SWR 1 Pop & Poesie in Schopfheim: Sommersound-Start mit „Power of Love“

Alles für die Liebe - das tragende Motto im aktuellen Programm von Pop Poesie auf der der Bühne des Schopfheimer Sommersound.
Anja BertschStil- und stimmungsbildend dabei: Das aktuelle Programm „The Power of Love“. Keine Angst vor Gefühl und Tiefgang, so der Grundton, den Moderator Jochen Stöckle gleich zu Beginn des Abends setzt: „Wir haben uns angeschaut, was los ist in unserer Welt. Und haben gemerkt: Es fehlt einfach ganz viel Liebe“, lautet die Kurzversion zur Entstehung des neuen Programms.
Das markiert jede Menge Bedeutsamkeit – und eröffnet zugleich (fast) die komplette Breite der Pop- und Rockmusik als Reservoir, aus dem man sich Kreieren des Programms bedienen kann – schließlich geht’s doch in den meisten Songs irgendwie um das eine, ganz Große.
Und so gelingt es der insgesamt neunköpfigen Combo aus Schauspielern und Musikern, auch im nun siebten Programm und im 17. Jahr des Pop&Poesie-Formats nicht zu Wiederholungstätern zu werden und ausschließlich neue Stücke zu präsentieren.
Auf der Schopfheimer Sommersound-Bühne ist die SWR-Combo mit ihrem geschätzt „drölfzehnten“ (Moderator Stöckle) Besuch längst Stammgast. Gleiches gilt für die absolute Mehrheit der über 1300 Besucher, wie eine kurze Abfrage – „Wer schon mal da war: Hände in die Höh’!“ – ergibt.
„Hass ist krass. Liebe ist krasser“
Zur Liebesbotschaft gehört das Präsentieren der Regenbogenfahne mitsamt historischem Diskurs – ihre Wurzeln als Hoffnungssymbol liegen in Zeiten des Bauernkriegs –, und ebenso der Verweis darauf, dass sich das „Toleranz-Ding“ – Stichwort Nächstenliebe – eigentlich schon in der Bibel findet, Hetze wiederum in den Algorithmen der neuzeitlichen Social Media. „Hass ist krass. Aber Liebe ist krasser“, kommentiert Stöckle.
Vor allem gehören zur geballten Liebesbotschaft aber die Song-Texte: Diese werden, dem Konzept des Pop & Poesie-Formats folgend, in deutscher Übersetzung und mit schauspielerischer Verve vorgetragen, bevor die Band übernimmt und das zugehörige Stück spielt, meist ziemlich nah an der Originalversion.
Guns n’ Roses, Oasis, Prince
Zum amüsanten Ratespiel wird es da, das jeweilige Stück anhand der ersten paar Zeilen zu erkennen: Guns n’ Roses’ „Sweet child of mine“ und Oasis’ „Wonderwall“? Nicht mehr als das kleine Einmaleins für jedes 1990-er Kind. Schon schwieriger da, die lasziv-schwitzigen Satzfetzen im nächsten Stück zuzuordnen; spätestens bei der Forderung nach dem „Kuss“ aber ist Prince entlarvt.
John Lennons „Imagine“ wiederum entwaffnend und berührend in seiner schlichten Wahrheit, und heute wie zu jeder anderen Zeit absolut wert, in voller Länge vorgetragen und gehört zu werden – und denn auch der Punkt, an dem sich das komplette Publikum von seinen Sitzen erhebt, um zumindest in diesem Moment zum vereinten Friedenschor zu werden.
Harter Rock
Musikalisch indes bewegt sich das Programm keineswegs in zarten Gefilden: Aus der musikalischen Bandbreite, die das Motto eröffnet, bedient sich die Band zumeist der härten Gangart: Hits von Shakira, John Miles oder Oasis werden in knackigen Rocksound verpackt, andere wie die von Guns n’ Roses oder Jon Bon Jovi sind das ohnehin. Das Publikum lässt sich diese Mischung gern gefallen – und verabschiedet die neunköpfige Bühnen-Crew nach über zwei Stunden mit stehenden Ovationen.