Villinger Regisseur stellt neuen Film vor: Dokumentation zeigt Leben und Werk der Künstlerin Angelika Nain

Der Villinger Filmemacher Klaus Peter Karger hat Angelika Nain über Monate mit der Kamera begleitet.
Karger Film Kultur und VideoDas Engagement für Flüchtlinge und ihre Auseinandersetzung mit den Folgen des Kolonialismus spiegeln sich ebenso wider wie die Liebe zur Natur und ihre Verantwortung für die Umwelt: Der Offenburger Künstlerin Angelika Nain nähert sich der Villinger Regisseur Klaus Peter Karger in seinem Dokumentarfilm „Die Treibende Kraft“.
Gleich in den ersten Einstellungen nimmt Karger die Zuschauer mitten hinein in das Leben der aus Trossingen stammenden Malerin und Grafikerin und skizziert die existenziellen Herausforderungen, vor der sowohl Filmemacher als auch Künstler stehen: die Gesetze des Marktes in der Kinobranche und die prekäre Einkommenssituation von Bildenden Künstlern in Deutschland. Dies kommt immer wieder zur Sprache, ohne dass sich Angelika Nain beklagt. Vielmehr zieht sich ihr Engagement für Geflüchtete und ihr Blick auf die globale Ungerechtigkeit wie ein roter Faden durch den Film.
Bei Arbeit begleitet
Vom Frühjahr bis in den Herbst hat Karger die Künstlerin begleitet, bei ihrer Arbeit im Atelier in Kehl-Marlen, der Präsentation ihres Kunstbands „Und immer noch…“, der Vorbereitung einer Ausstellung oder Begegnungen mit Menschen aus Gambia. Über all die Monate hinweg ist sie mit ihrem „Raumwunder-Objekt“ für das Stadtmuseum in Lahr beschäftigt, ein Projekt, für das Künstler einen nach einer Seite offenen Kasten gestalten.

Aus Drucken mit Pflanzen schafft die Künstlerin Angelika Nain im Atelier ihr „Raumwunder-Objekt“.
Foto: Karger Film Kultur und VideoEin Werk, in dem sich ihr Faible für Flora und Fauna wiederfindet: Sie durchstreift ihren Garten, um Pflanzen für den Druck zu finden, hält sie Schicht um Schicht auf Seidenpapier fest, lässt sich von ihrer Umgebung inspirieren und schafft nach und nach eine kleine Wunderwelt der Natur en miniature, die zum Schluss auch Insekten beherbergt. Über Wochen fängt Karger den ganzen Arbeitsprozess ein, lässt die Kamera im Atelier und im Freien umherschweifen. „Dieser Schaffensprozess entspricht meiner Arbeitsweise als Dokumentarfilmer“, erzählt er.
Als Leiter seiner eigenen Produktionsfirma sei er nicht gezwungen, im Vorfeld ein Drehbuch zu schreiben, um die Finanzierung sicherzustellen. Wie Angelika Nain wisse auch er am Anfang oft nicht, welche Szenen sich im Laufe der Dreharbeiten ergeben. „Mein Ziel ist es, nah an die Menschen heranzukommen“, schildert er die Intention vieler seiner Geschichten, ob er in „Herr Felde und der Wert der Dinge“ einen Schuhmacher porträtierte oder für „Die Spaßmacher“ mit den Clowns Roland Kurz und Uwe Spille unterwegs war.
In seinem neuen abendfüllenden Kino-Dokumentarfilm gewährt er einen tiefen Einblick in das Leben und Werk der Künstlerin, mit der er schon lange freundschaftlich verbunden ist. Die gelernte Krankenschwester studierte an der Freien Hochschule für Grafikdesign und Bildende Kunst in Freiburg und beschloss 1996, als freischaffende Künstlerin zu leben, war seither in mehr als 50 Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten. Doch ihre Existenz konnte sie mit diesem Einkommen nie bestreiten, musste Nebentätigkeiten als Dozentin an der Kunstschule Offenburg, im Pflegedienst oder als Kursleiterin nachgehen. „Ich sehe Angelika Nain in diesem Sinne exemplarisch für das Leben der meisten der schätzungsweise 50 000 Bildenden Künstlerinnen und Künstlern in Deutschland“, verweist Karger auf eine der sozialen Dimensionen des Films.
Einsatz auf dem Mittelmeer
Weitere zentrale Aspekte sind Angelia Nains langjährige Arbeit mit Geflüchteten, ihre Kritik an postkolonialen Strukturen, die sie gerade seit einer Reise nach Afrika mit ihrem Lebensgefährten Jürgen Drafehn in Bildern darstellt, und die Eindrücke ihres gemeinsamen Einsatzes auf einem Seenotrettungsschiff der Organisation Sea-Eye zwischen Libyen und Italien. Wie sich ihre Arbeit über all die Jahre entwickelt hat und diese Lebenserfahrungen Niederschlag finden, kann Karger mit Filmausschnitten veranschaulichen. Hatte er die Künstlerin doch schon einmal porträtiert, als sie ihr Studium abgeschlossen und sich mit anderen ein Gemeinschaftsatelier in Offenburg geteilt hatte. So stellt er alte und neue Aufnahmen gegenüber, verwoben mit Fotos und Filmsequenzen der Afrikareise und der Seenotrettung auf dem Mittelmeer. Von Oktober bis Januar hat Karger den Film in seinem eigenen Studio geschnitten.
Jetzt ist er froh, dass Angelika Nain nach anfänglichem Zögern, im Mittelpunkt eines zweiten Films zu stehen, vom Ergebnis überzeugt ist. Gespannt seien sie beide, wie die Uraufführung beim Publikum ankommt, stellt Karger fest.

Bei einer Reise nach Gambia lernten Angelika Nain und Jürgen Drafehn Leben und Alltag der Menschen kennen.
Foto: Karger Film Kultur und VideoDas erlebt einen Film, der sich Zeit nimmt für die Künstlerin und ihre Umgebung, die sie prägt, Kunsttechniken ebenso festhält wie das Zusammenspiel mit anderen Menschen – und für eine Frau, die trotz schwieriger Lebensumstände nicht aufgibt, mit wenig Geld zufrieden ist.
„Wenn sie künstlerisch arbeitet, ist sie ein glücklicher Mensch“, bringt es Jürgen Drafehn auf den Punkt, dass seine Partnerin ihre Erfüllung gefunden hat – die Kunst als treibende Kraft eben.
Uraufführung
Vorführungen
Premiere feiert der Film „Die Treibende Kraft“ am Sonntag, 6. April, ab 17 Uhr in der Filmkunst-Reihe Forum Cinemas in Offenburg. Der Regisseur Klaus Peter Karger und auch seine Protagonistin sind anwesend und freuen sich auf das Gespräch mit den Zuschauern. Zudem ist der Film in zwei weiteren Vorstellungen am Montag, 7. April, ab 18 Uhr und ab 20.30 Uhr im Forum zu sehen. Kartenreservierungen sind über die Website www.forumcinemas.de möglich.