Weihnachten in Villingen
: Musik, Glaube und volle Kirchen

Gregorianischer Gesang, Krippenspiele und festliche Kirchenmusik: In Villingen feierten Christen Weihnachten – mit vollen Kirchen und bewegenden Momenten.
Von
Martin Disch
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Volle Kirchen prägten die Weihnachtsgottesdienste in den christlichen Kirchen in Villingen. Krippenfeiern, wie hier in St. Fidelis, begeisterten die Familien an Heiligabend und stimmten auf das Fest ein und das, was wirklich dabei zählt.

Martin Disch

Traditionell wird am ersten Weihnachtsfeiertag durch eine Schola oder einen Kantor in den katholischen Gottesdiensten der gregorianische Introitus“Puer natus est nobis“ (Ein Kind ist uns geboren und ein Sohn ist uns geschenkt“) gesungen. Der Text der Antiphon stammt aus Jesaja 9,6 und erklärt den Grund, warum die Gläubigen zusammen gekommen sind. So auch in Villingen, wo die Christen auf verschiedene Art und Weise die Geburt des Gottessohnes zu Bethlehem feierten und damit bekundeten, was Weihnachten bedeutet.

Nicht der Weihnachtsmarkt oder die Geschenke, der Christbaum oder das Weihnachtsessen stehen im Mittelpunkt des Tages, sondern die Freude über die Geburt Jesus. Deshalb und in Erinnerung an die Engel, die laut Überlieferung über den Feldern das „Gloria in exelsis deo“ intonierten, wurden in allen Gottesdiensten die bekannten Weihnachtslieder gesungen und die Gottesdienste mit festlicher Musik begleitet.

Familien strömen zu Krippenspielen

Als es am Nachmittag des Heiligen Abends ruhiger wurde, erklangen über die Dächer der Stadt festlich die Glocken der einzelnen Kirchen und riefen zu den Kinderchristmetten, welche allesamt gut besucht waren. Vor allem Familien mit Klein- und Grundschulkindern nehmen die Gelegenheit wahr und feiern im kindlichen Rahmen die Geburt Jesu. So auch im Villinger Münster, wo der Kinderchor die Liturgie musikalisch mitgestaltete und die Kinder ein Kinderkrippenspiel aufführen, Die Kinder sangen inbrünstig das Lied „Ihr Kinderlein kommet“, und glänzende Augen bekamen sie, als sie den festlich leuchtenden Christbaum und die Krippe im Altarraum sahen.

Auch in der evangelischen Johanneskirche wurde ein Sing-Krippenspiel mit dem Kinderchor DoReMi aufgeführt.

Spät locken die Christmetten

Am Abend füllten sich die Gotteshäuser bei den evangelischen wie katholischen Christen bis auf den letzten Platz bei den Christmetten, die in allen Kirchengemeinden musikalisch besonders umrahmt wurden. Die Besucher gaben ihr Opfer für die evangelische Aktion „Brot für die Welt“ und in den katholischen Gemeinden wurde die Kollekte der Aktion „Adveniat“ weitergegeben.

Die großen Weihnachtsgottesdienste im Villinger Münster waren auch in diesem Jahr durch ein vielfältiges Angebot festlicher Kirchenmusik geprägt.

In der Christmette sangen Mitglieder der Capella Nova unter der Leitung des Münsterkantors Roman Laub weihnachtliche Chorsätze. Im festlichen Hochamt am ersten Weihnachtsfeiertag sang der Weihnachtsprojektchor die Missa brevis in G-Dur KV 140 von Wolfgang Amadeus Mozart. Sie ist in Melodik und Rhythmik den weihnachtlichen Pastoralmessen zuzuordnen, wie sie zu Mozarts Zeit besonders in Böhmen und Italien verbreitet war.

Es musizierte ein Instrumentalensemble mit Musikern aus der Region (Konzertmeisterin Natalia Isyemini). Solisten waren Valerie Jautz (Sopran), Sandra Heinz (Alt), Xing Liu (Tenor), Kazuma Abe (Bass). Jautz, Liu und Abe studieren an der Musikhochschule Trossingen.

Mit der feierlichen Weihnachtsvesper um 18 Uhr, mitgestaltet von der Schola klang der Festtag aus. In der St. Fidelis Kirche sang der Münster- und Fidelischor die zu Herzen gehende „Christkindlesmesse“ von Ignaz Reinmann.

Evangelische Feiern den Kantatengottesdienst

Traditionell trafen sich die evangelischen Christen am zweiten Weihnachtstag in der Johanneskirche zum Kantatengottesdienst. Die Kantorei unter Leitung von Thomas Haverkamp sang unter Leitung von die zweite Kantate, die auch am zweiten Weihnachtsfeiertag vorgesehen ist. Der zweite Teil handelt von der Nachricht der Geburt Jesu an die Hirten.

Anders als in allen anderen Teilen, in denen ein Chorsatz am Anfang steht, erklingt in dieser nächtlichen Szene eine reine Instrumentalmusik, überschrieben Sinfonia, nach Art einer Pastorale. Flöten und Streicher versinnbildlichen eine himmlische Engelsmusik und die Oboen eine volkstümliche Hirtenmusik. Die Aufführenden waren: Tabea Nolte (Alt), Marcus Elsässer (Tenor), Aeneas Frisch (Bass), ein Barockorchester und Peter Hastedt an der Orgel. Der Liturgie stand Pfarrerin Dorothea von Kalckstein vor.

In den Predigten an den Weihnachten standen traditionell die Themen Frieden und Licht in die Dunkelheit bringen im Zentrum. Andererseits wurde auch Bezug zu heute mit den Kriegen in der Ukraine oder den Szenarien in Gaza und Sudan gezogen und die Parallele zu Josef und Maria in einer ebenfalls beängstigenden Situation kurz vor der Niederkunft.

Das Schwarzwälder BAARometer
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis Montag bis Samstag im kompakten Überblick.