Saatgut gewinnen: Im Kandertal werden in luftiger Höhe die Douglasien von morgen geerntet

Zapfenpflücker bei der Arbeit in einer Douglasienkrone
ForstBW- Im Forstbezirk Hochrhein wurden mehr als 21 Tonnen Douglasienzapfen geerntet.
- Bis zu 50 Meter hoch ernten Zapfenpflücker in Kandertal und Münstertal das Saatgut.
- Die Ernte ist ergiebiger als 2023, doch der geeignete Zeitraum ist sehr kurz.
- In der Staatsklenge Nagold fallen aus 100 Kilo Zapfen etwa 1 Kilo Samen an.
- Das Saatgut stärkt den regionalen Waldumbau und wird genetisch beprobt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es ist Abend und bereits dunkel. An den Sammelstellen im ForstBW-Forstbezirk Hochrhein liegt der Duft ätherischer Öle in der Luft. Nach und nach treffen die Zapfenpflücker ein, um ihre Tagesernte abzuliefern.
Mit einer Schubkarre werden die in Säcken verpackten Douglasienzapfen von den Fahrzeugen zur Waage gebracht. Gespannt verfolgen auch die anderen Pflücker die Anzeige. Mehr als 200 Kilogramm zeigt die Waage an – ein außergewöhnlich guter Tag, heißt es in einer Mitteilung von ForstBW.
Doch nicht nur dieser einzelne Tag ragt heraus: Die diesjährige Ernte fiel insgesamt so ergiebig aus wie seit vielen Jahren nicht mehr: Im gesamten Forstbezirk Hochrhein wurden mehr als 21 Tonnen Douglasienzapfen geerntet. Das ist mehr als das Dreifache der jüngsten Ernte im Jahr 2023 und ungefähr ein Viertel der Menge, die im ganzen Land Baden-Württemberg dieses Jahr geerntet worden ist.
Die Douglasien produzieren, wie auch die meisten anderen Baumarten, nicht jedes Jahr gleich viel Zapfen, heißt es. Erst ab einer gewissen Menge lohne es sich, in die Bäume hochzusteigen – und das war seit 2023 erst dieses Jahr wieder der Fall.
Unter Aufsicht der zuständigen Förster
Um einen ertragreichen Baum zu finden, brauche es zwar auch etwas Glück, entscheidend sind laut ForstBW jedoch vor allem Erfahrung und Können. Saatgut wird nur in anerkannten Waldbeständen geerntet – und dies stets von fachkundigen Zapfenpflückern und unter Aufsicht der zuständigen Förster.
Für die Ernte waren die Zapfenpflücker in den höchsten Bäumen des Kandertals und des Münstertals im Staatswald unterwegs. Bis zu 50 Meter über dem Boden befindet sich das Saatgut. Geerntet werden kann es nur in einem kurzen Zeitraum. Die Samen müssen vollständig ausgereift aber die Zapfen noch geschlossen sein. Die Zeit drängte also. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang verbrachten die Pflücker ihre Tage in den Baumkronen.
Nachdem die Zapfen mühsam von den Bäumen geerntet worden sind, beginnt der nächste Schritt: In der Staatsklenge Nagold werden sie in einem aufwendigen Verfahren zu Saatgut verarbeitet. Dazu werden die Zapfen schonend getrocknet, so dass die Samen herausfallen. Aus 100 Kilo Zapfen wird nur rund ein Kilo Saatgut gewonnen, heißt es.
Den regionalen Waldumbau fördern
Daraus wachsen in den Baumschulen des Landes zehntausende junge Douglasien, die dabei helfen sollen, die Wälder der Zukunft klimaresilient zu gestalten. Das Saatgut wird beprobt, so dass durch eine genetische Analyse die Herkunft der Pflanzen auch zu einem späteren Zeitpunkt jederzeit überprüft werden könne.
Ziel der Saatguternte ist es, den regionalen Waldumbau zu fördern und so die Widerstandsfähigkeit der Wälder in Baden-Württemberg gegen zukünftige klimatische Herausforderungen zu erhöhen, heißt es in der Mitteilung.
Es sei sehr gut möglich, dass in zwei oder drei Jahren junge Douglasien-Setzlinge, die aus diesem Saatgut herangewachsen sind, auch hier in die Gegend geliefert werden, um in einem Waldstück, in dem noch keine Mischbaumarten wachsen, gepflanzt zu werden.
Über ForstBW
Die Anstalt öffentlichen Rechts Forst Baden-Württemberg (ForstBW) arbeitet seit dem 1. Januar 2020 als eigenständiges Unternehmen. ForstBW trägt laut eigenen Angaben die Verantwortung für die Bewirtschaftung von über 324.000 Hektar Staatswald – das entspricht einem Viertel der Waldfläche Baden-Württembergs – und ist damit der größte Forstbetrieb des Landes. ForstBW setzt sich zum Ziel, ökologisch vorbildlich, sozial ausgewogen und ökonomisch erfolgreich zu arbeiten. Landesweit werden etwa 1900 Mitarbeiter beschäftigt.
