Sonderausstellung in Villingen
: Geschichte des Grabraubs auf der Spur

Auf Spurensuche durch die Jahrtausende begibt sich die neue Sonderausstellung im Franziskanermuseum in Villingen. Sie erzählt von Plünderungen und Bestattungsritualen auf fünf Kontinenten und in vielen Kulturen. Die Vernissage ist am Freitag, 4. April.
Von
Martina Zieglwalner
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Die Geschichte des Grabraubs über die Jahrtausende hinweg erzählen Kurator Peter Graßmann und die Archäologin Michelle Ziegler in der neuen Sonderausstellung im Franziskanermuseum. Auch eine Replik der Terrakotta-Armee aus China ist zu sehen.

Martina Zieglwalner

Ein düsterer Gang nimmt die Besucher mit in andere Welten, wenige Lichtquellen erhellen einzelne Nischen, die von Bestattungsritualen und den Vorstellungen des Jenseits erzählen, aber auch von jenen, die Schätze plünderten und die Totenruhe störten: „Grabraub – Spurensuche durch die Jahrtausende“ heißt die neue Sonderausstellung im Franziskanermuseum in Villingen, die sich mit dem Phänomen der Grabmanipulation in verschiedenen Epochen und Kulturen befasst.

Dass Grabräuber seit Jahrtausenden ihr Unwesen trieben, zeige sich direkt vor Ort, betonte Museumsleiterin Anita Auer bei der Vorbesichtigung. 1890 stellte sich bei der ersten Ausgrabung auf dem Magdalenberg heraus, dass Plünderer die Schätze aus dem keltische Fürstengrab mitgenommen hatten. Erst im Rahmen des zweiten Forschungsprojekts in den 1970er-Jahren kamen Grabbeigaben aus den Nachbestattungen ans Tageslicht.

Plündereien doch über die Jahrtausende

Dieser historische Tatort aus einer Zeit, von der es keine schriftlichen Überlieferungen gibt, habe den Anstoß gegeben, sich mit dem Grabraub in allen Facetten auseinanderzusetzen, erklärte Kurator Peter Grassmann. Seien diese Plündereien doch über die Jahrtausende geschehen, im alten Ägypten ebenso wie heutzutage. Und die Geschichten von Schätzen hätten die Fantasie beflügelt und Eingang in die Populärkuktur mit Comics, Büchern und Filmen von Tim und Struppi bis Indiana Jones gefunden.

Doch nicht immer gehe es tatsächlich um Raub, vielmehr habe in manchen Kulturen das Öffnen von Gräbern und die Wiederbestattung einen rituellen Hintergrund. Und nicht immer gebe die Gier nach Gold den Ausschlag, die Zerstörung von Gräbern könne auch politisch motiviert und ein Zeichen und Macht sein. Schlaglichtartig werfe die Ausstellung einen Blick auf verschiedene Arten der Plünderung und deren Hintergründe, gehe Mythen auf den Grund und hinterfrage überlieferte Bilder, so des Hobby-Archäologen Heinrich Schliemann, dem Entdecker von Troja. Zeitlich und geografisch sei es wohl das am breitesten angelegte Projekt, welches das Franziskanermuseum bisher präsentierte, stellte Graßmann fest. Und wohl auch die erste Ausstellung in Deutschland, die den Fokus auf den Grabraub legt.

Begleitbuch mit Beiträgen von Experten

Toll sei es, Experten gewonnen zu haben, um die verschiedenen Themen in Beiträgen im Begleitbuch vertiefen zu können, unterstrich Graßmann. Stolz sind er, die Archäologin Michelle Ziegler, wissenschaftliche Volontärin des Museums, und Anita Auer, welch wertvolle Exponate in den nächsten Monaten in Villingen zu bewundern sind. Dank der Zusammenarbeit mit renommierten Museen, wissenschaftlichen und privaten Sammlungen sind beispielsweise ein Kanopenkasten aus dem alten Ägypten zur Mumifizierung von Eingeweiden, eine Replik der Terrakotta-Armee aus China oder eine der Totenmasken von Friedrich Schiller zu sehen.

Chronologisch führen die Themeninseln von den Kelten bis nach Südamerika. Wie aktuell Grabraub ist, zeigt die Leihgabe das Landeskriminalamts: sichergestellte Hehlerware aus einem etruskischen Grabfeld, die für den Kunstmarkt gedacht war und deren Rückführung nach Italien direkt nach der Ausstellung ansteht. Die macht auch deutlich, dass selbst scheinbar harmlose Sondengänger, die mit einem Metalldetektor nach Reichtümern suchen, große Schäden anrichten, wenn sie die Fundstücke aus ihrem Kontext reißen und sie ihrer Gerschichte berauben.

Filmausschnitte sorgen für Grusel und Gänsehaut

Welche Methoden die Archäologen anwenden, um ihre Entdeckungen einzuordnen und ihre Bedeutung zu entziffern, das können die Besucher an Mitmachstationen erleben. Und neben Totenkult, Leichenraub oder Mumienresten sorgen Filmausschnitte mit unheimlichen Begegnungen zwischen Lebenden und Toten aus „Frankenstein“, „Nosferatu“ oder dem „Fluch der Mumie“ für Grusel und Gänsehaut.

Begleitprogramm

Vernissage
Die Eröffnung der Ausstellung „Grabraub – Spurensuche durch die Jahrtausende“ im Franziskanermuseum in Villingen ist am Freitag, 4. April, um 18 Uhr. Nach der Begrüßung durch Oberbürgermeister Jürgen Roth führen Museumsleiterin Anita Auer und Kurator Peter Graßmann in die Ausstellung ein. Die Umrahmung übernehmen ein Klarinetten- und ein Posaunenensemble der Musikakademie Villingen-Schwenningen. Die Ausstellung ist von 5. April bis 6 Juli dienstags bis samstags von 13 bis 17 Uhr, sonntags und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr zu sehen. Der Eintritt kostet sieben Euro, ermäßigt fünf Euro. Zur Ausstellung erscheint ein Begleitbuch. 

Veranstaltungen
Über aktuelle Ausgrabungen und Forschungen zum neu entdeckten hallstattzeitlichen Holzkammergrab von Riedlingen informiert der Landesarchäologe Dirk Krausse am Donnerstag, 10. April, ab 18 Uhr. „Tatort Ägypten: Ein geplündertes Grab und die Ermittlungen des LKA“ heißt der Vortrag des Kriminalhauptkommissars Stefan Holz vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg am Mittwoch, 21. Mai, ab 19 Uhr. Dem Thema „Gespenster, Vampire und Gold: Gräber und Tote im Kontext der Schatzsuche“ widmet sich Johannes Dillinger von der Oxford Brookes University und der Universität Mainz am Mittwoch, 4. Juni, ab 19 Uhr. Beim Keltentag verwandelt sich der Innenhof des Franziskanermuseums am Sonntag, 4. Mai, von 13 bis 17 Uhr für einen Tag in ein keltisches Lager. Geführte Rundgänge gibt es sonntags am 13., 20. und 27. April, 4., 11., 18. und 25. Mai sowie 1., 8., 15., 22. und 29. Juni jeweils ab 15 Uhr. Gruppenführungen für Schulklassen und Privatgruppen sind auf Anfrage möglich.

Das Schwarzwälder BAARometer
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis Montag bis Samstag im kompakten Überblick.