Nachhaltigkeit rechnet sich
: Das ist das Bad Dürrheimer Energiewunder

97 Prozent weniger Energieverbrauch: Wie ein Betrieb aus Bad Dürrheim mit Erdwärme, Solar, Wasserstoff und Co. Kosten spart und dabei unabhängig wird.
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(red/pm)
Oberndorf
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Alexander Theinert vor seiner H2O-Anlage beim Betanken eines wasserstoffbetriebenen Fahrzeugs.

Petra Schlitt-Kuhnt

Energie sparen, Kosten senken und dabei unabhängiger werden – diese Vision lebt das metallverarbeitende Unternehmen Belenus GmbH aus Bad Dürrheim. Im Rahmen einer Exkursion der Handwerkskammer Konstanz in Kooperation mit der Regionalen Kompetenzstelle Ressourceneffizienz Schwarzwald-Baar-Heuberg (KEFF) konnten sich interessierte Betriebe davon überzeugen, wie Ressourcenschonung funktioniert – und sich bezahlt macht.

Benannt nach dem keltischen Lichtgott steht die Belenus GmbH für Aufbruch und Erneuerung. Geschäftsführer Alexander Theinert hat zukunftsweisende Entscheidungen getroffen. Vom kleinen Falzteil bis zum Raketentank werden bei Belenus Metallprodukte verarbeitet und gefertigt.

Die Produktion ist energieintensiv, daher verfolgt das Familienunternehmen ein klares Ziel: weg von fossilen Energieträgern, hin zum energieautarken Betrieb. Der gelernte Werkzeugmacher und Geschäftsführer Theinert sowie seine Frau Vera sind Überzeugungstäter mit langem Atem. Das zahlt sich nun aus.

Vor dem Umzug in eine neue Produktionshalle lag der jährliche externe Energiebedarf bei knapp über 600 000 Kilowattstunden – heute rechnerisch nur 16 000 Kilowattstunden pro Jahr – 97 Prozent weniger.

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Dieses Ergebnis wurde durch eine Vielzahl an Maßnahmen erreicht.

Erdwärme statt Heizöl

Ein unterirdischer Erdkollektor heizt das gesamte Firmengebäude, einschließlich der Warmwasserbereitstellung. Die Anlage kostete 2013 rund 250 000 Euro, hat sich aber aufgrund der gestiegenen Energiepreise bereits deutlich früher amortisiert als geplant.

Abwärmenutzung

Die überschüssige Wärme der Laserschneidmaschine wird direkt in den Heizkreislauf eingespeist – die Abwärmenutzung ist ein cleverer Doppelnutzen.

Intelligente Beleuchtung

Die LED-Beleuchtung der Produktionshalle ist intelligent – sie wird über einen Lux-Messer gesteuert und spart zusätzlich Energie, die Investition war nach fünf Jahren eingespielt.

PV auf dem Dach

Seit 2020 deckt eine große PV-Anlage einen erheblichen Teil des Strombedarfs. So spart Belenus rechnerisch weitere 10 000 Kilowattstunden jährlich.

Modernere Maschinen

Mit dem Umzug in die neue Halle wurde auch in neue Maschinen investiert. Diese brauchen bis zu 30 000 Kilowattstunden weniger im Jahr.

Transporte vermeiden

Außergewöhnlich ist sicher auch, eine eigene Stickstofferzeugungsanlage vorzuhalten, um Transporte zu vermeiden. Diese ersetzt bis zu 45 Lastwagen-Anlieferungen pro Jahr und produziert den Stickstoff mit Solarenergie um 77 Prozent günstiger als der Zukauf. Hier ist Belenus zu 100 Prozent autark.

Wasserstoff selbst produzieren

Ein echtes Highlight ist die firmeneigene Wasserstofferzeugungsanlage – betrieben mit Solarstrom und Batteriespeicher. Gespeist aus Regenwasser, das in einer 20 Kubikmeter großen Zisterne auf dem Betriebsgelände gesammelt wird. Damit wird bereits ein Wasserstoff-Fahrzeug betankt. Die Genehmigung der Anlage steht zwar noch aus, doch die Zeichen stehen gut.

Windenergie nutzen

Sogar ein kleines Windrad Marke Eigenbau steht auf dem Firmengelände – deklariert als Kunstwerk – es soll ebenfalls einen kleinen Teil zur erneuerbaren Energiegewinnung beitragen.

Digitalisierung

Auch im Büro und der Produktion ist Effizienz angesagt. Jeder Produktionsmitarbeiter arbeitet mit einem iPad, alle Daten – vom Materialbedarf bis zur Zeiterfassung – sind digital vernetzt. Das spart nicht nur Ressourcen, sondern macht Prozesse transparent und effizient.

Unabhängigkeit zahlt sich aus „Ich bin eben Schwabe – ich will genau wissen, was ich wo einspare“, sagt Geschäftsführer Alexander Theinert mit einem Augenzwinkern, als er die Einspartabellen pro Maßnahme präsentiert. Doch hinter dem Humor steckt ein klares Kalkül: Wer heute investiert, spart morgen Betriebskosten, handelt nachhaltig – und gewinnt Unabhängigkeit von schwankenden Energiepreisen und Lieferketten. Der Rückhalt im Team ist dabei ein zentraler Erfolgsfaktor: Die Mitarbeitenden stehen hinter dem Kurs – die Zufriedenheit sei hoch, der Krankenstand niedrig.

Nacheifern

Unterstützung
Wer sein Unternehmen selbst entsprechend aufstellen will, erhält Unterstützung. Die KEFF+ (Kompetenzstelle Energieeffizienz) bietet kostenlose Unternehmens-Checks an, bei denen Einsparpotenziale und passende Maßnahmen identifiziert werden: www.keffplus-bw.de. Das Projekt Horizont Handwerk stellt die „Klimaampel“ zur Verfügung – eine digitale Plattform zur CO2-Bilanzierung mit Begleitung durch Peter Schürmann, den Umweltschutzberater der Handwerkskammer Konstanz. www.horizont-handwerk.de/klimaampel Über den Zukunftskompass können Betriebe ihre Nachhaltigkeitsstrategie aufbauen und sich sogar zertifizieren lassen. www.Nachhaltiges-handwerk.de.