Generationswechsel im Hotel Rindenmühle in Villingen: Zwei Brüder übernehmen das Hotel und bringen Sterne-Erfahrung und jede Menge Zukunftsvisionen mit.
Idyllische Lage, familiäre Atmosphäre, Wellness, Tagungsräume und gehobene Küche – damit hat sich das Hotel Rindenmühle in den vergangenen fast vier Jahrzehnten einen Namen gemacht. In einer Zeit, in der viele Gastronomiebetriebe ums Überleben kämpfen, setzt die Rindenmühle nun ein Zeichen für Kontinuität: Martina und Martin Weißer übergeben den Betrieb an ihre beiden Söhne Michael und Dominik Weißer.
Auftakt für diesen Generationswechsel ist bereits ein neues Erscheinungsbild mit neuem Logo und neuer Webseite. Auf dem Papier liegt die Geschäftsführung zwar noch bei den Eltern – die offizielle Übergabe an die Söhne soll aber im Spätsommer erfolgen.
„Wir werden den Laden nicht komplett auf links drehen“, versichert Michael Weißer im Rahmen eines Pressegesprächs. Dennoch soll frischer Wind einziehen: Die Familie plant, gezielt in den Betrieb zu investieren und das Hotel weiterzuentwickeln. Die Eltern werden im Hintergrund künftig auch weiter mitwirken.
Die Rindenmühle steht für gehobene Gastlichkeit und Nachhaltigkeit. „Von der Nudel bis zum Eis machen wir alles selbst“, betont Vater und Koch Martin Weißer. Und das soll auch künftig so bleiben. Mit aktuell 50 Betten und 18 Mitarbeitern empfängt das Haus gleichermaßen Urlauber wie Geschäftsreisende.
Michael Weißer legte seinen Grundstein 2013 im Öschberghof und absolvierte dort eine Ausbildung zum Hotelfachmann mit der Zusatzqualifikation Hotelmanagement. Anschließend zog es ihn für ein Studium im Studiengang Hotel- und Restaurantmanagement nach Heilbronn. 2020 kehrte er in den Betrieb seiner Eltern zurück und unterstützt sie seitdem dort. Der 31-Jährige wird künftig im Hotelbereich und Service tätig sein.
Sein 29-jähriger Bruder Dominik Weißer hat die Liebe zum Kochen von seinem Vater geerbt – seine Koch-Karriere startete er mit einer Ausbildung im Hotel Ritter in Durbach, die er im Betrieb seiner Eltern erfolgreich abschloss. Anschließend folgten Stationen in der Sterne-Gastronomie: Er arbeitete zunächst im Zwei-Sterne-Restaurant Ammolite im Europapark Rust und wechselte anschließend in das Gourmet-Restaurant Ox & Klee nach Köln, das ebenfalls mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet ist. Die Küche wird auch in der Rindenmühle künftig sein Hauptarbeitsplatz sein.
Umfangreiche Renovierungsarbeiten
In einer Zeit, in der die Gastronomie vor großen Herausforderungen steht, ist es der Familie wichtig, bewusst nach vorn zu blicken. „Wir stecken den Kopf nicht in den Sand“, betont Michael Weißer.
Konkret bedeutet das für die Rindenmühle: umfangreiche Renovierungsarbeiten und eine Anpassung des bisherigen Konzepts. Noch in diesem Jahr soll die Lobby, zu der auch der Frühstücksbereich gehört, modernisiert werden. Die Brüder planen ein zeitgemäßes, elegantes Ambiente, das durch Sitzbänke und Nischen für Gemütlichkeit sorgt. Im kommenden Jahr folgt die Renovierung des Restaurants mit 40 Plätzen. Auch Elemente der einstigen Mühle sollen künftig eine stärkere Rolle spielen – und das zeigt sie schon beim neuen Logo, das einen Mühlstein symbolisiert.
Die beiden Brüder betonen: Während der Umbauarbeiten bleibt der Hotel- und Restaurantbetrieb geöffnet. „Wir haben genug Platz, auf den wir ausweichen können“, so Michael Weißer. Auch in der Küche ist ein kleinerer Umbau geplant.
Fine Dining im Fokus
Konzeptionell wollen die Brüder ebenfalls neue Akzente setzen. Fine Dining soll künftig eine größere Rolle im gastronomischen Angebot spielen – Dominik Weißer bringt dafür seine Erfahrung aus der Sterne-Küche mit. Gleichzeitig rückt die pflanzliche Küche stärker in den Fokus: Das Angebot wurde bereits um ein veganes Menü erweitert. „Man muss kreativer sein, wenn man neue Wege gehen will“, sagt Dominik Weißer. So geht es ihm in der veganen Küche nicht darum, Fleischgerichte zu imitieren, sondern etwas völlig Neues zu schaffen.
In Zukunft sollen auch wieder mehr Restaurant-Events angeboten werden – Ideen haben die Brüder dafür bereits genug.
Für Martin Weißer ist die Neuausrichtung und Übergabe des Betriebs auch mit etwas Wehmut verbunden. Doch die Freude darüber, dass der Betrieb weitergeführt wird, überwiegt: „Ich freue mich darauf“, betont er. Und er versichert: Wenn Not am Mann ist, dann wird er in der Küche auch mal einspringen.