Jazzfestival in Villingen
: Wenn die Bahn den Soundcheck vermasselt

Bis das erste Saxophon beim Festival Jazzin The Black Forest erklingt, liegt ein Kraftakt hinter dem Jazz-Club Villingen. Und die Frage: Vermasselt die Bahn erneut einen Soundcheck?
Von
Eva-Maria Huber
Oberndorf
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Sie freuen sich auf das Jazzfestival (von links): Matthias Jakob, Georg Seiler, Dieter Engesser, Uli Diery, Simeon Disch, Winfried Hubal, Rainer Horn und Friedhelm Schulz.

Eva-Maria Huber

Nur noch ein paar Tage und im Theater am Ring beginnt das Festival „Jazzin the Black Forest 8“. Start ist am Donnerstag, 18. September.

Doch was braucht es, um ein solches Event auf die Beine zu stellen, Musiker und Ensembles in den Schwarzwald zu holen und dabei nicht das Budget aus den Augen zu verlieren?

„Starke Nerven“, meint Programmleiter Simeon Disch, und ein sicheres Gespür dafür, was geht, musikalisch und finanziell. Für das Gespräch mit unserer Redaktion unterbricht der harte Jazz-Club-Kern aus der Villinger Webergasse die spätsommerlichen Renovierungsarbeiten unter Leitung von Winnie Hubal.

Es geht um Geld

Disch spult sofort die Zeit zurück in den November, um bei einem zentralen Punkt anzukommen, den Förderanträgen, die im Spätherbst vergangenen Jahres gestellt wurden. Geld, ergänzt Jazz-Club-Pionier Friedhelm Schulz, gebe es von Bund, Land und Stadt, aber schon lange nicht mehr so üppig wie früher. Zudem seien Großsponsoren weggebrochen, Sponsoring komme eher dem Sport als der Kultur zugute.

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Doch irgendwie haben die Jazz-Clubber das Ding immer gewuppt, wenn sich auch ein Moll-Ton dazwischen schiebt. „Wenn sich das Festival nicht trägt, dann ist es Geschichte. Alles andere wäre verantwortungslos.“

Also noch kein Grund zum Festival-Blues. Was Disch und Schulz mindestens ein Jahr vor dem ersten Konzert umtreibt: Welche Musiker, Ensembles können gebucht werden, passen ins vorhandene Budget und vor allem in den Jazz-Club, der sich auch Dank mehrerer Awards bundesweit großes Ansehen erworben hat.

Und letztendlich wie viele Zuschüsse kommen, ergänzt Rainer Horn, mit Matthias Jakob ist er im Vorstand. „Manchmal ist es ein Katz- und Maus-Spiel.“ Eine nicht geringe Herausforderung sei es auch, den eigenen Geschmack zurückzustellen. „Ich kann ja kaum jemanden auf die Bühne stellen, den ich toll finde und es kommen nur fünf Leute“, so Disch.

Sie sind Türöffner

Dennoch verwässert dieser Gedanke nie den künstlerischen Anspruch. „Manchmal muss man auch etwas bringen, dass die Leute nicht verstehen“, ergänzt Schulz. Sie sehen sich auch als Türöffner in Sachen Jazz. Nächste Challenge: Um aus dem riesigen Angebot an Künstlern die richtigen herauszufinden, sind Disch und Schulz zu „unzähligen Konzerten „ unterwegs.

Schräge Töne

Wie kommen die Musiker in den Schwarzwald? Allgemeines Gemurmel, Georg Seiler klärt auf: häufig mit der Bahn. Theoretisch. Praktisch mussten sich Disch oder andere vom harten Kern in ihre Autos setzen, um gestrandete Künstler in Sigmaringen oder Offenburg abzuholen, wenige Stunden vor dem Konzert. „Manchmal reicht es nicht mal zum Soundcheck“, denkt Disch an manches wenig erfreuliche Intermezzo zurück.

Schräge Wünsche

Neben schrägen Tönen: Kommen von Künstlern auch schräge Wünsche? Da kommt so manche Anekdote im Gewölbekeller zur Sprache: Mammut-Champagnerflaschen werden geordert und nur ein halbes Glas getrunken, sechs Packungen Tischtennisbälle müssen unbedingt sein, eine Riesentrommel, die in drei Stunden nur einen Schlag verpasst bekommt. „Nichts Unlösbares“, meint Disch trocken. Weder in der Vergangenheit noch jetzt und in Zukunft.