Schulprojekt in VS macht Kinder fit
: NICHT VERÖFFENTLICHEN!!! Medienbildung für die Welt im Kinderkopf

Eltern-LAN, Kinderzeitung, Medientraining: In Villingen startet ein ungewöhnliches Schulprojekt. „Die Welt ist verrückt geworden“, sagt Stiftungsvorstand Marco Keller im Interview.
Von
Cornelia Spitz
Oberndorf
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Unterhaltung, Wissen, aber auch ganz viel kompliziertes Weltgeschehen, kindgerecht erklärt, steckt in Pauls Kinderzeitung, die zum neuen Medienbildungsprojekt für Grundschulen dazugehört.

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Die Medienbildung von Grundschülern haben sich die Volksbank – die Gestalterbank, die Volksbank-Stiftung und der Schwarzwälder Bote mit einem gemeinsamen Projekt auf die Fahnen geschrieben.

Weshalb und wie genau – und warum dieses Schulprojekt auch die Eltern betrifft, verrät Stiftungsvorstand Marco Keller im Interview.

Herr Keller, die Volksbank Stiftung engagiert sich für Bildung und Chancengleichheit. Warum ist Ihnen das Thema Medienkompetenz so wichtig?

Man sieht es ja in allen Medien, wie präsent und wie wichtig dieses Thema ist. Es gibt eine Informationsflut, viele Fake-News und unendlich viele wichtige Themen. Ehrlich gesagt fühle ich persönlich mich manchmal fast überfordert. Wie mag es da erst Kindern und Jugendlichen gehen?

Im Rahmen des Projekts übernehmen Sie auch die Abokosten für Pauls Kinderzeitung für die Schüler...

Genau. Wir finden, man muss die Kinder auf diesem Weg früh abholen. Wir von der Stiftung und auch die Volksbank – Gestalterbank freuen uns, dass wir mit dem Schwarzwälder Boten und Pauls Kinderzeitung ein tolles Medium gefunden haben, um Lust an Medien zu wecken. Da das Maskottchen Paul die Nachrichten kindgerecht übermittelt, freue ich mich, dass wir den Schwarzwälder Boten als Partner gewinnen konnten. Ich habe Paul als Abonnent zwar schon mal gesehen, aber so richtig wahrgenommen habe ich ihn nicht. Und jetzt kam er sogar in die Schule – das war für die Kinder der Hit.

Kirsten Wolf (Bildmitte, links) und Carsten Huber (rechts) von der Geschäftsführung der Schwarzwälder Bote Redaktionsgesellschaft stellten gemeinsam mit Stiftungsvorstand Marco Keller (Mitte, Zweiter von links) und Thomas Bader von der Volksbank – Die Gestalterbank (Zweiter von rechts) das Projekt vor.

Foto: Marc Eich

Welche Rolle nimmt die Kinderzeitung dabei ein?

Sie vermittelt Nachrichten in Kindersprache. Ich selbst tue mich schwer, das zu filtern – welche Nachrichten teile ich meinen Kindern mit? Wir versuchen zuhause zu vermeiden, Nachrichten mit den Kindern anzuschauen, weil es leider zu viele negative gibt. Die aktuelle Situation im Nahen Osten beispielsweise. Wenn dann bei uns der Fernseher läuft, können auch die Kinder damit in Berührung kommen. Manchmal lässt sich das nicht vermeiden, so wie neulich: Prompt hat die Kleine, neun Jahre alt, am Abend geweint, weil sie Angst hat vor dem Krieg. So etwas Blödes – es ist einfach sehr, sehr schwer solche Nachrichten so ans Kind zu bringen, wie es sein soll. Da ist es gut, dass es die Kinderzeitung gibt. Denn vor den schlechten Nachrichten per se können wir die Kinder nicht beschützen – die Welt ist einfach verrückt. Gut zu wissen, dass man das ein Stück weit filtern oder kanalisieren kann.

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Schwarzwälder Bote

Fühlen Sie sich als Eltern manchmal überfordert?

Absolut. Früher war das anders. Da hat man den Fernseher erst zu den Nachrichten angemacht, wenn die Kinder im Bett waren. „Um Acht geht es ins Bett“, hieß es. Und heute gibt es den ganzen Tag über eine Flut von Nachrichten...

Das Projekt soll auch die Eltern einbeziehen. Bei der Auftaktveranstaltung haben Sie es angedeutet – nun erzählen Sie mal: Welche Ideen hat das Projektteam denn dazu in petto?

Das Spektakulärste ist eigentlich ein Eltern-LAN im Herbst. Die Idee kommt von der Gestalterbank, aber ich kann ein bisschen was berichten: Wir werden in der Bank an einem oder zwei Abenden ein Eltern-LAN anbieten. Die Eltern können vieles ausprobieren und sehen, was machen meine Kinder in den sozialen Medien, am Handy, am Computer.

Klingt spannend...

Das wird es vermutlich auch sein. Ich habe auch schon gesagt, dass ich zwar sicherlich vor Ort bin, aber eher nicht als Stiftungsvorstand, sondern als Papa. Ich glaube, das ist tatsächlich eine ganz andere Nummer, wenn man mal versucht, in die Mediennutzung von Kindern reinzuspüren und wirklich zu schauen, wie sie sich im Internet bewegen. Das Ganze findet zusammen mit dem Verein Schiller-LAN e.V. statt – ein Team, das in der Region ein starkes Netzwerk aufgebaut hat und sehr erfolgreich LAN-Partys mit Education-Faktor anbietet und auch Eltern zu Gaming-Themen aufklärt. Das kommt hervorragend an.

Warum ist es Ihnen so wichtig, mit dem Projekt auch die Eltern zu erreichen?

Na, weil die Eltern schon ein Vorbild sind aus meiner Sicht. Wenn ich zu mir nach Hause schaue, dann wird schon geguckt und sich auch mal beschwert: „Papa, du bist die ganze Zeit am Handy.“ Die Kinder sehen, was die Eltern machen – sie sind einfach Vorbild, ob positiv oder negativ, sei mal dahingestellt.

Sie haben es schon angerissen: Sie sind selbst Vater – und natürlich auch Konsument von sozialen Medien, Nachrichten und dergleichen. Wie gehen Sie mit digitalen Informationen um?

Das habe ich mir in Vorbereitung auf dieses Gespräch auch überlegt. Ich glaube, ich nehme sehr vieles auf und überlese aber auch sehr viel – auch in dem Wissen, dass nicht alles echt ist. Es gibt einfach eine regelrechte Informationsflut.

Ich habe mich schon dabei ertappt, dass ich manches einfach überlesen habe, darunter gegebenenfalls auch richtige Informationen.

Sind Sie schon Fakenews auf den Leim gegangen?

In Bezug auf Nachrichten zum Glück noch nicht. Aber auf Phishing-Mails bin ich auch schon reingefallen – und erst neulich hat mir ein Kollege erzählt, dass er eine Mail mit einem dubiosen Link bekommen hat, auf den er dann geklickt hat. Es ist einfach wichtig, dass man nicht alles anklickt – und trotzdem ist man manchmal nicht davor gefeit, prüft falsch oder zu wenig, ist zu blauäugig – oder auch mal zu blöd... (lacht)

Quellen zu prüfen, auch dafür soll das Projekt sensibilisieren. In der Südstadtschule fiel der Startschuss – gibt es Pläne, das auszuweiten auf andere Schulen?

Wir sehen die Südstadtschule als Pilotprojekt. Dort fangen wir jetzt mal an und lernen auch, was dabei rumkommt. Wenn das Ganze ein Erfolg ist, würden wir es tatsächlich gerne ausweiten. Wir sind also gerade in der Testphase – und ich denke, mit der Südstadtschule haben wir eine gute Pilotschule gewählt. Das Engagement des Kollegiums und des Schulleiters dort ist sehr positiv.

Sie haben auch privat Einblick in die Schule, wenn ich richtig liege...

Ja, meine Tochter besucht die dritte Klasse der Südstadtschule – sie kommt also auch in den Genuss von Pauls Kinderzeitung. (lächelt) An dem Tag, als wir mit dem Schülerrat die Auftaktveranstaltung hatten, hat sie hat mir am Mittag gleich erzählt, dass sie jetzt Pauls Kinderzeitung bekommen, sie freut sich sehr. Seither arbeiten die Schüler im Unterricht auch schon richtig damit.

Witze, jede Menge Unterhaltung, Mitmachprojekte und Wissen bekommen die Schüler mit Pauls Kinderzeitung in die Schule geliefert.

Foto: Marc Eich

Was ist Ihnen dabei wichtig, was erhoffen Sie sich von dem Projekt für die Kinder?

Auf jeden Fall, dass sie sensibilisiert werden, Nachrichten richtig zu lesen. Dass sie ein bisschen lernen, mit dem umzugehen, was auf sie einprasselt.Und dass sie lernen zu entscheiden, das ist richtig, das ist falsch, das ist gut und das ist schlecht. Und all das eben schon relativ früh. Ich glaube, man muss einfach ein gutes, junges Alter finden, um die Kinder dafür fit zu machen. Die Medienwelt entwickelt sich ja wirklich ganz, ganz rasant.

Vor welchen Herausforderungen steht das Thema Medienbildung mit Blick auf die langfristige Verankerung?

Weil diese digitalen Trends sich rasend schnell entwickeln, muss man zwangsläufig mitgehen – Stillstand ist Rückschritt. Ich glaube, es wird auch für das Kollegium an Schulen zunehmend eine Herausforderung, da Schritt zu halten. Man darf einfach nicht stehen bleiben, auch – oder gerade – in Bezug auf die Medien. Das ist der erste wichtige Schritt. Die LAN-Party für die Eltern haben wir gerade schon thematisiert – auch das ist ein wichtiger Punkt: Mitzugehen mit den Kindern und diese zu begleiten. Deshalb beinhaltet unser Projekt ebenso spezielle Info-Seiten, Sonderseiten im Schwarzwälder Boten, die zu verschiedenen Themen informieren. Ich denke, dass das gut ankommt.

Der Auftakt an der Südstadtschule lässt jedenfalls alle Beteiligten auf einen positiven Verlauf hoffen...

Ja, das war wirklich ein tolles Event.

Was motiviert Sie denn am meisten, sich für die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen auf diese Art zu engagieren?

Die Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten ist super – ich bin ein Teamplayer und liebe es, wenn etwas funktioniert, das ein Team geschaffen hat. Aber der schönste Lohn war eigentlich gerade bei dieser Auftaktveranstaltung die Reaktion eines Schülers: Als wir erzählt haben, dass die Schule wöchentlich „den Paul“, also Pauls Kinderzeitung, zur Verfügung gestellt bekommt, meinte er sofort: „Das ist super, den kenne ich, den habe ich schon!“ Das Blitzen in den Augen, das fand ich super. Das hat mich darin bestärkt – richtige Idee, richtige Umsetzung, richtige Schule.

Vielen Dank, Herr Keller, für das angenehme Gespräch – und viel Erfolg beim Projekt

Dankeschön! Das wünsche ich allen Beteiligten auch.

Zur Person

Der Interviewte
Marco Keller ist seit 2014 Vorstand der Stiftung der Volksbank eG Villingen. Er ist 47 Jahre alt und Vater zweier Töchter im Alter von 9 und 14 Jahren.

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