Die Mitarbeiter der Kreisverwaltung müssen sich noch gedulden: Zwar stimmte der Kreistag dem Kauf eines möglichen neuen Standorts für das Landratsamt zu, die Umsetzung der Neubaupläne ist aber auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Foto: Armbruster

Der Kreistag hat am Dienstag den Weg zum Kauf eines Grundstücks an der Kinzig frei gemacht – ohne sich auf einen Landratsamtsneubau festzulegen.

Dem Erwerb eines Grundstücks auf dem Burda-Areal („Alte Druckerei“) an der Kronenstraße in Offenburg steht damit nichts mehr im Wege. Der Kreis will sich mit dem Grundstück eine zentrale Fläche am Stadteingang von Offenburg für die langfristige Entwicklung des Landratsamts – also einen Neubau – sichern.

 

Der Kaufpreis für das 16 000 Quadratmeter große Grundstück beträgt 11,5 Millionen Euro zuzüglich Nebenkosten. Burda als Verkäufer pochte auf eine Annahme des Angebots bis Jahresende.

Die Entscheidung fiel mit 58 Ja-, 20 Nein-Stimmen und einer Enthaltung. CDU- und SPD-Fraktion sprachen sich für den Kauf des Grundstücks zum jetzigen Zeitpunkt aus. „Für uns ist klar, der Kauf ist der richtige Schritt, weil wir uns so alle strategischen Optionen offen halten“, betonte CDU-Fraktionschef Philipp Saar. Ein Neubau werde so möglich, sei aber nicht verpflichtend.

Die Meinungen gehen deutlich auseinander

Auch SPD-Fraktionschef Hans-Peter Kopp, Offenburgs Finanzbürgermeister, lobte die „Top-Lage“. Die Risiken seien – selbst wenn man künftig keinen Neubau umsetze – „sehr überschaubar“. Für 700 Euro pro Quadratmeter überlasse Burda dem Kreis ein freigeräumtes Gelände ohne Altlasten mit mutmaßlich gutem Wiederverkaufswert.

„Ganz so klar sind wir in unserer Entscheidung nicht“, erklärte Erik Weide für die Freien Wähler. Er meldete nur eine knappe Mehrheit für den Kauf an. Grundsätzlich befürworte man einen Neubau in Zukunft. „Eine Sorge für uns ist diese vermaledeite Baugrube: Wir können uns schlecht vorstellen, dass man jetzt jahrelang auf so ein Loch blickt. Wir glauben, dass da großer Druck auf uns zukommen wird. Wir werden ihn dann halt aushalten müssen“, konstatierte Weide auch mit Blick auf die für 2032 in unmittelbarer nähe geplante Landesgartenschau.

Grüne favorisieren nach wie vor die Sanierung

„Unsere Fraktion ist nach wie vor überzeugt, dass ein Neubau der falsche Weg ist“, erklärte Alfred Baum für die Grünen. Er argumentierte für eine weitere Prüfung der Sanierung im Bestand und befürchtet durch den Kauf eine Festlegung für den Neubau. Er verwies auf den „Schuldenberg, den die Ortenau ohnehin schon in den kommenden Jahren vor sich herschieben wird“.

Zudem wollte er das Argument eines „einmaligen Angebots“ nicht gelten lassen. „Das Grundstück ist das zweite in Top-Lage, was uns innerhalb zweier Jahre vorgeschlagen wurde – wieso sollte das in einigen Jahren anders aussehen?“, so Baum.

FDP-Fraktionschef Martin Aßmuth forderte eine „Konzentration auf wesentliche Kernaufgaben“. Der Kauf über Haushaltsreste und Kredite sei angesichts der Finanzlage des Kreises nicht vermittelbar.