Ein Einhorn und ein weiteres Kostüm waren Symbol der Demonstranten für ihre Haltung: Bunt statt braun. Foto: Karina Eyrich

Gegen den „Bürgerdialog“ der AfD hat am Samstag ein knapp 50-köpfiges Bündnis unter dem Motto „Unsere Zukunft ist bunt“ still demonstriert – aber mit eindeutigen Symbolen.

„Wir wollen hier vor Ort auf dem Heuberg ein Zeichen setzen und Präsenz zeigen“, hatte Peter Johannes Weiger, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Meßstetten, vor der Kundgebung gegen den AfD-Bürgerdialog angekündigt. Diese sollte bewusst friedlich vonstattengehen, keine „eskalative Stimmung“ erzeugen, wie Weiger angekündigt hatte.

 

Er und seine knapp 50 Mitstreiterinnen und Mitstreiter hielten Wort, blieben hinter einer Linie, die mit der Polizei vereinbart worden war, und lautlos. Ein Demonstrant steckte in einem pastellfarbenen Einhorn-Kostüm, ein anderer in einem braunen, dessen Form deutlich machte, was die Demonstrierenden von der AfD halten.

Die Demonstration war mit den Behörden abgestimmt und genehmigt. Gut ein halbes Dutzend Polizisten in Uniform, darunter Detlef Wysotzki, Leiter des Polizeireviers Albstadt, waren vor Ort. Kerzen säumten den Bereich unweit des Eingangs zur Festhalle, in dem die Demonstranten sich aufhielten. Mit 25 hatten die Veranstalter gerechnet, mehr als 40 waren schließlich dabei.

Die Behörden beobachten

In der Halle waren unter anderem Tobias Böttner, Sachgebietsleiter „Öffentliche Sicherheit und Ordnung“ der Stadt Meßstetten, und mehrere Vertreter des Landratsamtes Zollernalbkreis, um die Veranstaltung zu beobachten.

Gut 50 Zuhörer hatten sich in der Festhalle versammelt. Foto: Karina Eyrich

In der Halle versammelten sich um 19 Uhr gut 50 Zuhörer, um den Reden des AfD-Landtagsabgeordneten Hans-Peter Hörner aus dem Wahlkreis Balingen, der für seine Partei auch im Balinger Gemeinderat und im Kreistag sitzt, sowie den Landtagskandidatinnen Paula Gulde aus dem Wahlkreis Biberach und Anna Schneider aus dem Wahlkreis Tübingen zuzuhören, die knapp 80 Minuten lang sprachen.

„Unsere Zukunft ist bunt“ machten die Demonstranten deutlich. Foto: Karina Eyrich

An der Empore und darunter hingen große Transparente mit der Aufschrift „Jetzt sind wir mal dran“ – zweideutig, da es eine Familie zeigte – und ein Plakat mit dem Konterfei der Parteivorsitzenden Alice Weidel, an den Seitenwänden weitere AfD-Wahlkampfplakate.

An Themen: nichts Neues

Die Themen waren die bekannten: Von der Flüchtlingspolitik der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel über den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, die Wehrpflicht, Wirtschaft und Mittelstand sowie die Finanzlage von Bund, Ländern und Kommunen bis zur Sicherheit im öffentlichen Raum und der Energiepolitik. Ein großes Windrad – Hörner nennt die „Großwindkraftanlagen“ kurz „GroWiAn“ – war neben der Bühne aufgebaut.

„Wenn wir regieren“

„Wir werden, wenn wir an der Regierung sind“ waren mehrfach die ersten Worte von Ankündigungen zur künftigen Landespolitik, worauf einige Zuhörer – ein knappes Dutzend davon Frauen – zustimmend nickten.

Die Schilder wandten sich gegen Rassismus und Faschismus. Foto: Karina Eyrich

Die Diskussion danach dauerte eine gute halbe Stunde. Die Fragen aus dem Publikum, die vorwiegend Hans-Peter Hörner beantwortete, bezogen sich auf einen Fernsehbericht über Gewalt an Frauen und auf den Länderfinanzausgleich.

Ein AfD-Mitglied nutzte außerdem die Gelegenheit, um zu erklären, was zu tun sei, um Mitglied zu werden. Sechs aktive Parteimitglieder gebe es derzeit in Meßstetten inklusive der Stadtteile. Ein AfD-Mitglied sei im Gemeinderat vertreten: Sebastian Siber war ebenfalls Zuhörer der Veranstaltung, ergriff allerdings nicht das Wort.

Nach rund zwei Stunden waren der Bürgerdialog vorbei und die Demonstranten vor der Halle längst verschwunden – draußen war es eiskalt.