Gastronomie im Werk: Jetzt kocht ein Roboter für Mercedes-Mitarbeiter in Sindelfingen

Der Kochroboter durchläuft bei Mercedes-Benz in Sindelfingen zurzeit eine Probephase. Er steht im Entwicklungsbereich im Werk in Sindelfingen.
Mercedes-Benz AG- Mercedes testet in Sindelfingen einen autonomen Kochroboter als Ergänzung zur Kantine.
- Pilotphase seit Mitte Juli im Entwicklungsbereich, Dauer etwa sechs Monate geplant.
- Betrieb 11–19 Uhr – Ziel: warmes Essen in Spitzen- und Randzeiten ohne Vorbestellung.
- Vier warme Gerichte und Salat verfügbar, bis zu acht Speisen sind vorgesehen.
- Bis zu 300 Portionen pro Tag möglich, Personal soll nicht ersetzt werden.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Mercedes-Benz hat sein gastronomisches Angebot im Werk Sindelfingen um einen Kochroboter erweitert. Seit Mitte Juli läuft die mehrmonatige Testphase für die autonome Küche des Robotik- und KI-Start-ups Circus, welche im Entwicklungsbereich (Gebäude 50/1) etliche Mahlzeiten zubereitet.
Der Stuttgarter Autohersteller erprobt damit als nach eigenen Angaben erstes Industrieunternehmen einen solchen Einsatz im Gastronomiebereich. „Wir planen circa sechs Monate lang einen Pilotbetrieb, um Kundenverhalten und Prozesse zu beobachten und dann zu entscheiden, wie wir damit verfahren“, sagt Moritz Mack, Leiter der Mercedes-Benz Gastronomie GmbH, bei einem Pressetermin im Werk, in dem nach Mercedes-Angaben rund 31.500 Menschen arbeiten.
Kochroboter ist bei Mercedes-Benz bis abends in Betrieb
„Der Kochroboter ist kein Kantinenersatz“, erklärt der CEO. „Er ist als Ergänzung geplant, um den Mehrbedarf, Spitzenzeiten und den Abend abzudecken“, so Mack weiter. Man wolle „Mitarbeitern in Spitzen- und in Randzeiten ein gesundes, warmes Essen anbieten“. Der Roboter ist laut Mercedes über die Öffnungszeiten von Kantinen und Shops hinaus in Betrieb.
Die Gastro-Tochter des Autobauers ist nach Unternehmensangaben an sieben Standorten in Deutschland vertreten. Dort betreibt sie 22 Kantinen und rund 40 Shops, also kleine Einkaufsläden. Von den rund 700 Beschäftigten im Gastronomiebereich sind laut Mack etwa 230 am Standort Sindelfingen tätig. Der Einsatz des Kochroboters habe keine Auswirkungen auf das Personal, werde also keine Mitarbeiter ersetzen.
Der Roboter-Neuling stehe bei der Entwicklung, weil dort Beschäftigte tätig seien, die zeitversetzt arbeiten, um weltweit mit Kollegen in Kontakt zu stehen. So sind dort Mahlzeiten am Arbeitsplatz auch später am Tag noch gefragt. Das Modell ist laut Mack derzeit von 11 Uhr bis 19 Uhr aktiv und funktioniere ohne Vorbestellungen – beides lasse sich aber anpassen. Täglich werden die gekühlten Silos am Roboter gereinigt und aufgefüllt, erklärt er – mit Zutaten, die zum Teil selbst in der nächstgelegenen Kantine von Mitarbeitern vorbereitet werden und teils von einem Lieferanten aus Baden-Württemberg stammen.
Derzeit gibt es vier warme Speisen, später soll man aus bis zu acht auswählen können. Zudem gibt es Salat, künftig soll auch Nachtisch bestellt werden können. Alle vier bis sechs Wochen wollen Mack und sein Team neue Gerichte anbieten – also im ähnlichen Turnus wie in den Kantinen. Langfristig sei geplant, in der Roboterküche das zu verkaufen, was es auch in der Kantine gibt.
So bestellt man am Kochroboter in Sindelfingen
Der Prozess am Roboter selbst läuft wie folgt ab: Am Bildschirm das gewünschte Essen auswählen – momentan unter anderem „Penne Hähnchen Arrabbiata“ oder das vegane „Gelbe Linsen Curry mit Gemüse“ für je 7,30 Euro –, per Karte zahlen, den Bon entnehmen und ein paar Minuten warten.
In der Zwischenzeit holt sich der Roboter hinter der Glasscheibe die Zutaten, erhitzt das Ganze auf einem der insgesamt vier Induktionskochfelder, rührt um und füllt die Speise in einen Einwegbehälter. Künftig will Mercedes auf Mehrweg umstellen. Gibt man den Code auf dem Bon am Gerät ein, lässt sich die Schale rechts aus der sieben Quadratmeter großen KI-Roboterküche entnehmen. Die Töpfe spült sie automatisch.
Mercedes-Gastronomie-CEO: „Optik und Geschmack sind zentral“
Der Kochroboter könne maximal 300 Gerichte pro Tag und bis zu 80 in der Stunde zubereiten, erklärt der Gastro-Chef. Bislang verkaufe man zwischen 100 und 200 täglich, die Nachfrage variiere. „Diejenigen, die hier reinkommen, sind total interessiert und begeistert“, spricht Mack von einem bislang positiven Feedback.
„Optik und Geschmack sind zentral“, weiß der CEO. „Ob der Roboter vier oder sieben Minuten braucht, ist, glaube ich, irrelevant. Aber dass es zum Schluss ein schmackhaftes und optisch ansprechendes Gericht gibt, ist sehr, sehr wichtig“, sagt der 46-Jährige, der seit 2012 bei Mercedes-Benz im Gastrobereich tätig ist.
Möglich macht diese Gerichte der Roboter namens CA-1 von Circus, der etwa auch bei Rewe vertreten ist. Mercedes nutzt nach eigenen Angaben ein Lizenzmodell der Firma und zahlt eine monatliche Miete. Zum Preis äußert sich der Autobauer nicht. Das Start-up gibt „zu vertraglichen Details grundsätzlich keine Auskunft“, heißt es dort auf Nachfrage. Medienberichten zufolge kostet das Modell in der Anschaffung rund 250.000 Euro.
Mercedes testet das Ganze derzeit erst einmal. „Uns ist bei jeglichen gastronomischen Themen wichtig, Innovationen früh zu prüfen und zu schauen: Integrieren wir sie bei uns oder nicht?“, erklärt Mack. Der Roboter habe überzeugt, da „die Prozesse einfach sind und das Gerät eine übersichtliche Größe hat.“
Für Annette Matzat sind die besten Innovationen die, „die einen konkreten Nutzen für Menschen schaffen“, sagt die Leiterin Personalpolitik und -services von Mercedes-Benz. „Mit dem Kochroboter zeigen wir, wie moderne Technologie und erfahrene Gastronomie-Teams zusammenspielen, um den Alltag unserer Beschäftigten zu erleichtern – und setzen gleichzeitig wichtige Impulse für die Betriebsgastronomie der Zukunft.“
Mercedes-Benz erhofft sich Erkenntnisse aus Pilotphase
Welche Rolle Kochroboter bei Mercedes künftig spielen, kann Mack nun zu Beginn des Pilotbetriebs bislang nicht konkret sagen. Er könne sich aber vorstellen, dass die Modelle etwa im Produktionsbereich eingesetzt werden, um diejenigen, die schichten, auch zu Randzeiten mit richtigen Mahlzeiten zu versorgen.
Die Schichtarbeit macht den Standort Sindelfingen auch für Circus interessant, erklärte Firmengründer Nikolas Bullwinkel im Februar gegenüber unserer Zeitung. „Wir finden: Jede Schicht sollte denselben Zugang zu frischem, warmem Essen bekommen und unsere Geräte können das leisten“, sagte er im Interview und ergänzte: „Zudem ersparen wir Mitarbeitenden lange Wege über große Werksgelände – das Essen kommt näher an den Arbeitsplatz.“









