Rolle rückwärts bei der Ganztagsbetreuung?: Warum die Gartenschule plötzlich wieder eine Sonderrolle bekommen soll – und sich dagegen wehrt

Die Gartenschule in Schwenningen ist 2019 zur Ganztagsschule umgebaut worden. Die Betreuung findet unter anderem im ehemaligen Feuerwehrturm statt. Jetzt stehen gravierende Änderungen im Betreuungsmodell an.
Mareike Kratt- Stadt VS plant ein modulares Betreuungsmodell, das kostenpflichtig und städtisch organisiert ist.
- An der Gartenschule soll der Wechsel zur Stadt zurückgenommen werden – externer Träger per Vergabe.
- Rektorin Katya Götz lehnt die Sonderrolle ab und wirbt für einheitliche städtische Betreuung.
- Kritikpunkte: fehlende AGs und weniger pädagogische Gestaltung, mögliche Kostenbelastung für Familien.
- Entscheidung in städtischen Gremien im November, Stadt verweist auf Sitzung des JuBIS-Ausschusses.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
„An der Bildung zu sparen, ist der falsche Weg“: Katya Götz, Leiterin der Schwenninger Gartenschule, bringt es auf den Punkt. Sie hatte sich bereits damit arrangiert, dass die Schwenninger Innenstadtschule wie die meisten anderen Ganztagsgrundschulen der Doppelstadt ab dem Schuljahr 2027/28 keine klassische Ganztagsbetreuung nach Paragraf 4a mehr anbietet, sondern künftig ein flexibles modulares Betreuungssystem.
Die Aufhebung dieser Rechtsform, die die Verwaltung im Zuge der notwendigen Haushaltseinsparungen vorgeschlagen hatte, war im Mai vom Gemeinderat auf den Weg gebracht worden. Mit dem neuen Betreuungssystem können Eltern je nach individuellem Bedarf einzelne Betreuungsmodule, also Zeiten, buchen – müssen im Gegensatz zum sogenannten 4a-Modell dafür aber entsprechend zahlen.
Beschluss sorgt für kontroverse Diskussionen
Doch nicht nur dieses Novum hatte im Vorfeld des Beschlusses für Unmut an manchen betroffenen Grundschulen gesorgt und wurde ebenso in den betroffenen Gremiensitzungen kontrovers diskutiert. Zum einen befürchtet man, dass nicht alle Familien in der Lage sind, sich den monatlichen Betrag, der von der jeweiligen Betreuungsdauer abhängig ist, tatsächlich leisten zu können.
Zum anderen wird kritisiert, dass die künftige Nachmittagsbetreuung nur noch durch städtische Betreuungskräfte – und nicht mehr durch das Zusammenspiel zwischen Lehr- und pädagogischen Kräften vor Ort – erfolgt. Eine pädagogische Ausgestaltung des Betreuungsangebots, auch in Form von verschiedenen AGs oder sonstigen freizeitpädagogischen Angeboten, ist dann schlichtweg nicht mehr möglich.
Freizeitpädagogisches Angebot fällt einfach weg
Diese Negativfolgen kritisiert auch die Gartenschul-Rektorin, die sich seit ihrer Amtsübernahme vor zwei Jahren für einen Ausbau der verschiedenen AGs, auch durch Kooperationen mit Vereinen wie den Panthers, engagiert hatte. Zudem ist ihr bewusst, dass durch die Betreuung in städtischer Hand die Lehrerwochenstunden für den Nachmittag wegfallen.
Gleichzeitig sieht Katya Götz aber auch die Vorteile, die mit der neuen Betreuungsform einhergehen, allen voran die Synergieeffekte, die sich durch die Vereinheitlichung des Modells an jeder doppelstädtischen Grundschule ergeben. „Schon allein im Fall von Personalengpässen kann so besser ausgeglichen werden“, findet sie.
Gartenschule hat schon immer eine Sonderrolle
Denn die Gartenschule befindet sich seit dem Start des Ganztagsschulbetriebs in Wahlform im Schuljahr 2019/20 in einer Sondersituation: Die Ganztagsbetreuung läuft über einen freien Träger, das Kinder- und Familienzentrum der Stiftung St. Franziskus (KiFaz) – im Gegensatz zu nahezu allen anderen städtischen Grundschulen, deren Ganztagsbetrieb nach Paragraf 4a bisher schon in städtischer Hand war. Ausnahme: die Bickebergschule in Villingen, die ebenso mit dem KiFaz kooperiert.
So habe die Rektorin in den Gremiensitzungen im Frühjahr, die sie stets vor Ort mitverfolgt hat, auch die Neuausrichtung der Ganztagsbetreuung trotz der damit verbundenen Einsparungen begrüßt. „Mein Wunsch war, dass die Gartenschule zur Stadt wechselt.“

Möchte die neuesten geplanten Änderungen bei der Ganztagsbetreuung an der Gartenschule nicht einfach so hinnehmen: Rektorin Katya Götz.
Mareike KrattIm Zuge der Rückabwicklung des Ganztags hatte sich der Gemeinderat gleichzeitig dafür ausgesprochen, sowohl für die Bickebergschule weiterhin einen externen Träger zur Betreuung zu beauftragen als auch für die Villinger Golden-Bühl-Schule – beides sind Gemeinschaftsschulen.
Soll jetzt der Wechsel rückgängig gemacht werden?
Nach neuesten Entwicklungen könnte es im Stadtbezirk Schwenningen jetzt eine Rolle rückwärts in dieselbe Richtung geben: Wie Katya Götz vor einigen Tagen vom zuständigen Amt für Jugend, Bildung, Sport und Soziales (JuBIS) in Kenntnis gesetzt wurde, soll beim neuen Betreuungsmodell der Wechsel der Gartenschule zur Stadt rückgängig gemacht und per Vergabeverfahren weiterhin ein externer Träger beauftragt werden.
Über den Vorstoß der Verwaltung, hinter dem die Schulleiterin weitere Sparmaßnahmen vermutet, sollen die städtischen Gremien – Ausschuss für Jugend, Bildung und Soziales sowie Gemeinderat – im November abstimmen.
Schulleiterin lehnt Vorstoß ab
Damit einverstanden ist Katya Götz bei Weitem nicht. „Perspektivisch wünsche ich mir die Stadt als engen Kooperationspartner, auch für den Ganztag“, betont sie gleichzeitig das gute Miteinander mit dem JuBIS. Es mache einfach Sinn, zumindest in Schwenningen die Nachmittagsbetreuung an den Grundschulen einheitlich zu führen.
Eine Sonderrolle lehnt die Rektorin auch im Hinblick auf Fördermittel ab: Laut Verwaltung stand zumindest im Frühjahr im Raum, dass Garten- und Friedensschule möglicherweise Landesfördermittel nach Paragraf 4a erhalten. „Wenn, dann für den Stadtteil einheitlich“, kommentiert sie.
„Ich gebe mein Bestes“
Abfinden möchte sich Katya Götz mit dem angekündigten Vorhaben nicht und vielmehr auf dem ursprünglichen Beschluss beharren. Darüber hat sie bereits auch die Stadträte informiert – und sie in den Herbstferien zu einem „konstruktiven Austausch“ in die Gartenschule eingeladen.
Und egal, was dabei herauskommt, verspricht die Gartenschulleiterin in Sachen Vereinheitlichung mit Zuversicht: „Ich gebe mein Bestes.“ Ihre Wunschvorstellung für die Gartenschule in all ihrer Vielfalt und ihren Herausforderungen: „dass Paragraf 4a bleibt und wir in städtische Hand kommen.“
Die Stadt möchte sich derweil nicht zum neuen Sachstand äußern und verweist auf die anstehende Sitzung des Ausschusses für Jugend, Bildung und Soziales am 12. November, wie Pressesprecherin Madlen Falke auf Anfrage mitteilt.
Das modulare Betreuungssystem in VS
Seit dem angelaufenen Schuljahr 2026/27 haben alle Erstklässler in Deutschland einen Anspruch auf Ganztagesbetreuung. Die Stadt VS sieht diesen Bedarf gedeckt, sodass bis zum Schuljahr 2029/30 alle Erst- bis Viertklässler Anspruch erheben können. Vor dem Hintergrund der Haushaltseinsparungen hat die Stadt im Mai das neue modulare Betreuungssystem auf den Weg gebracht. Ab dem kommenden Schuljahr 2027/28 können Eltern ihre Kinder nach vier Modulen zur Betreuung vor oder nach dem Unterricht anmelden, allerdings kostenpflichtig. Für acht Stunden Betreuung an fünf Tagen pro Woche sind rund 70 Euro monatlich fällig. Angeboten werden Module von 7 Uhr bis Unterrichtsbeginn, von Unterrichtsende bis 13.30 Uhr, von 13.30 bis 15 Uhr und von 15 bis 16.30 Uhr. Die Stadt trägt zwölf Prozent der Kosten, 68 Prozent kommen vom Land, etwa 20 Prozent müssen die Eltern übernehmen.
Betroffen sind mehrere bisherige Ganztagsschulen: die Friedensschule, die Gartenschule, die Klosterringschule, die Südstadtschule sowie die Schulen in Weigheim-Mühlhausen und die Haslachschule. Auch an den Halbtagsschulen Steppachschule, Warenbergschule, Neckarschule und Hallerhöhe wird die Stadt das modulare Betreuungssystem einführen, ebenso wie für die Horte an den Grundschulen. Eine Sonderregelung gilt nach dem Gemeinderatsbeschluss im Mai für die Gemeinschaftsschulen Bickeberg und Golden-Bühl.
Die Betreuungskosten sollen somit bis 2030 jährlich um 4,3 Millionen Euro gesenkt werden.


