitzungssaal des Rathauses.