Massiver Gegenwind schlägt der AfD draußen entgegen – doch die AfD füllt in Villingen den Saal, und für den Spitzenkandidat gibt es stehende Ovationen.
Trotz des Protests von rund 400 Gegnern bei „Kuchen gegen Hass“ am Riettor und etwa 40, teils Eier werfenden Antifa-Demonstranten in Villingen: Die AfD-Basis im Schwarzwald-Baar-Kreis steht hinter ihrem Spitzenkandidaten Markus Frohnmaier.
Das wurde am Sonntag in Villingen-Schwenningen deutlich. Zwar hatte die Alternative für Deutschland (AfD) für die Veranstaltung mit dem kleinen Saal im Villinger Theater am Ring eine vergleichsweise kleine Location gewählt, aber die platzte aus allen Nähten.
Themen, die polarisieren
Der Saal war mit 220 Besuchern randvoll, einige mussten draußen bleiben und sich mit dem parallelen AfD-Livestream begnügen. Dort wurden sie ebenso Zeuge von Standing Ovations für den Spitzenkandidaten Markus Frohnmaier und der Wahlkampfreden, die neben ihm der Direktkandidat im Wahlkreis VS Martin Rothweiler, dessen Ersatzkandidat Sebastian van Ryt und die hessische AfD-Landtagsabgeordnete Anna Nguyen hielten. Alle bedienten sich populistischer, stark polarisierender Themen.
Lokalmatador Rothweiler – Nummer zwei der AfD-Landesliste – interpretierte die vollen Stuhlreihen folgendermaßen: „Es geht wirklich ein Ruck durch dieses Land.“ Das sei ein Verdienst „mutiger Bürger“, die bei „Corona, Klimagedöns oder Migration“ ihren Weg gegangen seien. „Wir sind nicht rechts und nicht links, wir sind eine Volkspartei.“
Alle Redner fanden ihre Hassfigur schnell: die CDU und den, wie Rothweiler sich ausdrückte, „Pinocchio-Kanzler“. Die Regierung müsse abgewählt werden, auch weil sie das Geld in die Ukraine schaufle, um „goldene Toiletten für Selenskyjs korrupte Minister“ zu finanzieren – ungeachtet dessen, wie glaubwürdig die Aussage ist, brandete Applaus auf – auch als er versprach, die AfD brächte die Kernenergie zurück, schaffe die „Zwangsabgabe“ für den Rundfunk „mit Gehirnwäsche und Regierungspropaganda“ ab und senke die Energiepreise.
Konservatives Frauenbild
Der 39-jährige Ersatzkandidat Sebastian van Ryt auf Listenplatz 26, womit Rothweiler ihn „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ im nächsten Landtag sieht, blies ins gleiche Horn. Er forderte, dem „Altparteien-Kartell“ das Handwerk zu legen und nannte die CO2-Steuer „den verlogensten Ablasshandel seit dem Mittelalter“. Polemisch sah er das Land „massenhaft mit Messermännern geflutet“.
Mit einer AfD-Landesregierung wären Kitas beitragsfrei: „dann machen wir unsere Fachkräfte nämlich wieder selbst“. Anna Ngyuen hatte sich die Wohnungspolitik auf die Fahnen geschrieben um festzustellen: „Wir haben kein Wohnungsbauproblem, sondern wir haben ein Migrationsproblem.“ Sie betonte zudem ein konservatives Frauenbild: Frauen würden am liebsten zu Hause bleiben, seien aber gezwungen zu arbeiten.
Bühne für Frohnmaier
Dann war die Bühne frei für den Spitzenkandidaten, der hier, in Villingen-Schwenningen, 2016 als Landtagswahl-Kandidat für den Wahlkreis Villingen-Schwenningen seine Anfänge im Wahlzirkus machte.
„Hierher“ habe es ihn schon damals gezogen, betonte er, und schoss wie seine Vorredner vor allem gegen die CDU. Siegessicher vergab er im Geiste Ministerposten: „Martin Hess wäre mein Innenminister.“
Kämpferisch warf er sich in den Wahlkampf: „Zieht die Helme auf, will ich fast sagen“, rief er. Er behauptete, aktuell traue sich nicht einmal mehr jeder zweite Bürger, offen seine Meinung zu sagen und weiter: „Es kann nicht sein, dass diejenigen, die Regierungspolitiker kritisieren, damit rechnen müssen, dass es morgens um 6 im besten Fall an der Tür klopft, im schlimmsten Fall die Tür aufgebrochen wird – meine Damen und Herrn, ich werde dafür kämpfen und mich dafür einsetzen, dass Sie den schicken blauen Bademantel wieder da hinhängen können, wo er hingehört, nämlich ins Badezimmer und nicht morgens parat halten müssen, wenn Sie mal wieder den Strobl, den Hagel, den Özdemir oder irgendjemand anderen kritisiert haben. Wir sorgen dafür, dass Baden-Württemberg wieder ein Land der freien Rede wird.“
Einen Faktencheck zu solch abstrusen Behauptungen gab es an diesem Abend nicht, aber erneut lauten Beifall und stehende Ovationen für Frohnmaier, bevor die AfD mit der deutschen Nationalhymne den Abend ausklingen ließ.