Nach geplatztem Grundstücksdeal
: Was wird aus der Villinger Lukaskirche?

Nach dem gescheiterten Verkauf der Lukaskirche an den Caritasverband sucht die evangelische Kirchengemeinde nach wie vor nach einer Perspektive für das leerstehende Gebäude.
Von
Simone Neß
Oberndorf
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Die Lukaskirche in Villingen steht zum Verkauf.

Simone Neß

Auf dem Lukas-Areal in der Sperberstraße 29–31 ist es still geworden. Seit Ende 2023 ist die Kirche entwidmet, das Inventar hat teils ein neues Zuhause gefunden. Doch was geschieht mit dem Gebäude selbst – jenem Ort, der einst Zentrum für viele Gläubige war?

Ein kurzer Rückblick: Anfang 2022 teilte die evangelische Stadtgemeinde Villingen mit, dass das Lukas-Areal verkauft werden muss. „Aufgrund sinkender Mitgliederzahlen müssen alle Gemeinden der badischen Landeskirche ihren Gebäudestand deutlich verringern“, hieß es damals in einer Mitteilung der Stadtgemeinde. Getroffen hat es neben der Lukaskirche in Villingen auch die Christuskirche in Unterkirnach.

Die Lukaskirche sollte verkauft werden – und zwar an den Caritasverband für den Schwarzwald-Baar-Kreis, der vorsah, das Altenheim St. Lioba nach Ablauf der von der Heimaufsicht genehmigten Frist 2028 an einem neuem Standort zu errichten.

Doch Anfang 2024 kam die Hiobsbotschaft: Obwohl bereits ein Kaufvertrag für das Gelände in der in der Sperberstraße 29-31 verhandelt wurde, platzte der Grundstücksdeal. Denn die Heimaufsicht hatte die Übergangsfrist zum Betrieb des Altenheims bis 2036 verlängert, ein Neubau war damit hinfällig. Die Genehmigungsinstanz des Caritasverbandes hat deshalb die Zustimmung zum Grundstückskauf verweigert, so dass der Kaufvertrag nicht wirksam wurde, hieß es damals in einer gemeinsamen Pressemitteilung der evangelischen Kirchengemeinde und des Caritasverbands.

Wie steht es um den Verkauf der Kirche?

Die Suche nach einem Käufer für das Lukas-Areal ging damit von vorne los. Knapp ein Jahr nach dem geplatzten Deal sprechen wir mit Udo Stober, Pfarrer in der evangelischen Stadtgemeinde und Vorsitzender des Kirchengemeinderats. Wie steht es um den Verkauf der Lukaskirche?

Ein Aushang an der Lukaskirche weist darauf hin, dass das Lukas-Pfarrbüro in die Waldhauserstraße umgezogen ist.

Foto: Simone Neß

Erst kürzlich habe der Pfarrer ein Gespräch mit Oberbürgermeister Jürgen Roth geführt, berichtet er. Seit mehreren Monaten laufen demnach Gespräche, ob das Lukas-Areal für eine Erweiterung der benachbarten Kindertagesstätte Schwalbenhaag geeignet wäre. Doch trotz des dringenden Bedarfs an Kindergartenplätzen in Villingen-Schwenningen fällt das Fazit ernüchternd aus: Von Seiten der Stadt sei diesbezüglich zum jetzigen Zeitpunkt „keine Perspektive entwickelt worden“, sagt Pfarrer Stober. Das „Denkmodell Kita“ lasse sich nicht realisieren, die Suche beginnt von vorne. Nun sei also wieder offen, was mit dem Lukas-Areal passiert. „Es wird eine andere Lösung geben“, versichert er.

Weitere Interessenten gebe es derzeit für das Lukas-Areal nicht. Und auch eine weitere Nutzung durch die Kirchengemeinde sei aufgrund der Entwidmung ausgeschlossen, so Stober.

Gebäude soll dem Gemeinwohl zugute kommen

Die Kirchengemeinde strebe eine Nachnutzung an, die dem Gemeinwohl zugute kommt. „Natürlich wollen wir das Areal verkaufen und natürlich brauchen wir auch den Erlös“, so Pfarrer Stober. Doch der neue Zweck des ehemaligen Gotteshauses soll in einem sinnvollen gesellschaftlichen Kontext stehen.

Auch das Pfarrhaus steht zum Verkauf.

Foto: Simone Neß

Der Erlös aus dem Verkauf des Lukas-Areals soll unter anderem in die bestehenden Kirchengebäude fließen. Diese müssen bis zum Jahr 2040 CO₂-neutral werden und sollen barrierefrei umgebaut werden. Dafür werde das Geld benötigt.

Fakt ist, dass die Kirchengemeinde schon jetzt durch den Verlust der Lukaskirche finanziell stark entlastet wird. Unter anderem durch den Wegfall der Substanzerhaltungsrücklagen könne ein Betrag in fünfstelliger Höhe eingespart werden, sagt Pfarrer Udo Stober. „Das ist schon jetzt eine finanzielle Erleichterung“, versichert er – auch wenn das Gebäude weiterhin laufende, wenn auch nur geringe Kosten verursacht, etwa für Grundsteuer und Heizkosten in den Wintermonaten.

Inventar hat zum Teil neues Zuhause gefunden

Erfreulich ist für Pfarrer Stober, dass zumindest ein Teil des Inventars der Lukaskirche ein neues Zuhause gefunden hat. So wurden beispielsweise die Kirchenglocken an die katholische St.-Gallus-Kirche in Eggingen im Wutachtal verkauft und werden dort künftig weiterläuten. Die Orgel steht inzwischen in der Villinger Pauluskirche und der Altar ging an die Fideliskirche.

Eine Zwischenvermietung des Gebäudes ist laut Stober derzeit nicht geplant – vor allem aus Gründen der Verkehrssicherheit. Bis eine dauerhafte Lösung gefunden ist, bleibt das Lukas-Areal daher weiterhin ungenutzt.

So haben die Gemeindemitglieder den Verlust der Kirche aufgenommen

Städtische Identität
Aus Sicht von Pfarrer Udo Stober haben die Gemeindemitglieder des Bezirks Lukas den Verkauf ihrer Kirche unterschiedlich aufgenommen. Angebote wie die Häkel- und Strickgruppe oder der Seniorenkreis gebe es nach wie vor, daran habe auch der Verkauf der Kirche nichts verändert. Trotzdem war und ist der Verlust der Kirche für viele Aktive auch mit Trauer verbunden. „Da haben wir sicherlich auch den einen oder anderen Aktiven verloren“, gibt er zu. Trotzdem freut er sich darüber, dass viele Menschen, die sich zuvor in der Lukasgemeinde engagiert haben, sich nun eben in der Stadtgemeinde engagieren. Die Gemeinde habe inzwischen eine städtische Identität entwickelt – und darin sieht der Pfarrer auch eine Chance. Dieser „gute Mentalitätswandel“ habe sich inzwischen auch bei den Gemeindemitglieder etabliert. „Es ist mit Sicherheit eine Trauer da, aber es ist keine Bitterkeit. Der Situation wird positiv und wohlwollend begegnet“, stellt Pfarrer Udo Stober fest.

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