Nutria im Schwarzwald-Baar-Kreis
: Gefüttert – bis der Schuss fällt

Es war einmal Eberhard. Der Villinger war ein putziges Kerlchen – volles, graumeliertes Haar, zutraulich und mit Biss. Doch plötzlich stand Nutria Eberhard auf der Abschussliste.
Von
Cornelia Spitz
Oberndorf
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Einst der Star am Hochwasserrückhaltebecken in Villingen: Eberhard. (Archivbild)

Marc Eich

Viele Passanten in Villingen fanden Eberhard schlichtweg zum Knuddeln. Er zeigte wenig bis gar keine Scheu vor Menschen, ließ sich sogar füttern, und zog nicht nur einige Blicke auf sich, sondern auch viele Besucher zum Hochwasserrückhaltebecken am Krebsgraben, nahe der Villinger Jugendherberge.

2022 war sein Jahr. Eberhard war so etwas wie eine Attraktion. Aus heutiger Sicht undenkbar, denn: Jetzt wird vor Nutrias wie Eberhard landauf, landab gewarnt.

Doch wie ist es um Eberhard und seine Artgenossen im Schwarzwald-Baar-Kreis eigentlich bestellt? Wir hakten nach.

Ein echtes Sorgenkind

In ganz Baden-Württemberg blickt man mit Sorge auf die Biberratten. Vor allem Landwirten stehen die Haare zu Berge, wenn sie nur an die Probleme denken, die Nutrias verursachen. „Schäden durch die Nutrias entstehen zum Beispiel an Wasserbauanlagen durch Untergrabung“, also im Deichschutz, bestätigt Pressesprecherin Kristina Diffring vom Landratsamt des Schwarzwald-Baar-Kreises auf Anfrage. Teilweise komme es auch zu Fraßschäden an gewässernahen landwirtschaftlichen Kulturen und Ufervegetation.

Glücklicherweise aber seien größere Schäden zur Zeit im Schwarzwald-Baar-Kreis auch im Bereich der Landwirtschaft aktuell nicht bekannt. Man hat die Nutrias offenbar noch gut im Griff.

Eberhards Schicksal war besiegelt

1961 wurde zum ersten Mal die Nutria – auch seltener Sumpfbiber, Schweifbiber, Coypu oder Schweifratte genannt und ursprünglich aus Südamerika stammend – im Neckar-Odenwald-Kreis dokumentiert – vor allem im Bereich Oberrhein und dessen Seitenflüssen sind sie mittlerweile zuhause, so Diffring. Und in einem Drittel der Gemeinden Baden-Württembergs kämen die Nutrias schon vor, „mit stark zunehmender Tendenz“. Klar, dass man diese Entwicklung auch im Schwarzwald-Baar-Kreis in den Fokus nimmt. Und klar ist: Auch hier ist es bereits vereinzelt zu Sichtungen gekommen.

Nutria Eberhard ist ein putziger Prachtkerl gewesen.

Foto: Marc Eich

Eberhards letztes Stündlein hatte im November 2022 tatsächlich geschlagen, nachdem das Tier einen regelrechten Fütter-Tourismus entfacht hatte und bei eventueller Vermehrung große Probleme durch die Grabtätigkeiten der Tiere im Bereich des Dammes befürchtet worden waren. Eberhard wurde gefangen und musste erschossen werden.

Auch solchem beherzten Eingreifen ist es nach Meinung von Fachleuten zu verdanken, dass Schäden an Hochwasserschutzanlagen im Schwarzwald-Baar-Kreis, durch Nutrias verursacht, bislang nicht zu beklagen seien.

Kompromissloser Kurs

Und an diesem Kurs will man offenbar festhalten. Seit 1996 nämlich unterliegt die Nutria dem Jagdrecht. Soll heißen: Sie darf geschossen werden. Aber: In der Regel erfolge das durch Ausübung der Fallenjagd, erläutert Diffring, zur Flinte gegriffen wird gegen die Nager also eher selten bis gar nicht im Schwarzwald-Baar-Kreis.

Jagdzeit ist vom 1. Juli bis zum 15. Februar. Eine Ausnahme gibt es jedoch: Hat der Jäger eine begründete Ausnahmeregelung erwirkt, besteht die Möglichkeit, die Jagd auf Jungtiere sogar ganzjährig auszuüben. Das ist der Fall, wenn etwa erhebliche Schäden, zum Beispiel in der Landwirtschaft und bei Gewässerdämmen, vorliegen und die Population der invasiven Art kontrolliert werden muss.

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