Ganze 184 Jahre ist der Hauptteil der Schildknecht- und Bergmann-Orgel alt; seit 1980 ist er der stolze Besitz und das Herzstück der evangelischen Kirchengemeinde in Villingen. Foto: Singer

Dieser Tage ist es still in der Johanneskirche der evangelischen Stadtgemeinde in Villingen: Ihr Herzstück, eine jahrhundertealte Orgel, erhält einen gründlichen – und notwendigen – Frühjahrsputz.

VS-Villingen - "Ein tolles Instrument", schwärmt Kantor Marius Mack, wenn er an die Schildknecht- und-Bergmann-Orgel in der Johanneskirche an der Gerberstraße denkt: Seit 1980 gehört sie der evangelischen Kirchengemeinde und wurde im Zuge einer umfassenden Kirchenrenovierung angeschafft. 42 Jahre später ist es die Orgel selbst, die "erneuert" werden muss – nicht von außen, aber von innen. Auch die Glocken werden neu ausgestattet.

Gründliche Innenreinigung und ein stabiler, "neuer" Klang

"Zum einen wurde die Windversorgung der Orgel über die Jahre ein wenig instabil", erklärt Mack. Dadurch war es für ihn und andere Organisten eine Herausforderung, den Ton stabil zu halten – vor allem je mehr Register gezogen wurden. "An sich hatten wir keine Einschränkungen im Spiel. Aber wenn wir zum Beispiel vollregistriert – das heißt mit allen Registern – gespielt haben und der Wind ›in die Knie ging‹, fing der Ton an zu zittern."

Zum anderen werden das Innere der Orgel gründlich gereinigt und zwei Pfeifenregister nachgestimmt. Gleichzeitig sollen das Innere der Orgel sowie das Notenpult unter anderem mit LEDs ausgeleuchtet werden. Reinigung und Instandsetzung übernimmt der Freiburger Orgelbau Hartwig und Tilmann Späth OHG.

"Insgesamt wollen wir versuchen, den Klang mehr an den Klang von damals anzupassen", sagt Mack. Mit damals meint er das Jahr 1838, aus dem die Orgel stammt. Zwar wisse keiner mehr ganz genau, wie der Klang von damals war. Aber es gebe genügend Überlieferungen, auf die sich Orgelbauer stützen könnten – und natürlich das praktische Wissen der Orgelbauer selbst.

Parallel dazu erhalten die Kirchenglocken neue Tragbalken, so genannte Glockenjoche: Die alten Metallteile sollen durch Gewichte aus Holz ersetzt werden. Vor allem die Glocken aus Stahl seien laut Dekan Wolfgang Rüter-Ebel inzwischen eine Seltenheit: Sie wurden während der Nachkriegszeit von der Firma "Bochumer Stahlverein" neu gegossen, nachdem deren Vorgänger im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen wurden, um daraus unter anderem Kanonen zu gießen. Zudem soll der Glockenturm gestrichen und die Holzlamellen ausgetauscht werden.

Maßnahmen kosten zusammen rund 82 500 Euro

Die Sanierung und Reinigung der Orgel und Glockengewichte kostet etwa 82 500 Euro – inklusive Verwaltungsgebühren und Nebenkosten. Die Kirchengemeinde trage dabei einen Eigenanteil von 40 000 Euro. "Der Rest muss aus den Substanzerhaltungsrücklagen finanziert werden, die für die Johanneskirche jährlich gebildet und angespart werden", sagt Petra Decker, Geschäftsführerin der evangelischen Stadtgemeinde Villingen.

Diese Rücklagen wurden jedoch fast vollständig für die große Innenrenovierung vor einigen Jahren aufgebraucht und separate Rücklagen gebe es nicht. "Daher ist das Ziel, die Maßnahmen an der Orgel und den Glocken zu einem großen Teil aus Spenden finanzieren zu können", sagt Decker – auch wenn die Spenden laut Auskunft von Rüter-Ebel dieser Tage eher in Richtung Ukraine gingen. "Da brennt gerade die Hütte, die Sache ist momentan wichtiger", sagt er, versichert aber: Auf Kirchenmusik müsse nicht verzichtet werden. "Wir haben noch eine kleine Truhenorgel, sowie ein großes und ein kleines Klavier."

Herzstück der Kirche steht ebenfalls unter Denkmalschutz

Trotzdem gibt auch Wolfgang Rüter-Ebel zu, dass die Orgel ein unersetzliches Unikat der Johanneskirche sei: "Die Orgel ist definitiv das Herzstück der Kirche, die beiden sind für einander gemacht." Nicht nur das: Als die Johanneskirche unter Denkmalschutz gestellt wurde, galt dies automatisch auch für die Orgel – zumindest solange das Äußere weitgehend unberührt bleibt. "Im Inneren dürfen wir quasi machen, was wir wollen. Nur wenn wir äußerlich etwas verändern wollen würden, müssten wir uns an sehr strenge Vorgaben halten und alles vorher absprechen", sagt Marius Mack. Er selbst könne es kaum erwarten, wieder an der Orgel zu sitzen und die Kirche mit ihren Klängen zu erfüllen.

Infos zur Orgel

Die Schildknecht- und-Bergmann-Orgel aus dem Jahr 1838 befand sich zunächst in der evangelischen Stadtkirche in Sulzburg, ehe sie an die evangelische Kirchengemeinde Villingen verkauft und durch die Orgelbaufirma Georges Heintz aus Schiltach restauriert wurde. 1980 wurde die Orgel offiziell eingeweiht. Insgesamt zählt sie 30 Register und 1844 klingende Pfeifen. Ihr Wert sei unklar; Kantor Marius Mack schätzt jedoch, dass ein Neubau der Orgel – bei gleichbleibender Register- und Pfeifenanzahl – etwa 600 000 Euro kostet.