IHK regt Diskussion an: Was darf man eigentlich noch sagen?

Moderator Rolf Benzmann, IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez, Referentin Tanit Koch und IHK-Präsidentin Birgit Hakenjos im Austausch – in dieser Runde bleibt die Sprachpolizei außen vor.
Cornelia SpitzEs waren rund 400 Gäste, die ins Haus der Wirtschaft in Villingen geströmt sind, um dieses zu feiern. „Möglichmacher“ nannte IHK-Präsidentin Birgit Hakenjos ihre Gäste. Und in der Tat machen diese vieles möglich – der Mittelstand hat im Schwarzwald-Baar-Kreis nicht nur Gewicht, sondern auch ein beeindruckend breites Spektrum, wie sich beim Sommerfest einmal mehr zeigte.
Gute Tradition ist es, dass dieses Treffen gerne zum Netzwerken, Kennenlernen und Austauschen genutzt wird. Bevor die Gäste jedoch das Buffet genossen, gab es geistige Nahrung – und vor dem Impulsvortrag der Gastrednerin Tanit Koch auch erst einmal einen eindringlichen Appell von IHK-Präsidentin Birgit Hakenjos.
Das fordert die IHK-Präsidentin
Die nämlich räumte gleich einmal auf mit einem möglichen Duckmäusertum und leiser Bescheidenheit.

IHK-Präsidentin Birgit Hakenjos fortdert den Mittelstand auf: „Bleiben Sie laut!“
Foto: Cornelia SpitzNein, „Unternehmer müssen nicht leise sein“, findet sie. Denn wer Verantwortung trägt für Arbeitsplätze, Ausbildung, Innovation und die Region, der müsse schließlich auch das Recht haben, Position zu beziehen.

Rund 400 Gäste feierten bei der IHK zusammen ein Sommerfest mit Input.
Foto: Cornelia SpitzVor allem der Mittelstand müsse etwas sagen und gehört werden, deshalb forderte sie: „Bleiben Sie laut“, ehe es im Saal mucksmäuschenstill wurde für Tanit Koch.
Raum für differenzierte Stimmen
Und ja, beim Thema ihres Vortrags dürften die meisten erst einmal ganz ruhig in sich gegangen sein: „Darf man sich in Deutschland noch frei äußern?“, war eine der Fragen, die dieser aufwarf. 40 Prozent der Bevölkerung meinten laut Meinungsforschungsinstitut in Allensbach: nein.
Häufig drücke sich dabei weniger die Sorge nach juristischer Verfolgung als vielmehr die Angst vor dem gesellschaftlichen Pranger aus. Sich davon zu befreien, das sei eine der großen Herausforderungen dieses Jahrzehnts, so die Journalistin und Kommunikationsberaterin – denn Raum für differenzierte Stimmen sieht Tanit Koch, so die Quintessenz ihres Vortrags, durchaus – trotz teils übereifriger Justiz und moralischen Maximalforderungen, die Andersdenkenden routinemäßig die schlechtesten Motive unterstelle.
Offene Fragen, aber ein klares Fazit
Noch vor ihrem Referat forderte Koch dazu auf, ihr per Smartphone direkt alle Fragen zu stellen, die man sich sonst vielleicht nicht traue zu stellen. Hier dürfe man das. Im Anschluss aber blieb die Rednerin bei genauerem Hinhören die Antworten auf genau diese Fragen schuldig – ganz egal ob es um mutmaßlich sexistische Frauenwitze im Vergleich zu als echt lustig eingestuften Männerwitzen ging oder um die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen.

Tanit Koch ist Journalistin und Kommunikationsberaterin - hier spricht sie darüber, was man eigentlich noch sagen darf.
Foto: Cornelia SpitzIns Schwarze getroffen hatte zumindest ihr Vortragsthema aber dennoch – an vielen Stehtischen wurde nämlich neben Geschäftlichem genau darüber diskutiert: Was darf man eigentlich heute noch sagen?
Eines jedenfalls wurde oft gesagt: der Sommerempfang der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg hat sich als Netzwerktreffen fest etabliert und bringt immer wieder neu und aussichtsreich verschiedenste Branchen und Unternehmer zusammen.
