Die Stimmung beim Kandidaten Miguel Klauß ist gut. Seine AfD ist im Aufwind. Foto: Felix Biermayer

Miguel Klauß kämpft um den Wiedereinzug in den Landtag – und ein gutes Ergebnis für seine AfD. Die Einstufung der AfD als rechtsextrem hält er für politisch motiviert.

Miguel Klauß hat gute Laune. Die kann auch der Regen auf dem Calwer Marktplatz nicht trüben. Auch nicht das Banner von „Calw bleibt Bunt“, das AfD-Gegner in Sichtweite seines Wahlkampfstandes aufgehängt haben. Die AfD liegt in Umfragen bei 20 Prozent. Das wäre im Vergleich zur Landtagswahl 2021 eine Verdopplung des Stimmenanteils. Und Klauß bekommt viel Zuspruch. „Bitte machen sie weiter“, sagt ein Mann zu ihm.

 

Rund 30 Menschen kommen zu seinem Wahlkampfstand. Viele kennen ihn von TikTok, wo Klauß zu den reichweitenstärksten Politikern zählt. Einer sagt, er habe früher CDU gewählt. Aber jetzt könne nur die AfD das Ruder rumreißen. Der Wirtschaft gehe es schlecht. Die Grünen würden die Auto-Branche kaputt machen, sagt ein anderer. Ein Punkt verbindet alle: Man müsse mehr für die „eigenen Leute“ tun. Klauß nimmt diese Stimmung auf. Er macht Selfies, verteilt Tassen und Kalender, kommt ins Gespräch. Das ist eine seiner Stärken. Er redet wie die Menschen, die an seinen Stand kommen. Auch wenn Klauß seit fast fünf Jahren im Landtag sitzt: Wie ein Politiker klingt er selten.

Der 39-jährige wohnt mit seiner Familie in Vollmaringen. Mehr als 22 Jahre hat er bei Daimler gearbeitet, kürzlich eine Abfindung angenommen. Klauß trat 2013 in die AfD ein, führt seit 2025 den Kreisverband, vertritt die Partei im Landtag. Das möchte er weiterhin tun. Sein Hauptthema? „Wir sehen die Wirtschaft als großes Problem“, sagt Klauß. Daimler und Bosch gehe es schlecht. Das treffe die Menschen in seinem Wahlkreis. Die hätten nun Schwierigkeiten Kredite abzubezahlen.

Vor allem die Bürokratie bremst die Wirtschaft

Für ihn ist die Politik schuld. Die Energiekosten seien zu hoch. Er ist gegen Windräder. Die verteuern seiner Ansicht nach die Strompreise und zerstörten die Natur. Und es brauche sie nicht. Die Kraftwerke lieferten ausreichend Energie. Der Atomausstieg sei „einer der größten Fehler“. Das AKW Neckarwestheim hätte am Netz bleiben sollen. Einem Endlager im Kreis Calw steht er aufgeschlossen gegenüber, denn selbst in den Zwischenlagern trete keine Radioaktivität aus. Außerdem sparten AKWs CO2 ein. Wobei Klauß diese Notwendigkeit nicht sieht. Deutschland könne das Weltklima gar nicht beeinflussen, behauptet er.

Deshalb ist er auch gegen das Verbrenner-Aus. Der Markt solle entscheiden, nicht die Politik. Dass China derweil davonzieht? Sieht Klauß nicht. Zum einen würden in China selbst noch immer vor allem Verbrenner verkauft. Trotz massiver Subventionen gingen dort viele E-Auto-Firmen pleite. Zum anderen bauten die Deutschen „mit die besten E-Autos auf der Welt“, seien technisch also besser. Vor allem die Bürokratie bremse die Wirtschaft. Es sei zum Beispiel viel zu kompliziert, ein Gewerbe anzumelden.

Klauß will Geflüchteten „den Geldhahn zudrehen“

Klauß will in Bildung investieren: Mehr Lehrer, keine Kita-Gebühren. Die Polizei soll mehr Geld und endlich Taser bekommen. Die Feuerwehren will er besser finanzieren, durch gemeinsame Beschaffungen von Ausrüstung viel Geld einsparen. Bei den Kliniken müsse das Land seiner Finanzierungspflicht nachkommen, fordert er. Ärzte wanderten ins Ausland ab, weil sie dort weniger Steuern zahlen müssten.

Ein weiteres Hauptthema Klauß’ und der AfD ist die Migration. Er will Duldungen abschaffen, Geflüchteten „den Geldhahn zudrehen“. Dass das Verfassungsgericht ein Existenzminimum fordert, stört ihn nicht. Man wolle niemanden „verhungern“ lassen, die Leute könnten ja gehen. Sein Ziel ist, dass diese Menschen das Land verlassen. Mit dem eingesparten Geld könnten alle AfD-Wahlversprechen finanziert werden, glaubt er.

Ein Migrationshintergrund ist nicht illegal

Der Islam gehöre nicht zu Deutschland, sagt Klauß und behauptet, dass Muslime bis 2050 die Mehrheit in Deutschland stellten. Prognosen, zum Beispiel vom Pew Research Center, gehen 2050 von maximal 20 Prozent aus – selbst bei hohem Zuzug. Klauß betont, dass es ihm vor allem um „illegale“ Einwanderer geht.

Aber in seinen Aussagen verschwimmt dieses Bild. Er postet auf Facebook eine Deutschlandkarte mit dem Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund unter 16 Jahren. „Die Abschaffung des eigenen Landes?“, schreibt er dazu. Ein Migrationshintergrund ist nicht illegal. Diese Menschen können eine deutschen Pass haben. Dass er hier verallgemeinernd gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen hetzt? „Das postet jeder“, meint Klauß. Ein Post sei keine wissenschaftliche Arbeit, winkt er ab.

„Ich kenne keinen einzigen Rechtsextremen in der AfD“

Der Verfassungsschutz sieht das anders. Er stuft die AfD bundesweit als gesichert rechtsextrem ein, auch wegen Posts von Klauß. In der AfD herrsche ein „ethnisch-abstammungsmäßiges Volksverständnis“ vor, so die Behörde. Wegen juristischer Streitigkeiten liegt diese Einschätzung aber vorerst auf Eis. Für Klauß ist die Einstufung politisch motiviert. Die Staatsanwaltschaft Tübingen hat wegen seiner Posts gegen Klauß einen Strafbefehl beantragt. Der Vorwurf: Volksverhetzung und Billigung von Straftaten.

Dass der AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier laut Verfassungsschutz Verbindungen zur islamfeindlichen German Defense League hatte, laut Zeit Online Mitarbeiter aus dem rechtsextremen Milieu beschäftigte und laut weiteren Berichten Russland ihn als „unter absoluter Kontrolle“ stehenden Abgeordneten betrachtet? Klauß hält die Vorwürfe für Quatsch, oder sagt, dass er davon nichts wisse. „Ich kenne keinen einzigen Rechtsextremen in der AfD“, so Klauß.

Klauß hofft auf ein Ergebnis von 25 Prozent

Dass niemand mit der AfD koalieren wolle, begründet er damit, dass seine Partei für eine grundsätzlich andere Politik stehe. Er hofft, dass die AfD 25 Prozent bei der Landtagswahl holt. Dann könne die Fraktion Untersuchungsausschüsse beantragen. Er ist zuversichtlich. „Unser bester Wahlkämpfer sitzt in Berlin“, stichelt er gegen Kanzler Friedrich Merz und die CDU.