„Signal an die Öffentlichkeit“: Keine Klimaanlage im neuen Trossinger Rathaus

Im Inneren des Trossinger Rathauses haben die Entkernungsarbeiten schon begonnen, Ende August rollt der Abrissbagger an und reißt den Anbau ab.
Hans-Jürgen Eisenmann- Im neuen Trossinger Rathaus wird keine zentrale Klimaanlage eingebaut.
- Begründung: Einsparvorgaben und Signalwirkung, da Schulen nicht klimatisiert sind.
- Lüftung erreicht nur etwa die Hälfte der Räume – Sitzungssaal, Trauzimmer, Großraumbüros.
- Fußbodenheizung kann mit kaltem Wasser 3 bis 4 Grad kühlen, mehr ist nicht möglich.
- Kostenersparnisse durch kleinere Lüftung und einfacheren Ausbau, Gesamtkosten 30,2 Mio. Euro.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Temperaturen, die deutlich über 30 Grad Celsius klettern und dies tagelang, damit mussten sich die Menschen in diesem Jahr abfinden. Ob dies auch in den kommenden Jahren so sein wird? Eher ja als nein. Doch eine zentrale Klimaanlage wird es auch im Neubau des Trossinger Rathauses nicht geben.
Die Rathaussanierung ist bereits angelaufen, der unter Denkmalschutz stehende Jugendstilbau aus dem Jahr 1904 wird grundlegend renoviert, der Anbau muss abgerissen und neu gebaut werden.
In der jüngsten Gemeinderatssitzung sprach sich Stadtrat Ingo Hohner (Freie Wähler) vehement für den Einbau einer Klimaanlage aus. Der Schornsteinfegermeister befürchtet, dass sonst in zehn Jahren sowohl am Alt- als auch am Neubau Klimageräte nachgerüstet werden müssen.
Die Lüftungsanlage des Trossinger Rathauses erreicht nicht alle
Doch wie der bei der Stadt angestellte Architekt Alexander Haller aufklärte, kann schon allein deshalb eine zentrale Klimaanlage nicht viel ausrichten, weil nur etwa die Hälfte der Räume mit einer Lüftungsanlage erreicht wird. Für den Rest der Räume gilt: Bei schlechter Luft Fenster auf! Nur der Sitzungssaal, das Trauzimmer und die Großraumbüros sowie ein Teil der Flure werden belüftet.
„Wer im Jahr 2026 ein Gebäude errichtet, muss eine Klimaanlage einbauen, das ist absolut notwendig“, forderte Ingo Hohner. Doch Alexander Haller und Bürgermeisterin Susanne Irion wiesen darauf hin, dass der Gemeinderat beim Neubau Einsparungen gefordert hatte und deshalb scharf kalkuliert wurde. „Dass wir auf eine Klimatisierung verzichten, ist auch als Signal an die Öffentlichkeit zu sehen. Wir halten es als Stadtverwaltung für unangemessen, eine Klimaanlage einzubauen, während die Schulen nicht klimatisiert sind“, so die Bürgermeisterin.
Die Heizung kann etwas runterkühlen
Lediglich über die Flächenheizung – eine Fußbodenheizung – kann bei Hitze etwas Erleichterung verschafft werden, die wird dann nämlich mit kaltem Wasser gespeist und bringt dann eine Reduzierung der Raumtemperatur von drei bis vier Grad – immerhin. Tiefer kann nicht über die Fußbodenheizung gekühlt werden, weil dann nämlich die Gefahr der Kondenswasserbildung besteht.

Über mehrere Standorte verteilt sich derzeit die Stadtverwaltung Trossingen.
Hans-Jürgen EisenmannDurch die bessere Isolierung des Neubaus gegenüber dem heutigen Anbau soll sich das Gebäude aber künftig nicht mehr so stark erwärmen. Beim Altbau ist aber eine zusätzliche Außenwandisolierung aus Denkmalschutzgründen ausgeschlossen.
Wie Alexander Haller den Stadträten mitteilte, soll die Lüftungsanlage jetzt nochmal kleiner dimensioniert werden, sodass weitere 180.000 eingespart werden. Auch der sonstige Ausbaustandard wird reduziert, so gibt es Einsparungen bei den Bodenbelägen. Zudem verzichtet man auf die Glastrennwände – außer im Erdgeschoss – und spart durch die Verwendung von Trockenbauwänden weitere 250.000 Euro.
Ende August soll der Abrissbagger anrollen und den Anbau zerlegen, die Baugenehmigung liegt inzwischen vor. Ab Oktober beginnen dann die Arbeiten am Neubau. Mit der Fenstersanierung am Altbau geht es im Herbst los, hier liegt noch nicht die denkmalschutzrechtliche Genehmigung durch das Landratsamt Tuttlingen vor. „Die Denkmalbehörde ist bei uns als Stadt genauso streng wie bei privaten Bauherren“, so Bürgermeisterin Susanne Irion.
Einen Puffer hat die Stadt einkalkuliert
Im Moment werden die Gebäude schon entkernt und schadstoffbelastete Teile entsorgt. Mehrkosten sind neu bei der Fenstersanierung, der Brandschutzisolierung der Kellerdecke im Altbau und der Brandschutzisolierung der Decke über dem zweiten Obergeschoss identifiziert worden. Für unerwarteten Mehraufwand hatte die Stadt aber vorsichtshalber einen Puffer einkalkuliert, der jetzt noch bei 1,75 Millionen Euro liegt.
Die Sanierungskosten im Altbau werden zu 46 Prozent gefördert, im Neubau nur zu 18 Prozent. Die Gesamtkosten liegen bei 30,2 Millionen Euro, wovon die Stadt nach Abzug der Zuschüsse 19,5 Millionen selbst zu tragen hat.

