Nachsitzen oder Strafarbeit?: So gehen Schulen inzwischen mit Regelverstößen um

Strafarbeiten und Nachsitzen gibt es noch immer an Schulen in der Region, doch Schulen setzen zunehmend auf alternative Mittel, um einen Lerneffekt zu erzielen. (Symbolbild)
www.imago-images.de- Schulen nutzen weiter Strafarbeiten und Nachsitzen, setzen jedoch stärker auf Pädagogik.
- Prävention hat Vorrang: Gespräche, Einbindung der Eltern und Schulsozialarbeit stehen zuerst.
- Konsequenzen wie Nachsitzen greifen meist bei wiederholten Störungen oder unentschuldigtem Fehlen.
- Vergessene Hausaufgaben werden pädagogisch aufgearbeitet – Ziel ist Reflexion und Verhaltensänderung.
- Schulleitungen fordern mehr Zeit, Personal und klare Rahmenbedingungen durch Schulträger und Politik.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Dreimal den Turnbeutel vergessen, die Hausaufgaben nicht gemacht oder im Unterricht gestört – dann drohten früher die Strafarbeit oder eine Stunde Nachsitzen. Doch wie sieht das heute aus? Welche Konsequenzen gibt es an Schulen in der Region tatsächlich noch, und wie gehen die Schulen mit Regelverstößen um? Wir haben nachgefragt.
Strafarbeiten und Nachsitzen gehören noch immer zum Schulalltag, bestätigt Ute Leins, Schulrektorin der Schlossberg-Realschule in Albstadt-Ebingen (Zollernalbkreis). Allerdings betont Heidrun Linka, Schulleiterin der Realschule Horb (Kreis Freudenstadt), dass pädagogische Maßnahmen im Vordergrund stünden. „Ziel ist es, auf das Verhalten der Schülerinnen und Schüler einzuwirken und sie dabei zu unterstützen, Regeln einzuhalten und Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen.“
Strafarbeiten und Nachsitzen kämen in der Regel noch immer bei wiederholten Regelverstößen zum Einsatz – etwa bei unentschuldigtem Fehlen, wiederholten Unterrichtsstörungen oder wenn Vereinbarungen trotz mehrfacher Ermahnung nicht eingehalten werden, berichtet Hermann Kaupp, Schulleiter des Kepler-Gymnasiums in Freudenstadt, und fügt hinzu: Am Gymnasium in Freudenstadt seien solche Maßnahmen allerdings eher selten.
Pädagogische Aufarbeitung von Fehlverhalten
Vor allem bei vergessenen Hausaufgaben oder Materialien werde grundsätzlich nicht auf Strafarbeiten oder Nachsitzen gesetzt. „Solche Vorkommnisse werden zunächst pädagogisch aufgearbeitet und gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern besprochen“, beschreibt er. Entscheidend sei, dass die Kinder und Jugendlichen ihr Verhalten reflektieren, die Folgen erkennen und lernen, es künftig anders zu machen.
Auch an der Realschule Horb wird mehr auf präventive Maßnahmen gesetzt, anstatt Fehlverhalten zu „bestrafen“: Es stünden zunächst das Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern, die Einbindung der Erziehungsberechtigten, Vereinbarungen zur Verhaltensänderung sowie die Unterstützung durch Schulsozialarbeit im Mittelpunkt, meint Schulleiterin Heidrun Linka.
Anderer Umgang mit Fehlverhalten?
Doch warum braucht es überhaupt andere Formen des Umgangs mit Fehlverhalten? Das Verhalten der Schülerinnen und Schüler habe sich verändert, beobachtet Leins. Als mögliche Ursachen nennt sie: „Zum einen sicherlich die Corona-Zeit, die eine Sozialisierung der Schüler im Grundschulalter sehr behindert hat, zum anderen aber auch die familiäre Situation.“

Kommt es zu Raufereien auf dem Schulhof, wird erst mal auf eine pädagogische Aufarbeitung des Vorfalls gesetzt, bevor auf Erziehungsmaßnahmen wie Strafarbeiten und Nachsitzen zurückgegriffen wird. (Symbolbild)
Armin Weigel/dpa-tmn/dpaWo im Familienalltag weniger gemeinsames soziales Lernen stattfinde, könne es Kindern schwerer fallen, sich in eine Gruppe einzufügen, Rücksicht zu nehmen oder auch einmal etwas auszuhalten, das den eigenen Vorstellungen widerspricht. Deshalb brauche es aus ihrer Sicht an Schulen mehr Zeit für soziale Arbeit in den Klassen, erklärt die Rektorin der Ebinger Realschule.
Diese Form des pädagogischen Arbeitens wird auch am Leibniz-Gymnasium in Rottweil großgeschrieben. „Das pädagogische Arbeiten hin zu gezielter Förderung, klaren Regeln und stärkerer Dokumentation verlangt aber mehr Personal, Zeit und Fortbildung. Ob Schulen diese Anforderungen in Zukunft erfüllen können, entscheidet maßgeblich darüber, ob sich das Verhalten der Schülerinnen und Schüler nachhaltig verbessert“, erklärt Schulleiterin Silke Pach.
Appell an Politik und Schulträger
Mehr Zeit für pädagogische Arbeit, mehr Personal und klare Rahmenbedingungen – dafür sieht Kaupp auch Schulträger und Politik in der Verantwortung: „Ich würde mir von meinem Schulträger und von der Politik wünschen, Schule als das zu sehen, was sie ist: eine einmalige Chance, eine ganze Generation nachhaltig zu unterstützen und zu formen. Sie zu bilden – mit den Werten und moralischen Vorstellungen, die uns als Gesellschaft wichtig sind.“
Die Politik solle sich daher überlegen, was ihr für die Gesellschaft wichtig erscheine und welchen Beitrag Schulen hier leisten könnten und sollten – und dann die entsprechenden Mittel, Gesetze und Rahmenbedingungen zur Verfügung stellen.


