Sonderausstellung im Villinger Franziskaner
: Geschichte des Grabraubs durch die Jahrtausende

Die Vernissage der Sonderausstellung „Grabraub – Spurensuche durch die Jahrtausende“ im Franziskanemuseum stieß auf großes Interesse. Die Entdeckungsreise führt vom alten Ägypten bis in die Gegenwart und zeigt, wie die Popkultur die Bilder prägt
Von
Martina Zieglwalner
Oberndorf
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Vom alten Ägypten bis zur Popkultur geht die Reise in der von Peter Graßmann (Vierter von links) kuratierten Ausstellung „Grabraub – Spurensuche durch die Jahrtausende“, die auch Oberbürgermeister Jürgen Roh (Fünfter von links) begeistert.

Martina Zieglwalner

Von Mythen und Visionen, Abenteurern und Dieben erzählt die neue Sonderausstellung „Grabraub – Spurensuche durch die Jahrtausende“ im Franziskanermuseum in Villingen. Dass diese Geschichten von skrupellosen Plünderern und wertvollen Schätzen faszinieren, zeigte sich bei der Vernissage: Unzählige Besucher drängten sich im Foyer und machten sich auf einen Rundgang, der bis zurück ins alte Ägypten führt.

Die Ausstellung gebe spannende Einsichten und zeige ungewohnte Zusammenhänge rund um ein vielschichtiges Thema, das weit mehr beinhalte als dunkle Gestalten, die sich nachts über Friedhöfe schleichen, versprach Oberbürgermeister Jürgen Roth. Eine solch umfassende Präsentation sei nur möglich durch das Zusammenwirken vieler Unterstützer, ob tatkräftige Helfer, Leihgeber oder das Landesdenkmalamt.

Keltisches Fürstengrab als Ausgangspunkt

Die besondere Rolle von Kurator Peter Graßmann stellte Museumsleiterin Anita Auer heraus. Am Anfang sei die Idee den wissenschaftlichen Mitarbeiters gestanden, die Geschehnisse um das keltische Fürstenberg auf dem Magdalenenberg zu beleuchten, das Plünderer bereits kurz nach der Bestattung ausgeraubt hatten. Groß sei so die Enttäuschung bei den ersten Ausgrabungen im 19. Jahrhundert angesichts leerer Grabkammern gewesen, erst in den 1970er-Jahren hätten Archäologen kostbare Beigaben aus den Nachbestattung entdeckt. Dieser Vorfall habe Graßmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Museums, so umgetrieben, dass er immer tiefer in das Phänomen des Grabraubs eintauchte, das über Kontinente und durch die Jahrtausende nachgewiesen ist. Es seien oft auch die Abenteuer von Menschen wie Heinrich Schliemann, die an ihre Träume glaubten und schließlich den Schatz fanden.

In Themeninseln unterteilt, erfahren die Besucher von Bestattungsritualen und Formen des Grabraubs in verschiedenen Kulturen.

Foto: Martina Zieglwalner

Diese Faszination reiche bis in die Popkultur, habe Filmhelden wie Indiana Jones hervorgebracht, stellte Graßmann fest. So beginne die Ausstellung auch mit diesen Bildern, die jeder beim Gedanken an Grabraub vor Augen hat. Ob Filme wie „Nosferatu“ oder „Der Fluch der Mumie“, es sei immer auch eine Grenzübertretung zwischen dem Reich der Lebenden und der Toten.

Riten und Leichenraub

Diesen Weg beschreite auch der Besucher, betonte Graßmann, über einen dunklen Gang geht es zu den als Themeninseln angelegten Grabkammern, die chronologisch vom alten Ägypten bis in die heutige Zeit reichen. Da geht es um Bestattungsriten, Leichenraub für die Wissenschaft oder das Brauchtum in Peru, archäologische Fundstücke für überlieferte Rituale zu verwenden.

Schlaglichtartig beleuchte die Ausstellung verschiedene Kulturen und Epochen, werfe Fragen auf, die sich nicht klären lassen, betonte Graßmann. Sie sei die bisher einzige, die sich so umfassend dem Grabraub widme. So sei es auch gelungen, tolle Experten für das Begleitbuch zu gewinnen – ebenfalls die erste umfassende Veröffentlichung zu diesem Gebiet.

Mitmachstationen geben Einblick in die Methoden der Archäologie, die auch Stadtarchivar Markus Teubert bei der Vernissage erkundet.

Foto: Martina Zieglwalner

Neben wissenschaftlichen Untersuchungen sei es aber immer auch ein Thema, das einen mit den eigenen Hoffungen und Ängsten konfrontiere. „Wir wollen, dass sie sich berühren lassen von den Objekten und den Geschichten, die sie erzählen“, gab Graßmann den Besuchern mit auf den Weg – und versicherte ihnen mit einem Augenzwinkern, dass sie nicht der „Fluch der Mumie“ heimsucht.

Bei all den düsteren Gedanken sorgte die Begleitung des Klarinettenensembles Klarisma unter der Leitung von Nadia Sofokleous und des von Christof Mössmer geleiteten Posaunenensembles von der Musikakademie für die heitere Note, bevor die Besucher den Geheimnissen des Grabraubs auf die Spur gingen.

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