Dieser Vorstoß wird für Debatten sorgen: Die Fraktion SPD+FFR beantragt, den Friedrichsplatz in Rindermarkt umzubenennen. Herzog Friedrich sei ein „Un-Wohltäter“ gewesen.
In Rottweil steht die große Umgestaltung und damit Sperrung des Friedrichsplatzes im Herzen der Stadt bevor. Jetzt macht die Gemeinderatsfraktion SPD+FFR einen Vorstoß und beantragt die Umbennenung, oder vielmehr Rückbenennnung des Platzes. „Rindermarkt“ soll die zentrale Adresse wieder heißen.
In einer Mitteilung vom Dienstag heißt es dazu: „Den in zwei Jahren dann schönen und neugestalteten zentralen Platz in Rottweil nach einem der größten Un-Wohltäter der Stadt, Herzog Friedrich II von Württemberg, zu benennen, hat für uns einen faden, wenn nicht bitteren Beigeschmack.“
Die Fraktion SPD+FFR des Rottweiler Gemeinderates beantrage deshalb, den Friedrichsplatz anlässlich und mit Abschluss seiner Sanierung umzubenennen auf den ursprünglichen Namen Rindermarkt.
Ausführliche Begründung
Im Antrag an Oberbürgermeister Christian Ruf wird in der Begründung die Geschichte näher beleuchtet. Die Fraktion schreibt: „Nach der gewaltsamen und unrechtmäßigen Besetzung Rottweils durch Herzog Friedrich II von Württemberg 1802 und den nachfolgenden Enteignungen und Repressalien machte er der Stadt und ihren Menschen 14 Jahre lang bis zu seinem Tod 1816 das Leben schwer. Die Umbenennung des zentralen Platzes in Rottweil von ‚Rindermarkt‘ in ‚Friedrichsplatz‘ zu seinen ‚Ehren‘ war damals fragwürdig und ist in Kenntnis der geschichtlichen Hintergründe rückgängig zu machen.“
Für die Fraktion ist klar: „Als Straßenname passt der Friedrichsplatz nicht in die Innenstadt, die anderen Straßennamen der Stadtviertel stammen – bis auf die Oberamteigasse – aus der reichsstädtischen Vergangenheit.“
Wie SPD+FFR erinnern, gibt es auch bereits eine nach Friedrich benannte Straße in der Südstadt. Im Umfeld gehören dazu die Wilhelmstraße (König Wilhelm I. 1781-1864), die Paulinenstraße (Königin Pauline 1800-1873), die Karlstraße (König Karl 1823-1891), die Olgastraße (Königin Olga 1822–1892) und die Marienstraße (Prinzessin Marie 1799-1860) – „allesamt benannt nach Friedrichs Nachkommen und deren Frauen“, so die Fraktion.
Die Hintergründe zu Friedrich von Württemberg (*1754 in Hinterpommern, †1816 in Stuttgart) und dem geschichtlichen Kontext werden dann auch mehrseitig dargelegt.
Als schwäbischer Zar cholerisch regiert
Unter anderem heißt es darin, dass der wegen seiner Leibesfülle „Dicker Friedrich“ genannte Friedrich von Württemberg „absolutistisch-autoritär als schwäbischer Zar“regiert habe. „Er regierte machtbewusst und hart, cholerisch und entschlossen, bekämpfte die Landstände, schaffte die württembergischen Landtage (seit 1497) ab und hob die Verfassung auf“, heißt es außerdem.
Nach der Erhebung zum Kurfürst wurden zahlreiche kleine Herrschaften unter der Bezeichnung Neuwürttemberg seinem Kurfürstentum zugeschlagen. Dazu gehörten Rottweil und weitere Reichsstädte sowie säkularisierte kirchliche Besitzungen, darunter das Kloster Rottenmünster.
Unter anderem wird erwähnt, wie Friedrich von Württemberg 1802 Rottweil und das Gebiet der Stadt militärisch von 1100 Soldaten und Reitern besetzen ließ, das Kloster Rottenmünster mit seinen Besitzungen und den sechs zugehörigen Dörfern beschlagnahmte und wie hart Rottweil die Mediatisierung traf.
„Der Friederich, der Friederich, das war ein arger Wüterich!“, so das Fazit der Fraktion. Der neue zentrale Platz in Rottweil sollte nicht seinen Namen tragen, heißt es in dem von Elke Reichenbach (FFR) und Jürgen Mehl (SPD) unterzeichneten Antrag.
Dieser wird nun im Gemeinderat zu besprechen sein.