Kundgebung der IG Metall in Villingen: Lautstarker Protest für mehr Geld und sichere Jobs

Auf dem Villinger Latschariplatz fand die Kundgebung der IG Metall statt. Unter anderem sprach auch der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Villingen-Schwenningen, Thomas Bleile (vorne links), der die Beschäftigten zur Geschlossenheit aufrief.
Jochen Schwillo- Rund 300 Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie protestierten in Villingen.
- IG Metall fordert 5 Prozent mehr Entgelt, Gewinnbeteiligung und sichere Jobs.
- Arbeitgeberangebot: 1 Prozent Einmalzahlung 2027 und 1,3 Prozent ab Juli 2028 – Kritik daran.
- Redner betonten Belastungen durch Kostensteigerungen und Angst vor Jobabbau.
- Abschluss auf dem Latschariplatz – Signal für Entgelt, Beschäftigungssicherung und Beteiligung.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Noch vor dem Demonstrationszug traf man sich bei der Südwestmetall-Vertretung am Hoptbühl, welche die Gewerkschafter mit Zero-Getränken und einem „0,0-Prozent-Angebot“ in Form von Luftballons empfing. Die Anspielung auf die erste Verhandlungsrunde sorgte bei den Teilnehmern für Schmunzeln, verdeutlichte aber zugleich die unterschiedlichen Positionen in der laufenden Tarifauseinandersetzung.
Anschließend zogen die Teilnehmer durch die Innenstadt zum Latschariplatz, auf dem die zentrale Kundgebung stattfand. Die Demonstration am Donnerstag war Teil der bundesweiten Warnstreikwelle nach dem Ende der Friedenspflicht. Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Entgelt, eine tarifliche Gewinnbeteiligung sowie verbindliche Regelungen zur Beschäftigungssicherung. Allein in Baden-Württemberg beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben bereits rund 44.000 Beschäftigte an Warnstreiks und Aktionen.
Christian King, Betriebsratsvorsitzender bei Kendrion in Villingen, verwies auf eine bundesweite Beschäftigtenbefragung der IG Metall mit 270.000 Teilnehmern. Viele Beschäftigte sorgten sich angesichts steigender Lebenshaltungskosten um ihre finanzielle Situation. An einem persönlichen Beispiel machte er die Entwicklung deutlich. Für einen Einkauf auf dem Wochenmarkt habe er kürzlich 80 Euro bezahlt. „Die Kostensteigerungen sind überall spürbar. Deswegen finde ich ganz wichtig, dass wir diese Entgeltforderung von fünf Prozent auch zu Recht fordern“, sagte King.
Das Angebot der Arbeitgeber sei aus Sicht der Beschäftigten nicht ausreichend. Vorgesehen sind eine Einmalzahlung von einem Prozent des Jahresbruttoentgelts im Jahr 2027 sowie eine tabellenwirksame Erhöhung von 1,3 Prozent ab Juli 2028. „Die Miete, der Einkauf oder die Tankfüllung warten nicht bis 2028“, betonte King.
Wichtige Solidarität
Claudia Louangketh, Betriebsratsvorsitzende bei Blitz Rotary in Bräunlingen, stellte die Beschäftigungssicherung in den Mittelpunkt ihrer Rede. „Beschäftigungssicherung ist für alle sehr wichtig“, sagte sie. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten müsse verhindert werden, dass Arbeitsplätze verloren gingen. Gleichzeitig erinnerte sie an die Solidarität innerhalb der Gewerkschaftsbewegung. Als die Beschäftigten ihres Unternehmens nach dem Austritt aus Südwestmetall für die Rückkehr in die Tarifbindung kämpften, hätten viele andere Belegschaften Unterstützung geleistet. „Darum sind wir heute auch solidarisch dabei“, sagte Louangketh.
Deutlich politischer zeigte sich Manuel Mandel, Gewerkschaftssekretär des Deutschen Gewerkschaftsbundes für die Region Südbaden. Er kritisierte Forderungen nach längeren Arbeitszeiten und einem späteren Renteneintritt. „Ich habe es satt, zu hören, dass wir nicht lange und hart genug arbeiten. Ich habe es satt, zu hören, dass wir zu oft krank sind“, sagte Mandel. Die Beschäftigten hätten gute Arbeits- und Lebensbedingungen über Generationen hinweg erkämpft. „Das sollten wir uns nicht mehr wegnehmen lassen.“
Den Schlusspunkt der Kundgebung setzte Thomas Bleile, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Villingen-Schwenningen. Er bezeichnete die aktuelle Tarifauseinandersetzung als „Sicherheitstarifrunde“. In Befragungen habe sich gezeigt, dass die Sicherung von Arbeitsplätzen für viele Beschäftigte derzeit höchste Priorität habe. „Nummer eins war ein sicherer Arbeitsplatz. Darum ist es unsere Sicherheitstarifrunde dieses Jahr“, sagte Bleile.
Mit Blick auf das Arbeitgeberangebot fand er deutliche Worte: „Wer uns so lange warten lässt und dann 1,3 Prozent anbietet, gibt uns keine Sicherheit.“ Die Beschäftigten wollten sich nicht zwischen Einkommen und Arbeitsplatzsicherheit entscheiden müssen. „Wir lassen uns nicht vor die Wahl stellen. Geld oder Sicherheit. Wir wollen beides.“
Sorge um Arbeitsplätze
Sorge bereite zudem der anhaltende Arbeitsplatzabbau in Teilen der Industrie. Bundesweit gingen nach Angaben der Gewerkschaft jeden Monat zwischen 10.000 und 15.000 Industriearbeitsplätze verloren. „Menschen sind keine reine Kostenstelle. Hinter jedem Arbeitsplatz steht ein Mensch, eine Familie und ein Plan fürs Leben“, betonte Bleile.
Neben der Forderung nach fünf Prozent mehr Entgelt verteidigte Bleile auch die Forderung nach einer tariflichen Gewinnbeteiligung. Wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen müssten ihre Beschäftigten stärker am Erfolg beteiligen. Gleichzeitig forderte er bessere politische Rahmenbedingungen, darunter bezahlbare Energiepreise und Investitionen in die Infrastruktur.
Zum Abschluss rief er die Beschäftigten zur Geschlossenheit auf. „Jeder und jede hier macht einen Unterschied am Verhandlungstisch.“ Unter dem Applaus der Teilnehmer endete die Kundgebung mit einem klaren Signal an Arbeitgeber und Politik: Die Beschäftigten sind bereit, für mehr Entgelt, sichere Arbeitsplätze und eine stärkere Beteiligung am Unternehmenserfolg einzutreten.
