Infoabend über Gaming in VS: Wenn Väter am Fahrsimulator Rennen fahren

Der Rektor der Südstadtschule, Elmar Dressel, ließ sich vom Schiller-LAN-Mitglied Vincent Wilke (vorn, Mitte) das Computerspiel „Dorfromantik“ erklären.
Sabine Krümmer- Infoabend „Level up Eltern“ in der Südstadtschule: Eltern spielten selbst an Konsolen.
- Rund 80 Prozent der Zwölf- bis 19‑Jährigen spielen regelmäßig, so Medienpädagoge Ahmed Özcan.
- Inhalte: Nutzen von Gaming, Suchtgefahren, Spielzeiten und Mediennutzungsvertrag für Familien.
- Empfehlungen: 30 Minuten für Sechsjährige, 45 Minuten bis Neun, 60 Minuten bis Zwölf.
- Praktischer Teil mit Schiller-LAN: Fahrsimulator, „Dorfromantik“, Links zu Beratungsangeboten.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Beim erstmalig in Villingen-Schwenningen angebotenen Informationsabend „Level up Eltern“ waren die Eltern zum aktiven Spielen am Computer aufgefordert.
Lag es am Beginn der Herbstferien oder am etwas ungewöhnlichen Namen? Die gelungene Veranstaltung am Freitagabend, die der Information von Eltern über Computerspiele diente, fand eine nicht sehr große Resonanz. Doch die drei Dutzend Eltern, die den Weg in die Turnhalle der Südstadtschule fanden, waren vollkommen überzeugt. Es wurden Stimmen laut, eine solche Veranstaltung zu wiederholen.
Gefördert wurde der hochkarätige Infoabend über Computerspiele durch die Stiftung der Volksbank und unsere Zeitung. Die Macher holten den Schiller-LAN-Verein aus Offenburg mit ins Boot. Dessen sieben Mitglieder, alle selbst Gamer, also Computerspieler, bauten Spielestationen auf und sorgten für den praktischen Teil des Abends.
Für den theoretischen Einstieg in die Materie „Gaming“ sorgte der Medienpädagoge Ahmed Özcan, seines Zeichens begeisterter Gamer. Rund 80 Prozent der Zwölf- bis 19‑Jährigen spielen regelmäßig, so Özcan. „Wieso begeistert es die Leute?“ Interessant war, dass viele der anwesenden Väter im Publikum selbst spielten, am C64 und am Gameboy beispielsweise.
In der Mitte der Gesellschaft angekommen
War das Spielen am Computer früher eher eine Randerscheinung, ist das Gaming heute längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Der Medienpädagoge zählte Gründe für diese Entwicklung auf: Computerspiele sind interaktiv, der Spieler könne neue Identitäten und Rollen annehmen, der Spieler habe die Kontrolle und spiele, um abzuschalten und zur Entspannung. Jonas Kallfass, Vorstandsmitglied von Schiller-LAN ergänzte, dass es LAN-Partys waren, die zur Gründung des Vereins vor zehn Jahren führten. Eltern hätten zwar Interesse am Thema, „aber es erklärt ihnen keiner“.
Natürlich wurden auch die Gefahren des Gamings thematisiert. Durch Belohnungsmechanismen bestehe Suchtgefahr durch exzessive Nutzung. „Wie lange spielen“ geriet zu einer der Kernfragen bei „Level up Eltern“. Ein Tipp war, dass die Familie gemeinsam am PC spielen kann. Als Obergrenzen der noch gesunden Spieldauer gilt für Sechsjährige eine halbe Stunde täglich, bis Neunjährige sollten nicht mehr als eine Dreiviertelstunde am Tag „zocken“ und die bis zu Zwölfjährigen eine Stunde. Als Tipp gab der Medienpädagoge Özcan aus, gemeinsam mit dem Nachwuchs einen Mediennutzungsvertrag auszuarbeiten. Konsequent bleiben, die ausgehandelten Zeiten einhalten und als Eltern selbst Vorbild sein, dies seien Grundvoraussetzungen, damit das Spiel nicht zur Sucht ausartet.
Abend bringt überraschende Erkenntnisse
In kleinen Gruppen gingen die Eltern mit den Offenburger Gamern gezielt verschiedene Themen an. Dabei handelte es sich schwerpunktmäßig um „Gewalt und Aggression“, „Nutzungszeiten und Sucht“ oder „Lernen in und mit Spielen“. Und dass es nicht immer die einschlägigen Ballerspiele sind, die die jungen Nutzer aggressiv machen, sondern ebenso das beliebte FIFA-Computerspiel, dies waren einige der überraschenden Erkenntnisse des Abends.
Bevor die Eltern sich selbst am Gaming-PC versuchen konnten, stellte Özcan noch einige hilfreiche Internetseiten vor. So etwa spieleratgeber-nrw.de, das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg oder „Digitalter Elternabend“ auf YouTube. Und in Stuttgart gebe es gar die Computerspielschule.
Bei „Dorfromantik“ geht es beschaulich zu
Und beim praktischen Teil wurde das Kind im Manne geweckt. Nicht wenige Väter versuchten sich am Fahrsimulator als Rennfahrer – und landeten abrupt in den Leitplanken. Ein Filius nutzte die Gunst der Stunde und spielte versiert am großen Bildschirm. Eher beschaulich ging es indes beim Spiel „Dorfromantik“ zu, das auch als klassisches Brettspiel erhältlich ist.

