Nach dem Brand bei Schramberg
: So groß ist die Waldbrandgefahr im Schwarzwald

Der Waldbrand bei Schramberg zeigt, wie schnell sich Feuer im Wald ausbreiten können. Wie groß ist die Gefahr im Schwarzwald – und wie gut sind die Wälder vorbereitet?
Von
Celina Drews
Schwarzwald
Jetzt in der App anhören
Waldbrand Schramberg

Der große Brand bei Schramberg ist gelöscht, aber die Waldbrandgefahr bleibt angespannt.

Marius Daute/Feuerwehr Rottweil/dpa
  • Nach dem Brand bei Schramberg bleibt die Waldbrandgefahr im Schwarzwald angespannt.
  • Laut Ministerium steigt die Zahl der Tage mit erhöhter Gefahr kontinuierlich – die Trockenheit wirkt nach.
  • Schäden treffen vor allem Bodenlebewesen, Bäume können je nach Brandintensität absterben.
  • Brände werden heute schneller entdeckt, oft sind es Entstehungsbrände: Mobiltelefone helfen bei Meldungen.
  • Häufige Ursachen sind menschliches Handeln und Trockenheit, große Feuer wie in Südeuropa gelten als unwahrscheinlich.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Mehr als zehn Hektar Wald, rund 250 Einsatzkräfte und ein Löschhubschrauber: Der Waldbrand bei Schramberg hat in dieser Woche gezeigt, wie schnell aus einem Feuer eine große Herausforderung werden kann. Am Sonntagabend breitete sich der Brand am Hang der Talstadt innerhalb weniger Stunden aus. Wegen des steilen Geländes war der Einsatz für die Feuerwehr besonders anspruchsvoll, noch in der Nacht auf Mittwoch liefen Nachlöscharbeiten.

Mittlerweile ist der Brand zwar gelöscht, die Gefahr damit aber nicht verschwunden. Im Schwarzwald bleibt die Waldbrandgefahr angespannt. Tobias Münch vom Ministerium für Ländlichen Raum, Wirtschaft und Heimat spricht von einer weiterhin schwierigen Lage. Die lange Trockenperiode wirke nach, der Niederschlag der vergangenen Tage habe noch nicht die erhoffte Entspannung gebracht.

Zugleich beobachte das Ministerium seit Jahren eine Entwicklung hin zu mehr Tagen mit erhöhter Waldbrandgefahr. „Die Waldbrandgefahr, also die Tage mit erhöhter Waldbrandgefahr im Jahresverlauf, steigt kontinuierlich an“, erklärt Münch. Eine Gefahrenlage, die sich über einen derart langen Zeitraum erstrecke wie 2026, habe es bislang allerdings noch nicht gegeben.

Feuer trifft vor allem Lebewesen im Boden

Was ein Feuer im Wald anrichtet, hängt stark von seiner Intensität ab. Zunächst werden die Streu- und die Krautschicht des Bodens zerstört. Bei stärkeren Bränden können auch Bäume so stark geschädigt werden, dass sie absterben. Besonders hart trifft ein Feuer die Lebewesen im Boden, erklärt das Ministerium. „Eine Auswirkung auf Säugetiere und Vögel ist nicht zu beobachten, da diese vor dem Feuer fliehen können“, so Münch.

Schwabo7 am Morgen
Montag - Sonntag um 7.00 Uhr
Starten Sie Montag bis Sonntag mit den wichtigsten Nachrichten des Tages kompakt zusammengefasst in den Tag.

Wie schnell sich eine verbrannte Fläche wieder erholt, lasse sich nicht pauschal sagen. „Die Regeneration des Waldes hängt stark von der Flächengröße, der Bodenbeschaffenheit und der Intensität des Brandes ab.“ Unter günstigen Bedingungen kann sich nach Angaben des Ministeriums innerhalb von drei bis fünf Jahren wieder ein junger Wald entwickeln. Ein Eingreifen des Menschen sei nicht grundsätzlich notwendig. Es gebe jedoch Situationen, in denen Maßnahmen unmittelbar erforderlich würden – etwa aus Gründen der Verkehrssicherheit.

Waldbrände werden schneller entdeckt

Für die Menschen in der Umgebung bleiben die Folgen eines Waldbrandes in den meisten Fällen begrenzt, wenn die Feuerwehr das Feuer schnell unter Kontrolle bekommt. Anwohner und Landwirte müssten in der Regel vor allem mit der Geruchsbelästigung durch den Rauch rechnen. Je nach Situation können außerdem Verkehrswege zeitweise gesperrt werden und dadurch Einschränkungen entstehen.

Dass Waldbrände schneller entdeckt werden als früher, ist aus Sicht des Ministeriums ein wichtiger Faktor. Durch die Verbreitung von Mobiltelefonen und Smartphones würden Feuer heute häufig früh bemerkt und die Feuerwehr rasch alarmiert. Deshalb handle es sich in Baden-Württemberg in der Regel um sogenannte Entstehungsbrände, die bekämpft werden können, bevor sie sich zu einem großflächigen Feuer entwickeln.

Brände haben meist menschliche Ursachen

Auch bei der Frage, wodurch ein Waldbrand überhaupt entsteht, spielt der Mensch eine wichtige Rolle. Greenpeace weist darauf hin, dass Feuer zwar ein natürlicher Bestandteil bestimmter Ökosysteme sein kann, einige Wälder seien aber an regelmäßige Brände angepasst und können sogar von ihnen profitieren. In vielen anderen Regionen sind Feuer jedoch eine Gefahr. Natürliche Auslöser wie Blitze machen dabei nur einen kleinen Teil der Waldbrände aus; nach Darstellung der Umweltschutzorganisation gehen die meisten Brände auf menschliche Ursachen zurück. Dazu gehören unter anderem Brandstiftung und Brandrodung.

Hinzu kommt die zunehmende Trockenheit. Längere Dürreperioden und höhere Temperaturen trocknen Böden und Vegetation aus und schaffen damit Bedingungen, unter denen sich Feuer leichter ausbreiten können. Greenpeace weist dabei auf einen Zusammenhang mit der Klimakrise hin und warnt vor einer Entwicklung, bei der trockenere Wälder leichter brennen und Waldbrände wiederum zusätzliches CO₂ freisetzen. Auch eine intensive Form der Forstwirtschaft könne nach Einschätzung der Organisation die Widerstandskraft von Wäldern schwächen.

Der Unterschied zu Südeuropa und Nordamerika

Für den Schwarzwald bedeutet das nicht, dass künftig Brände in den Dimensionen zu erwarten sind, wie sie regelmäßig aus Teilen Südeuropas, Kanadas oder Kaliforniens bekannt sind. Münch sieht hier einen entscheidenden Vorteil in der guten Erschließung der baden-württembergischen Wälder. Dadurch könne die Feuerwehr schneller zum Brand gelangen und wirksamer eingreifen. „Das ist der entscheidende Unterschied zu Südeuropa und Nordamerika“, so der Experte.

Ganz ausschließen lässt sich ein größerer Brand dennoch nicht. Gerade bei anhaltender Trockenheit können kleine Ursachen schnell gefährlich werden. Eine weggeworfene Zigarette könne grundsätzlich einen Waldbrand auslösen, bestätigt Münch. Bei Glasflaschen oder Glasscherben sei ein solcher Effekt dagegen „in der Realität nahezu unmöglich“.

Der Waldbrand von Schramberg zeigt damit vor allem eines: Entscheidend ist nicht nur, wie groß ein Feuer am Ende wird, sondern wie schnell es entdeckt und bekämpft werden kann. Der Schwarzwald ist zwar weit davon entfernt, mit den Feuerkatastrophen in Kalifornien oder Südeuropa vergleichbar zu sein – die Aufmerksamkeit für die Waldbrandgefahr aber dürfte angesichts der Entwicklung wichtiger werden.