Heimatgeschichten aus Bad Dürrheim: Kurstadt hatte einst das schönste Feuerwehrauto Deutschlands

In aller Pracht und Herrlichkeit steht heute dieser ehemalige „Mannschaftswagen“ der Bad Dürrheimer Feuerwehr in der Autosammlung Steim in Schramberg. Er ist wieder in den Zustand versetzt worden, wie ihn das Fürstlich-Fürstenbergische Adelshaus in Donaueschingen benutzt hat. 1960 hatte das Autohaus Hohner den reparaturbedürftigen Wagen für 300 DM der Feuerwehr abgekauft.
Archiv Jürgen Kauth/gen. Autosammlung Steim- Ein Mercedes 400 K Pullmann von 1927 diente der Feuerwehr Bad Dürrheim als Mannschaftswagen.
- Fürst Max Egon II. schenkte den Wagen 1938 – Einsatz als Zugmaschine für eine Lafettenspritze.
- 1960 kaufte das Autohaus Hohner den reparaturbedürftigen Wagen für 300 DM ab.
- Heute steht er restauriert in der Autosammlung Steim in Schramberg.
- Eugenio Pacelli nutzte das Fahrzeug auf Abschiedstour und nannte es ein „Wunderwerk der Technik“.
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Berüchtigt war das technikbegeisterte Fürstenhaus schon ab 1901 für die gefährlichen Begegnungen mit dessen Automobilen. Viele Hunde fielen ihnen zum Opfer. Ersatz gab es vom Fürsten keinen – er berief sich auf die Aufsichtspflicht der Hundehalter.
Auch umgestürzte Kutschen und Fuhrwerke säumten den Weg des begeisterten adligen Automobilisten. Die wiederholten Unfälle erregten die Bevölkerung und warfen kein gutes Licht auf das Fürstenhaus. Tödlich für einen Menschen endete zum Glück nur ein Unfall, als 1928 der Chauffeur Max Egons wegen zu schnellen Fahrens in Bad Dürrheim einen Kurgast überrollte und tötete. Vielleicht war dies der Anlass für das Geschenk an die hiesige Feuerwehr. Man weiß es nicht.
Fürst Max Egon II. war in jener Zeit ein überzeugter „Mercedes“-Liebhaber, mit ständig neuen Wagen in sportlicher oder in der überlangen Pullman-Ausführung. Stets natürlich mit der höchsten Motorisierung und Luxuseinrichtung. Die 1928 gelieferte Mercedes Pullmann-Limousine 400 K begeisterte Fürst und Fürstin Irma.
Trotz seiner Größe war der Wagen gut zu lenken und galt damals als zuverlässigster und angenehmster Reisewagen. Preise für solch exklusive Vorkriegs-Mercedes-Modelle mit Kompressor bewegen sich heute bei Auktionen in der Regel im hohen sechsstelligen Euro-Bereich, abhängig von der Historie und dem Restaurierungszustand. Der Neupreis war 1927 mindestens 20.000 Reichsmark, was einem heutigen Wert von etwa 500.000 Euro entspricht. Zum Vergleich: Damit hätte man 230 Exemplare eines Ford Model T kaufen können oder ein solides mittleres Einfamilienhaus.

Der Mercedes wurde nicht nur als Mannschaftswagen eingesetzt, sondern vor allem als „Zugmaschine“ für eine Lafettenspritze. Diese musste von den Feuerwehrmännern händisch zum Brandplatz gezogen werden. Dadurch trafen diese oft schon teilweise erschöpft und ermüdet dort ein.
Archiv Jürgen KauthBei einem Unfall 1933 wurde das schöne Fahrzeug leider schwer gerammt. Obwohl es wieder gerichtet wurde, war das doch der Anlass, ein stärkeres Modell zu erwerben. Der Fürst war zu seiner Zeit einer der reichsten Menschen Deutschlands und es galt: „Wer kann, der darf.“ Der wohl berühmteste „Fahrer“ des Bad Dürrheimer Feuerwehrautos war nicht der Fürstenberg, sondern Bischof Eugenio Pacelli, der von 1920 bis 1929 als Apostolischer Gesandter im Deutschen Reich weilte. Von 1918 bis 1930 verbrachte er seine Sommerferien im schweizerischen Rorschach am Bodensee. Dabei kam er auch in Kontakt mit dem Fürstlich-Fürstenbergischen Adelshaus.
Für seine „Abschiedstour“ durch den Schwarzwald – er ging nach Rom zurück, um Kardinal zu werden – stellte ihm Fürst Max Egon II. jenen Mercedes zur Verfügung, der später in Dürrheim landete. Der spätere Papst war begeistert von dem Mercedes und bezeichnete ihn als „Wunderwerk der Technik“. Natürlich bekam er auch ein „Papamobil“ von Mercedes geschenkt, wie sein Vorgänger auch schon. Diese Tradition besteht nun bereits seit 96 Jahren und in den USA werden diese Fahrzeuge daher „Holy Benz“ genannt.


