Das Jugendhaus in Bad Dürrheim wird zum Jugendcampus – diesen sollen Jugendliche künftig aktiv mitgestalten können. In den Osterferien geht es richtig los.
Die Stadt Bad Dürrheim will attraktiver für Jugendliche werden und die Jugendarbeit auf eine neue Ebene heben – das erhofft sich die Kommune durch die Neuausrichtung des Jugendhauses Bohrturm.
Wie das Konzept konkret aussieht, das erläutern Markus Stein, Fachbereichsleiter für Bildung, Soziales und Politik, und Stadtjugendpflegerin Jessica Gälle im Gespräch mit unserer Redaktion.
Hintergrund Bereits im Herbst 2024 kam die Idee einer Neuausrichtung für das Jugendhaus auf, als die Forêt-Noire-Stiftung mit dem Konzept „Raum für Ideen“, auf die Stadt zugekommen sei. Ziel war es demnach, einen Ort zu schaffen, der nicht nur für Jugendliche gedacht ist, sondern gemeinsam mit ihnen entwickelt und gestaltet wird, erklärt Gälle.
Zunächst brachte die Stiftung die Idee eines flexibel nutzbaren Containers ein. Mit dem Weggang der damaligen Jugendhausleitung Isabel Höldke im Sommer 2025 rückte das Jugendhaus Bohrturm als bestehender Raum schließlich stärker in den Fokus. Schritt für Schritt entstand die Idee, den Standort zu einem Jugendcampus weiterzuentwickeln.
Bad Dürrheim fungiert als Pilotstandort
Das neue Konzept fnCampus – fn steht für „forêt-noire“ – so soll nun der neue Treffpunkt für Jugendliche in Bad Dürrheim heißen. Die konkreten Inhalte und Idee entwickelten sich im weiteren Verlauf, die Entstehung des Konzepts sei ein Prozess gewesen, so Stein. In diesen Entwicklungsprozess seien von Anfang an junge Menschen, junge Gemeindepolitiker, Schulen aber auch Vereine einbezogen worden, erklärt er.
Bad Dürrheim fungiert künftig als Pilotstandort. Der Campus soll nicht nur ein Treffpunkt sein, sondern ein „Ort, den die Jugendlichen aktiv mitgestalten können“, betont Gälle. Durch modulare und flexible Raumgestaltung sollen künftig verschiedene Nutzungsformen möglich sein, etwa als Café- und „Chillbereich“, als Workshopraum oder als Bühne für kulturelle, kreative und schulische Beiträge. „Wir setzen die Leitplanken und die Jugendlichen können sich entfalten“, erklärt Stein. Unterstützung bekommen sie bei der Umsetzung von Fachpersonal aus Handwerk, Kreativbereichen und Wirtschaft.
Im Vorfeld konnten die Jugendlichen bei einem Ideenwettbewerb ihre Visionen für den Jugendcampus teilen. Aus der Vielfalt an Ideen wurden drei ausgewählt, die nun umgesetzt werden sollen: ein Café im Vintage-Style mit einem Kiosk, eine Gaming-Zone, unter anderem mit Hüpfburg, Basketballplatz und Trampolin, sowie ein Open-Air-Kino. Alle drei Projekte werden von der Forêt-Noire-Stiftung mit insgesamt 2500 Euro gefördert, schreibt die Stiftung auf ihrer Webseite.
Jugendhaus wird aufgefrischt
Aktueller Stand Die ersten Arbeiten haben bereits begonnen. „Es wird schon gewerkelt“, verrät Gälle. Der Innenbereich werde aufgefrischt und für die zukünftige Nutzung hergerichtet. Auch dabei werden die Jugendlichen bereits aktiv einbezogen. Die bauliche Struktur des Jugendhauses soll allerdings unverändert bleiben.
Verantwortung Von der ursprünglich angedachten Gründung eines eigenen Trägervereins für das Projekt Jugendcampus sei Abstand genommen worden, erklärt Stein. Stattdessen setzen Stadt und Stiftung auf eine Kooperationsvereinbarung, welche die Umsetzung über und durch die Stiftung regelt. Ganz wichtig ist Stein dabei zu betonen, dass die Jugendlichen auch künftig sehr stark in allen Bereichen einbezogen werden sollen. „Die Jugendlichen sind für uns ganz klar der Dreh- und Angelpunkt.“
Win-win-win-Situation für alle Beteiligten
Kosten Was wird das Projekt die Stadt kosten? Aus dem städtischen Haushalt wurden die Kosten ermittelt, die dem Jugendhaus im Zusammenhang mit dem Projekt entstanden sind. Auf dieser Grundlage wurde die finanzielle Beteiligung der Stadt auf 100 000 Euro pro Haushaltsjahr festgelegt, die als Geschäftsgrundlage für die Umsetzung des Jugendcampus dient, erklärt Stein. Diese Kostenbeteiligung beinhalte sowohl einen Personal- als auch einen Sachkostenzuschuss für den Betrieb und die Bewirtschaftung des Jugendcampus einschließlich eines Mietkostenzuschusses unter Berücksichtigung eines Abschlags in Höhe von 20 Prozent als Effizienzrendite.
Sowohl die Stadt als auch die Forêt-Noire-Stiftung stellen Personal für den Betrieb der Einrichtung. Die Stiftung bringt eine Vollzeitstelle sowie eine halbe Stelle ein. Seitens der Stadt wird zudem Stadtjugendpflegerin Jessica Gälle mit einer halben Stelle in der Einrichtung tätig sein.
Im Ergebnis soll eine Win-win-win-Situation entstehen, von der alle Beteiligten profitieren: Jugendliche durch zeitgemäße und bedarfsgerechte Angebote, die Stadt durch ein erweitertes Angebot bei geringerem Budget und die Stiftung durch zusätzliche Wirkung und eine Referenz für weitere Projekte im Landkreis.
Da man sich mit dem Kooperationsvertrag mit der Stiftung auf Neuland bewege, sei ein Probezeitraum bis Ende 2027 angedacht, erklärt Stein.
Startschuss in den Osterferien
Wie geht es weiter? Stein betont, dass sich das Projekt aktuell noch in einem politischen Entscheidungsprozess befindet. Am 26. März soll der Jugendcampus im Gemeinderat vorgestellt werden – Stein ist optimistisch, dass es dann auch von politischer Seite grünes Licht geben wird.
Der Startschuss für die praktische Umsetzung soll dann in den Osterferien erfolgen. Neben dem normalen Ferienprogramm werden Jugendliche zur aktiven Umsetzungsphase für das Café eingeladen. Konkret stehen diverse Gestaltungs- und Restaurierungsarbeiten, wie beispielsweise die Restaurierung von Tischen, der Bau neuer Sitzgelegenheiten sowie Maler- und Reparaturarbeiten an.
Ziel dieser Aktivitäten sei es, die Identifikation der Jugendlichen mit dem Projekt zu stärken und das Interesse am Gesamtprojekt Jugendcampus zu wecken.
Gälle und Stein sind stolz, auf den neuen Campus. „Das ist ein absolutes Pionierprojekt“, freut sich Gälle auf den Projektstart. Auch Stein beschreibt das Konzept als „zukunftsweisend“ und hofft, dass dadurch die Jugendarbeit in Bad Dürrheim nicht nur erhalten, sondern auch nachhaltig verbessert werden kann.