Wilhelmspflege in Schwenningen: Abschied von einem beliebten Kindergarten

Die Kinder aus der Schwenninger Wilhelmspflege umrahmten am Samstag mit Gesang das Abschiedsfest.
Jochen SchwilloAm 1. August ist der letzte Tag in der Kindertageseinrichtung an der Metzgergasse 7. Dann endet eine über 173-jährige Tradition. Für viele Schwenninger auch das Ende einer Ära.
Zum Abschiedsfest am Samstag waren neben einstigen Kindergärtnerinnen auch einige ehemalige Kindergartenkinder gekommen, die sogar schon in den 1950er-Jahren den evangelischen Kindergarten gleich neben der Stadtkirche besuchten und manche Erinnerungen an die damaligen Zeiten hatten.
„Wir feiern was ist, was war und was sein wird“, stellte Pfarrerin Brigitte Güntter fest und sie erinnerte an die vielen Veränderungen und Entscheidungen der vergangenen Jahre, blickte aber auch auf die Menschen in der Wilhelmspflege, die den Schritt ins Neue wagen.
„Heute feiern wir stolz auf das was geworden ist, Generationen von Kindern sind hier geprägt worden“, sagte Brigitte Güntter. Weiterhin haben an der Wilhelmspflege Generationen von Eltern Annahme und Unterstützung gefunden.
„Willkommenskultur“
Die evangelische Pfarrerin sagte, dass man sich zusammengefunden habe, um sich in Achtung von der Wilhelmspflege zu verabschieden. Während der Kindergarten früher nur für hiesige Schwenninger Kinder geöffnet war, habe sich das seither grundlegend verändert. „Die Willkommenskultur war uns nach wie vor sehr wichtig“, berichtete Brigitte Güntter. Sie selbst habe in ihrer Zeit in Schwenningen so manche Diskussion verfolgt, auch als es um ein geplantes Familienzentrum ging, dass man beim Muslenzentrum umsetzen wollte.
Christian Maurer, der bei der Stadtverwaltung das Amt für Kindertageseinrichtungen leitet, stellte fest, dass es eine sehr lange Zeit an der Wilhelmspflege war, in der mehrere Generationen an Kindern betreut wurden. Die evangelische Kirchengemeinde Schwenningen ist ein langjähriger und verlässlicher Partner was Kindertageseinrichtungen in der Stadt, stellte Maurer fest. „Die Wilhelmspflege war schon öfters in der Diskussion, wenn es um Sanierung oder doch um den Abbruch ging“, erläuterte der Amtsleiter. Er erinnerte an den Ersatzbau des Kindergartens, der schließlich vor 30 Jahren als Kindertagesstätte in der Au eröffnet wurde und bei der die Stadt selbst die Trägerschaft übernahm.
In der Wilhelmspflege gebe es seit einem Jahr nur noch eine Gruppe, für Christian Maurer auch ein Zeichen dafür, dass sich der Fachkräftemangel nieder schlage. „Das ist bei allen Trägern so, auch bei der Stadt“, berichtete Maurer und bedauerte, dass es immer weniger Erzieherinnen und Erzieher gebe, welche die Arbeit machen würden.
„Übergang problemlos“
Nach Gesprächen mit der Kirchengemeinde kam man schließlich überein, dass die letzte verbleibende Gruppe im Pauluskindergarten betreut wird. „Diesen Übergang haben wir problemlos hingekriegt“, sagte Amtsleiter Maurer. Jetzt sei man daran, an der Bürkstraße 1 einen neuen Kindergarten zu bauen, so Maurer. Dieser solle dann im Herbst 2026 eröffnet und von der Stadt betrieben werden, kündigte er an.
„Alles hat seine Zeit“
Pfarrer Andreas Güntter, der damals in der evangelischen Kirchengemeinde für das Referat Kindergärten und Horte zuständig war, lobte in der Wilhelmspflege die stets gute Zusammenarbeit mit den Eltern. „Wir haben auch eng und gut mit der Stadt zusammengearbeitet“, so Andreas Güntter. Doch jetzt müsse man sich vom Kindergarten verabschieden. „Alles hat seine Zeit“, stellte Pfarrer Güntter fest.
Alfred Zahn, Geschäftsführer des Deutschen Kinderschutzbundes in Villingen-Schwenningen, erinnerte, dass man damals in der gegenüberliegenden Volkshochschule ein Kinderstüble zur Betreuung von Kleinkindern betrieb, das schließlich an die Schopfelenstraße umzog.
Eigentlich war die Idee, dass dann beim Abriss der alten Wilhelmspflege die Kleinkinderbetreuung in einem Neubau Platz für zwei Gruppen bekommen sollte. Das wäre auch wichtig gewesen für die Quartiersarbeit in der Schwenninger Stadtmitte.