Etwa 250 Menschen demonstrierten auf dem Rosenplatz in Baiersbronn für Demokratie und Menschlichkeit. Foto: Hannes Kuhnert

Rund 250 Teilnehmer demonstrierten am Samstag auf dem Rosenplatz für Demokratie, Menschlichkeit und Vielfalt. Nicht nur die AfD wurde scharf kritisiert. Auch mit der Politik von CDU und FDP zeigten sich die Demonstranten nicht einverstanden.

In einer eindrucksvollen Demonstration gegen Rechtsextremismus und für Demokratie, Menschlichkeit und Vielfalt bekannte Baiersbronn am Samstag Farbe. Rund 250 Menschen aus der Region – so schätzt die Polizei – wollten nicht schweigen und erhoben ihre Stimme in Sorge um die Demokratie in einer friedlichen Kundgebung in freundschaftlicher Atmosphäre auf dem Rosenplatz.

 

60 Lebensjahre trennen die Sprecher der Begrüßung sowie des Schlussworts: Raphael Weiß aus Baiersbronn ist 15, Gisela Blickle, die die einstündige Kundgebung abschloss, 75 Jahre alt.

Von Teenagern organisiert

Auffallend waren die vielen jungen Teilnehmer der Demonstration, was wohl auch daran lag, dass diese von drei 15 und 14 Jahre alten Baiersbronner Teenagern, den Schülern Irma Burkhardt, Romy Gaiser und Raphael Weiß, angeregt und organisiert wurde. Theodor Ziegler und Tim Kandel aus dem SPD-Ortsverein waren dabei behilflich und zeichneten verantwortlich. Zusammen mit Christian Biemann bildeten sie das Erwachsenen-Trio, das die Demonstration musikalisch garnierte.

Die Organisatoren (von links): Romy Gaiser, Raphael Weiß und Irma Burkhardt Foto: Hannes Kuhnert

Dem zweiten Trio, den veranstaltenden Schülern, wurde von vielen Seiten anerkennender Beifall gezollt. Sie selbst bezogen nachdrücklich politisch Stellung und riefen auf zu einer Gesellschaft ohne Hass, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit. Raphael Weiß bedauerte, dass von den zur Demo eingeladenen Parteien die CDU eine Absage erteilt hatte.

Viele der Demonstranten hatten Fahnen, Schilder oder meist selbst geschriebene Transparente mitgebracht, mit denen sie Haltung bezogen und immer wieder die AfD kritisierten.

Flammende Rede

Angeführt von Bürgermeister Michael Ruf, der in der Demo ein Zeichen gegen Hetze und Spaltung sah, kamen Sprecher von der Gewerkschaft zu Wort, der grünen Jugend, der Partei Volt, des Bündnisses „Demokratie morgen“, des Bündnisses „Nie wieder ist jetzt“ und der „Omas gegen rechts“. Die Jungen Demokraten vertrat FDP-Bundestagskandidat Jan Felix Stöffler, der in einer flammenden Rede der AfD und Demokratiefeinden eine klare Absage erteilte.

Von den Omas über die Kartoffel zum Regenbogen und zum Weltfrieden: Demonstration für Vielfalt. Foto: Hannes Kuhnert

Im Grund weitgehend übereinstimmend, mal in abwägenden, mal in scharfen Worten wurde jeglicher Rechtsextremismus, wurden Respektlosigkeit, Hass und Gewalt verurteilt, ebenso der Versuch, die Gesellschaft zu spalten.

Kritik an CDU und FDP

„Unsere Demokratie wird strapaziert“, beklagte Holger Egger für „Nie wieder ist jetzt“. Michael Hofsäß von den Gewerkschaften sorgte sich, dass das politische Klima in Deutschland immer kälter werde.

Mehrfach wurde das Abstimmungsverhalten von CDU und FDP in der kürzlichen Bundestagsdebatte zum Thema Migration oder zum Familiennachzug von Migranten kritisiert, wie Yannic Walheim von Volt beispielhaft anführte.

Zähnefletschende Meinung auf vier Beinen Foto: Hannes Kuhnert

Es fehlte aber auch nicht an mutmachenden Parolen, an der Aufforderung, die Stimme zu erheben und die Demokratie zu schützen. „Jetzt ist nicht die Zeit, um zu schweigen. Wenn es um unsere Demokratie ungemütlich wird, dann werden wir ungemütlich“, sagte Kerim Sahili von der Grünen Jugend. „Wir kämpfen für eine Gesellschaft, in der niemand Angst hat, niemand Hunger leidet, in der es genug für alle gibt“, so Michael Hofsäß.

Bürgermeister setzt sich für Demokratie ein

„Gehen Sie zur Wahl, nutzen Sie Ihre Stimme für Demokratie, Vielfalt und Menschlichkeit. Nur gemeinsam können wir eine Zukunft gestalten, die auf Respekt und Zusammenhalt basiert“, rief Bürgermeister Michael Ruf.