Große Zufriedenheit bei der Sitzung der Quartiersbewohner im „Schwalbenäscht“. Ein neuer Pächter ist gefunden – aus Nepal.
Ende gut, alles gut – möchte man sagen. Noch ist der Pachtvertrag mit der neuen Betreiberin des „Schwalbenäscht“, Gyalni Sherpa, zwar nicht unterschrieben. Gemäß den mündlichen Abmachungen sei aber alles in trockenen Tüchern, sagt ein sichtlich erleichterter Andreas Heiler, Vorstand der Baugenossenschaft.
Die zahlreich versammelten interessierten Bürger, vor allem Quartiersbewohner, ließen sich beim erhofften letzten Treffen, bei dem über die Zukunft des Café-Restaurants beraten wurde, überzeugen. Am Donnerstag Nachmittag wurden die finalen Konzepte für das Café nochmals ausführlich vorgestellt. In den vorherigen Treffen war die Auswahl auf vier Pächter-Vorschläge eingedampft worden. Restlos überzeugen konnte die Nepalesin Gyalni Sherpa – auch mit einer Kostprobe ihrer Kochkunst.
Rückblick
Es war ein zähes, mitunter emotionales Ringen um die Zukunft des traditionellen Cafés „Schwalbenäscht“, dessen Räume der Baugenossenschaft gehören.
Nach mehreren Pächterwechseln waren die Bewohner mit dem Gastronom Ahmet Narin sehr zufrieden. Dann aber folgte dessen Kündigung – offenbar aufgrund von Unstimmigkeiten mit der Baugenossenschaft bezüglich der Finanzierung des Gastrobetriebs. Trotz neuer Verhandlungen sagte der Pächter schließlich definitiv ab, wollte sich neu orientieren. Das „Schwalbenäscht“ war zu.
Sozialer Treffpunkt
Das Café-Restaurant indes ist eine wichtige Einrichtung, ein sozialer Treffpunkt, besonders für die Bewohner des Viertels. Das dortige Nebenzimmer wird zudem für Treffen oder Feiern, häufig auch nach Beerdigungen am nahe gelegenen Friedhof, genutzt. Das alles stand monatelang auf der Kippe. Die Baugenossenschaft sah sich mit harscher Kritik konfrontiert – und reagierte.
Eine neuer Weg
Nun ging man einen anderen Weg, lud die Bewohner ein zum Mitgestalten. Das Interesse war stets groß. Am Ende des Prozesses blieben am Donnerstag vier Bewerber übrig, die weitestgehend den zuvor gesammelten Wünschen der Quartierbewohner entsprachen: Ein aus Tunesien stammender Koch, der badische Küche anbot; ein erfahrener Italiener, der zwei weitere Restaurants betreibt; ein Sozial-Café, das gemeinsames Kochen, aber keinen Bedienservice beinhaltet; und die Nepalesin, die sich auch für die badische Küche offen zeigte.
Traum vom eigenen Restaurant
Letztere zeigte sich von Beginn an laut Heiler extrem engagiert und wollte sich und ihr Konzept als einzige der Kandidaten bei der Versammlung persönlich vorstellen. Sie eroberte dabei die Herzen der Besucher mit ihrer sympathischen Art im Sturm. In bestem Deutsch präsentierte sich Gyalmi Sherpa, die seit 15 Jahren in Deutschland lebt. Sie arbeite in der Pflege im Kreiskrankenhaus und würde diese Arbeit auf 20 Prozent reduzieren, erzählte sie. Schon immer sei es nämlich ihr Traum gewesen, ein Restaurant zu führen.
In ihrer Heimat betreiben ihre Eltern ein solches, dort habe sie oft mitgeholfen, erzählte sie. „Wir kochen alles frisch. Ich möchte ihnen den Himalaya-Geschmack näher bringen“, sagte sie lächelnd – und bekommt viel Applaus.
Kostprobe überzeugt
Um dies zu unterstreichen, brachte sie für alle Besucher auch gleich eine Kostprobe mit: eine Art nepalesischer Maultasche mit Fleisch, aber auch vegetarisch. Die Resonanz war begeistert. „Wir nehmen Sie!“, rief eine Seniorin strahlend in den Raum und streckte den Daumen hoch.
Doch nicht nur die Kostprobe, sondern auch das Konzept der potenziellen Pächterin überzeugten. Sie wolle einen Koch engagieren, der auch offen für badische Spezialitäten sei und diese auch gerne auf ihre Speisekarte aufnehmen. „Ich bin offen für Ihre Wünsche“, sagte sie. Auch werde ihr Mann mithelfen.
Frühstück, Mittagstisch, auch Kuchen
Das Konzept sieht folgendes Angebot vor: Vormittags Frühstück von 9 bis 12 Uhr, dann einen Mittagstisch, wenn gewünscht auch in kleineren Portionen. Außerdem Nachmittags Kaffee und Kuchen: „Den backe ich immer selbst“. Auch abends wird geöffnet. Die Umgestaltung des Raums plane sie dezent, die Eröffnung ist für Anfang Januar geplant.
Das Nebenzimmer
Das Nebenzimmer darf weiterhin angefragt werden, wurde klargestellt. Dabei müsse man sich mit dem Seniorenbeirat kurzschließen, erklärte Andreas Heiler abschließend und bilanzierte: „Ich habe ein gutes Gefühl. Gyalmi Sherpa hat klar gezeigt: Ich will das – und ich kann das.“