In Deißlingen wird ein neues Kapitel für die Entwicklung des „Ochsen-Areals“ aufgeschlagen.
Der Deißlinger Gemeinderat beschloss ein freiwilliges Investorenauswahlverfahren, nachdem ein früherer Investor sein Interesse Ende 2023 zurückgezogen hatte. Anna Heizmann von der Steg Stadtentwicklung, die das Projekt betreut, stellte dem Gremium das Vorgehen vor.
In Vorbereitung auf diesen Neustart wurde eine umfassende Marktanalyse durchgeführt, es wurden persönliche Gespräche mit fünf regionalen Bauträgern geführt.
Die Ergebnisse bestärken das Vorhaben: Die Baubranche erholt sich langsam, und die Immobilienpreise in Deißlingen sind in den vergangenen fünf Jahren um etwa 20,9 Prozent gestiegen, mit einem Anstieg von 0,8 Prozent im vergangenen Jahr.
Bauträger zeigen Interesse
Stetig steigende Mietpreise in der Gemeinde und im Landkreis Rottweil deuten auf eine hohe Nachfrage bei begrenztem Angebot hin, wobei auch ein Bedarf für kleinere, kompakte Wohnungen im Bereich des betreuten Wohnens erkannt wurde.
Das Interesse seitens der Wirtschaft ist groß: Alle fünf befragten Bauträger zeigten sich grundsätzlich interessiert, drei haben ihre Teilnahme am neuen Verfahren bereits bestätigt. Das nun beschlossene, zweistufige Verfahren soll einen passenden Investor für die Neugestaltung der zentralen Fläche finden. In der ersten Stufe reichen Bewerber ein Grobkonzept ein und stellen sich dem Gemeinderat vor, der daraufhin eine Auswahl trifft.
Bewerbungsfrist: 31. Oktober
Der ausgewählte Investor erhält eine Optionsvereinbarung, um das Planungskonzept innerhalb von sechs Monaten weiterzuentwickeln, bevor nach erneuter Zustimmung des Gremiums der Kaufvertrag geschlossen und das Projekt realisiert wird. Die Bewerbungsfrist endet am Freitag, 31. Oktober.
Im Gemeinderat fand der Plan breite Zustimmung. Bruno Bantle (SPD) signalisierte, dass er mit den Planungen voll mitgehen könne. Bernd Krause (CDU) lobte die detaillierte Ausarbeitung und erkundigte sich nach den Vorkosten. Laut Anna Heizmann belaufen sich diese auf je 15 000 Euro für die „Steg“ und die Gemeinde.
Frage zum Grundstückspreis
Die Frage von Anja Stumpf (SPD), weshalb der Grundstückspreis unverändert bei 180 Euro pro Quadratmeter liege, obwohl das Areal nun abbruchkostenfrei sei, beantworteten Anna Heizmann und Bürgermeister Ralf Ulbrich.
Sie erklärten, dass für den Abbruch ein hoher Zuschuss aus dem Landessanierungsprogramm geflossen sei, weshalb keine weiteren Zuschläge auf den Kaufpreis erhoben werden dürften. Dieser Festpreis gilt für das altlastenfreie und voll erschlossene Baugrundstück; Kosten wie Baugenehmigungs- und Vermessungsgebühren sind vom Erwerber zu tragen.
Ziel: Kaufvertrag Ende 2026
Die Befürchtung von Harald Buhlinger (CDU), die Vorkosten könnten Bewerber abschrecken, konnte Anna Heizmann aus ihrer Erfahrung heraus entkräften.
Mit nur einer Enthaltung stimmte das Gremium dem neuen Verfahren zu und setzte damit ein klares Zeichen für die Stärkung der Ortsmitte durch die Schließung der Baulücke mit neuem Wohn- und Gewerberaum.
Der Abschluss des Kaufvertrags wird bis Ende 2026 angestrebt, mit einem geplanten Baubeginn im zweiten Quartal 2027.