Innenhof-Festival in Villingen
: Schickeria-Kritik und Hooks mit Haltung

Die Münchner Indie-Band Blÿte überzeugte am zweiten Abend des Villinger Innenhof-Festivals nicht nur mit tanzbaren Retro-Vibes. Auch die Themen und Texte trafen beim Publikum einen Nerv.
Von
Annette Bammert
VS-Villingen
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Nehmen das Publikum mit modernem Indie-Synthie-Pop mit: Blÿte aus München

Nehmen das Publikum mit modernem Indie-Synthie-Pop mit: Blÿte aus München

Annette Bammert
  • Blÿte begeisterte das Innenhof-Festival in Villingen mit modernem Indie-Synthie-Pop.
  • Knapp 200 Besucher tanzten schnell vor der Bühne – der Auftakt zog sofort mit.
  • Texte mit Haltung: Kritik an Schickeria, Bauwagen-Thema und Reality-TV-Männlichkeit.
  • Stil zwischen Indie-Pop, Punk-Rock und Hip-Hop – Wurzeln teils in Metal und Hardcore.
  • Zugabe unüblich, doch der erste Song wurde am Ende erneut gespielt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Mit tanzbaren Retro-Vibes und kantigem Sprechgesang in den Sonnenuntergang: Knapp 200 Besucher waren am Samstag zum Festival in den Innenhof bei der Villinger Scheuer gekommen, um Blÿte live zu sehen.

Das Publikum nahm die erwachsen gewordenen Indie-Herzen, wie die Veranstalter des Innenhof-Festivals die Band in ihrer Ankündigung beschrieben, mehr als wohlwollend auf: Es dauerte exakt einen Song, bis der moderne Indie-Synthie-Pop die Besucher von ihren Plätzen vor die Bühne zog. Im ersten Song der Setlist lieferten die Münchner gleich ein zentrales Versprechen: „Das war noch nicht alles. Das war es noch nicht. Das war nicht das Ende“ – sondern in dem Fall ein mitreißender Anfang.

Musikalisch bewegt sich die noch junge Band Blÿte zwischen Indie-Pop, Punk-Rock und Hip-Hop. Ihre Wurzeln haben die Bandmitglieder teilweise im Metal- und Hardcore. Noch spannender wird es inhaltlich: Blÿte zeigen sich augenzwinkernd als Gegenentwurf zum Klischee ihrer Heimat, die mehr als Schickeria und Hochkultur zu bieten hat. Im Song „Kein Geld“ lassen die Münchner keinen Zweifel daran, dass sie nie mit Aktionären, Multimillionären und Moët-Trinkern tauschen würden – das Fürstenberg-Pils hat es ihnen an diesem Abend viel eher angetan.

Ironie der Symphonie

Noch tiefer geht es thematisch in der „Bauwagen Symphonie“. Ironisch wird hier das Diktum „Zuhause ist’s am schönsten“ besungen; im Zentrum die Frage: Wie positiv kann es sein, wenn sich nie etwas ändert, alles bleibt, wie’s war und „der Horizont maximal bis zum Ortsschild reicht“?

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Zwischen Nostalgie und Aufbruch

Mit Mitte 30 haben sich Blÿte irgendwo zwischen Nostalgie und Aufbruch die Dringlichkeit von früher bewahrt, aber reflektieren ihre Themen auf selbstironische Weise: „Die ersten Freunde bauen Häuser und wir weiter Scheiße.“ Im Publikum wurde beim Tanzen immer mal wieder kurz innegehalten, um den Texten zu lauschen. Songs wie „Casanova“ vermitteln Spaß und Leichtigkeit, nehmen dabei aber die toxische Männlichkeit im deutschen Reality-TV ordentlich auseinander.

Auch zum Mitsingen hatten die Musiker etwas für das Publikum im Gepäck: Wer bei Blÿtes Version von „Ich hass dich“ – im Original von Nina Chuba – nicht mitsingen konnte, konnte es spätestens bei „Nur ein Wort“ von Wir sind Helden.

Der Anfang ist das Ende

Am Ende der Setlist blieb um Viertel vor zehn zwar noch etwas Zeit übrig, aber keine Songs mehr. „Wir haben alles gespielt, was wir haben“, gab die Band lachend zu. „Normalerweise spielen wir auch keine Zugaben.“ Für alle, die das Konzert nicht von Anfang an miterleben konnten, spielten die vier den ersten Song des Abends dann doch noch einmal. „Das war noch nicht alles. Das war es noch nicht. Das war nicht das Ende“ markierte dann zwar das Ende des Abends, nicht aber des 36. Innenhof-Festivals.