Eine Gedenkstunde zum Antikriegstag unter dem Motto „Friedensgebot mit Leben füllen“.
Mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen begann vor 85 Jahren, am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Daran erinnert jedes Jahr der Antikriegstag in Schwenningen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hatte ihn jetzt unter das Motto „Friedensgebot mit Leben füllen, kriegerische Gewaltspirale durchbrechen“ gestellt.
Auf dem vor 50 Jahren vom Schwenninger Bildhauer Willi Müller aufgestellten Gedenkstein, der an die Opfer des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 erinnerte, wurde ein Blumenbukett niedergelegt, mit dem man auch der Opfer des Messeattentats von Solingen gedachte. Das war dem DGB-Kreisvorsitzenden Andreas Merz sehr wichtig. „Man muss versuchen, dieser Gewaltspirale ein Ende zu setzen“, forderte Merz die Politik auf. Jeder Euro, der für Waffen ausgeben werde, fehle wieder in anderen Bereichen, so der Vorsitzende des DGB-Kreisverbandes Schwarzwald-Baar am Sonntagnachmittag auf dem Geschwister-Scholl-Platz in Schwenningen.
Bürgermeister Detlev Bührer erinnerte daran, dass der Tenor nach Ende des Zweiten Weltkrieges war „Nie wieder“. Doch gebe es seither unzählige Kriege auf der Welt, die Unheil anrichten. „Leider müssen wir auch heute wieder feststellen, dass wir in einer Welt leben, in der nach erfolgreicher Löschung eines Brandherdes sofort an anderer Stelle neue Brandherde aufflammen“, sagte Detlev Bührer.
„Nie wieder“ bleibt Utopie
Der Konflikt in der Ukraine und die anhaltenden Spannungen und kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten, insbesondere in Israel, zeigen dringlicher denn je, wie wichtig es ist, sich für den Frieden einzusetzen und kriegerische Gewalt zu durchbrechen, so Bührer. Man müsse sich aber auch spätestens seit diesen Jahr im Klaren sein: „Bestehende kriegerische Auseinandersetzungen und Konflikte werden nicht nur mehr mit konventionellen Waffen, sondern zunehmend über Sabotageakte und Fake News im Internet und der Beeinflussung von Wahlen und Terrorakten in Deutschland und andern Ländern der EU ausgetragen, stellte der Bürgermeister fest.„Es ist unsere Pflicht, Solidarität mit den Menschen der Ukraine und Israel sowie allen unschuldigen Opfern zu zeigen und sich für friedliche Lösungen einzusetzen“, appellierte Detlev Bührer.
„Jahrzehnte der Entspannungspolitik wurden beerdigt“
Bundestagsabgeordneter Bernd Riexinger von den Linken, betonte, dass er in seiner Zeit als aktiver Politiker noch nie eine so aufgeladene militarisierte Stimmung erlebt habe wie seit Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges von Russland auf die Ukraine. Er erinnerte sich noch genau, als am 3. Juni 2022 in Bundestag, das so genannte Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr verabschiedet wurde. Hiermit wurden Jahrzehnte der Entspannungspolitik beerdigt, so der Bundestagsabgeordnete.
Die Grünen-Landtagsabgeordnete Martina Braun unterstrich die Wichtigkeit des Antikriegstages auf dem Geschwister-Scholl-Platz. Sie erinnerte auch daran, dass am 23. Mai 1949, vor 75 Jahren, das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland in Kraft trat. „Besondere Bedeutung haben auf Grund der Erfahrungen aus dem nationalsozialistischen Unrechtsstaat, die im Grundgesetz verankerten Grundrechte, so die Landtagsabgeordnete. „Die drei wichtigsten Grundrechte sind Freiheit, Gleichheit und Menschenwürde“, sagte Martina Braun.
Frieden geht alle an
Nicola Schurr als örtlicher SPD-Vorsitzender bemerkte, dass sich mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Thorsten Frei jemand entschuldigt wurde, der in den letzten Jahren noch nie beim Antikriegstag in Schwenningen dabei war und sprach jetzt schon die Einladung für das nächste Jahr aus. „Frieden geht uns alle an“, so Nicola Schurr. Jugendgemeinderat Flynn Stein gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass alle einmal in einer friedlichen Welt leben können. Die Feierstunde wurde musikalisch von der Musikakademie umrahmt.