Schreibgeräte aus Unterkirnach
: Wenn der Füller fast 1000 Euro kostet

Im Groppertal in Unterkirnach entstehen exklusive Schreibgeräte. Roland Müller sowie Lydia und Denis Maier fertigen Füllfederhalter. Auch Hilfe für die Ukraine ist ein Thema.
Von
Hella Schimkat
Oberndorf
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Von der Feinmechanik zum exklusiven Füllfederhalter (von links): Denis Maier, Lydia Maier und Roland Müller.

Hella Schimkat

Was Roland Müller anfasst, das wird zu Edelstahl, von Silber bis zu Bronze und unter anderem zu Kupfer – ursprünglich mit Schwerpunkt Medizin, heute mit Schwerpunkt des Schreibens. Er fertigt edle Kugelschreiber und jetzt Füllfederhalter der gehobenen Klasse.

Im Groppertal, im Mehleck, sitzen Roland Müller, Tochter Lydia Maier und Schwiegersohn Denis Maier um einen großen Tisch und haben ihre Schätze ausgebreitet – neu hergestellte Edelfüllhalter.

„Ich habe meine Manufaktur an die Kinder übergeben, mache aber trotzdem noch mit“, erklärt Roland Müller. „Er ist der Kopf, der Erfinder, ich lerne noch“, betont Denis Maier.

Ein Rückblick: 1926 gründete Josef Ganter in Unterkirnach im ehemaligen „Hotel zur Tanne“ die Firma mit Herstellung von Scheibenträgern auf kurvengesteuerten Drehautomaten. 1950 übergab er sie an seinen Sohn Egon Ganter, 1980 übernahm Manfred Müller das Unternehmen, der erste CNC-Automat wurde gekauft. 1992 zog die Firma nach Dauchingen und expandierte. Der erste Langdrehautomat wurde angeschafft, 2004 übergab Manfred Müller den Betrieb an Roland Müller (geboren in Unterkirnach).

Hochkomplexe Werkstücke

2009 kaufte er ein siebenachsiges Fräszentrum für hochkomplexe Werkstücke, 2014 wurden Drehautomaten für Mikroteile in Betrieb genommen. 2015 verkaufte Roland Müller seine Firma an die Firma „Klingel medical metal“ und zog ins Groppertal.

„2005 lag unser Schwerpunkt für Medizin für Endoskopie im Dentalbereich, und ich fing an zu überlegen, welche Geschenke ich Kunden bei Besuchen mitbringen konnte“, erzählt Müller. Also kreierte er die ersten Kugelschreiber, aus verschiedenen Edelmetallen, jeder ein Unikat. Seine Kunden seien hoch erfreut gewesen, betont er.

Er wurde immer kreativer

Er kaufte sich spezielle Maschinen und wurde immer kreativer in der Herstellung seiner Kugelschreiber. Man konnte sie bei ihm bestellen, auch im „Echt Unterkirnach“ waren sie zu erwerben, „aber eigentlich war ich Privatier“, schmunzelt er.

Mit seiner Partnerin Andrea Winter lieferte er mit seinem Pinzgauer mehrere Jahre lang Kleidungsstücke an Albaner, die in den Bergen lebten. Dann fuhren Roland Müller und Andrea Winter mit Hilfsgütern in die Ukraine, mitten in die Kriegsgebiete. Insgesamt elf Mal waren sie unterwegs. Hatten sie bei den ersten Fahrten noch Spenden im Auto und Anhänger, kaufte Müller später alles, was gewünscht wurde – von Generatoren bis zu Schlafsäcken und Lebensmitteln ein und bezahlte es selbst. Rund 50 000 Euro habe er ausgegeben. Das habe er gern gemacht, aber jetzt müsse er wieder etwas verdienen, spannt er den Bogen zu den Füllfederhaltern.

Denis Maier hat Biochemie studiert, Lydia arbeitete in Teilzeit als Erzieherin. Das Paar hat zwei Söhne im Alter von sieben und acht Jahren und lebt im Obergeschoss des Hauses.

„Wir merkten, dass handwerklich ausgefallene Füllfederhalter gewünscht wurden und wir merkten noch, dass wir in die Hufe kommen sollten mit unserer kleinen Manufaktur“, erklärten Denis und Lydia.

Idee für das Design

„Der Beginn ist die Idee für das Design, dann kommt die Zeichnung, auf deren Basis wir die Einzelteile der Füllhalter programmieren können“, betont Müller. Da liegen die Unikate auf dem Tisch – und auf die Frage nach den Preisen, antwortet Müller: „von 49 Euro bis 990 Euro“.

Anfang 2024 habe er die Manufaktur an Denis und Lydia übergeben, die schon bei vielen Penshows in London, Hamburg und Nürnberg waren, jetzt steht Dubai wieder auf der Liste. Das Material, aus dem die Füllhalter und auch Patronenroller gefertigt werden ist Messing, Bronze, Edelstahl, Titan und dem Hochleistungskunststoff Peek.

„Andrea und ich fahren jetzt mit dem Pinzgauer nach Schweden, wo wir mit dem Kajak auf dem Wasser unterwegs sind“, unterstreicht Roland Müller, dass er die Manufaktur getrost dem Nachwuchs überlässt.

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