„Wirtschaft in der Region“ mit all ihren Herausforderungen und Chancen: kein klassisch grünes Thema, das die „Grüne Jugend Kreis Freudenstadt“ für ihre Auftakt-Wahlkampfveranstaltung gewählt hatte. Zwei Experten standen Rede und Antwort.
Wirtschaftliche Themen wie der Fachkräftemangel, der Produktionsstandort Baden-Württemberg und die Zukunft der Wirtschaft seien Themen, für die sich die Jugend interessiere, auf viele offenen Fragen aber keine ausreichende Antwort bekommen habe. Deshalb habe sich die „Grüne Jugend“ (GJ) bewusst dafür entschieden, diese Themen aufzugreifen und mit der Grünen-Bundestagsabgeordneten Sandra Detzer und Homag-Vorstand Sergej Schwarz zwei kompetente Podiumsgäste einzuladen, betonten die GJ-Vorstandsmitglieder Anna-Lena Asprion und Thomas Schmidtlein, die den Abend moderierten.
Dem Fachkräftemangel werde bei der Firma Homag mit einer sehr guten Ausbildung, einem spannenden Arbeitsplatz sowie flexiblen Arbeitszeiten bei Bedarf entgegengewirkt, sagte Schwarz. Homag sei aber ein produzierender Betrieb und keine soziale Einrichtung, antwortete er auf die Frage nach Benefits wie betriebseigenen Kindergärten. Von einer Vier-Tage-Woche hält er aus Effizienzgründen wenig.
Auch für Detzer ist eine attraktive Ausbildung ein Erfolgsfaktor. Unternehmen müssten für attraktive Arbeitszeitmodelle sorgen, die Politik fungiere nur als Türöffner. „Eine Lösung für alle“ betrachte sie generell kritisch, sagte Detzer im Hinblick auf die Vier-Tage-Woche. Beim Fachkräftemangel setzt sie auf weibliches Potenzial. Ihrer Meinung nach steht das Bürgergeld dem Arbeitsanreiz nicht entgegen, weil Arbeit sich trotzdem mehr lohne. Arbeitsverbote für Migranten gehörten abgeschafft. Mit dem Fachkräfteeinwanderungsrecht und dem Aufenthaltschancengesetz habe die Politik Weichen gestellt.
Sprachkurse als Voraussetzung für eine erfolgreiche Migration
Einig waren sich Schwarz und Detzer darin, dass die Umsetzung der von der AfD geforderten „Remigration“ den Wirtschaftsstandort Deutschland massiv gefährden würde. 90 Prozent des Homag-Umsatzes werde außerhalb von Deutschland generiert, so Schwarz. Lobend erwähnte er aufgrund eigener Erfahrung die Willkommenskultur und Sprachkurse als Voraussetzung für die erfolgreiche Migration. Verbesserungsbedarf erkannten beide bei den Englischsprachkenntnissen, auf die man in einer globalen Arbeitswelt viel mehr Wert legen sollte.
Künstliche Intelligenz bedrohe Arbeitsplätze nicht, verändere sie aber, sagte Schwarz. Betriebe müssten sich anpassen. Trotz gestiegener Baukosten und des globalen Wettbewerbs habe Homag massiv in Schopfloch investiert. Effizienzsteigerungen, niedrigere Baunebenkosten und schnellere Zulassungsverfahren seien wichtig, um dauerhaft konkurrenzfähig zu bleiben. Detzer ergänzte die Aufzählung um eine bezahlbare Energieversorgung und den Abbau von Bürokratie. Die Weichen dafür habe die Politik gestellt.
Ausstattung der Produktionshallen mit Solarmodulen
Weitere Themen waren der standardisierte Wohnungsbau als Wachstumszweig sowie das Thema Nachhaltigkeit. Wer da nicht mitziehe und im Status quo verharre, stehe morgen als Verlierer da, zeigte sich Detzer überzeugt. Aktuell fehle aber der gesetzliche Rahmen, um Nachhaltigkeit ökonomisch anzureizen. Bei Homag werden die Produktionshallen mit Solarmodulen ausgestattet, um die eigene Energieerzeugung sicherzustellen, sagte Schwarz.
Finanzielle Anreize für eine nachhaltige Produktion hält er für wichtig. Genauso wichtig sei ein regulativer Rahmen, der unfairen Wettbewerb unterbinde, so Detzer.
Lebenslauf und Hoffnungsschimmer
Vorstellungsrunde
Sandra Detzer (43) aus Heidelberg hat Politik und VWL studiert und sitzt für den WK Ludwigsburg im Bundestag. Detzer ist wirtschaftspolitische Sprecherin. Politik muss ihrer Meinung nach die Rahmenbedingungen setzen, innerhalb derer sich schlaue Menschen in den Unternehmen um gute Geschäftsmodelle kümmern. Sergej Schwarz (52) kam mit 20 Jahren aus Kasachstan nach Deutschland, hat Physik studiert und nach der Promotion bei einem Automobilzulieferer gearbeitet, bevor er 2016 zur Firma Homag gewechselt hat. Schwarz ist Vorsitzender der Geschäftsführung in Schopfloch und im Vorstand der Gesamtgroup. Politik dürfe nicht überregulieren, sondern müsse den Rahmen für Themen wie „lebenslanges Lernen“, „Zuwanderung“ oder auch die „Sichere Versorgung mit Ressourcen und Energien“ setzen.
Schlusswort
Auf die Frage „Was macht Ihnen Hoffnung?“ antwortete Schwarz: „Junge Menschen und der Wille und die Bereitschaft, neue Technologien zu entwickeln und neue Wege zu suchen.“ Politikerin Detzer sagte: „Unternehmer, die den Kopf nicht hängen lassen und die Tatsache, dass es eine Grüne Jugend in Freudenstadt gibt.“