Heimatmuseum Bad Dürrheim
: Ein eiserner Schatz lagert im Museum

Beim Reinigen eines Konvolutes mit alten Eisenteilen aus dem Hänslehof tauchte die Jahreszahl 1676 auf.
Von
Jürgen Kauth
Oberndorf
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Tessa Scherzinger, Archivarin des Bad Dürrheimer Geschichts- und Heimatvereins, beim Archivieren von 350 Jahre alten Gewichten und Kanonenkugeln aus dem ehemaligen Hänslehof. Vorsicht ist geboten, dass nichts vom Tisch rollt, denn allein die Kanonenkugel aus Blei wiegt 5,5 Kilogramm.

GHV Bad Dürrheim

Im hintersten Winkel des Museumslagers hat Tessa Scherzinger, die Archivarin des Geschichts- und Heimatvereins, die alten Gewichte und Kanonenkugeln entdeckt und für die Ausstellung präpariert.

Sie stammen gesichert aus dem Hänslehof und wurden dem Museum vor vielen Jahren aus dem Nachlass einer früheren Besitzerfamilie übergeben. Die geschmiedeten Eisen-Gewichte sind so außerordentlich selten, dass selbst spezialisierte Museen Derartiges nicht mehr besitzen.

Dass auch alte Kanonenkugeln dazu gehören ist keine Seltenheit, denn diese wurden gerne als Gewichte weiterverwendet. Die aus dem Hochbarock stammenden Blei- und Eisenkugeln enthalten kein Schwarzpulver, sondern sind Vollgeschosse.

Hänslehof 1715 abgebrannt

Zwei Jahre vor der im Metall eines Gewichtes eingeschlagenen Jahreszahl 1676 wurde der erste, um 1550 erbaute Hänslehof durch einen Großbrand beschädigt, und dann 1715 durch einen weiteren Brand vollständig zerstört. Verwunderlich also, dass die Ausstellungsstücke, die natürlich auch im Zusammenhang mit der Zehntscheuer stehen, überlebt haben.

Im 17. Jahrhundert gab es im deutschsprachigen Raum noch keine einheitlichen Gewichte, sondern eine Vielzahl regionaler Maßeinheiten. Das moderne metrische System existierte zu dieser Zeit noch nicht, stattdessen waren Maßeinheiten wie Pfund und ähnliches je nach Region unterschiedlich. Erst 1871 wurden diese abgeschafft und die neuen gültig.

Da Eisen ein teurer Rohstoff war, wurden die alten Gewichte also meist verschrottet oder umgeschmiedet. Kanonenkugeln wurden gerne umgenutzt beispielsweise in der Landwirtschaft. Damit in den Güllefässern die Flüssigkeit nicht ansetzte und verklumpte, sorgten die Kugeln während der Fahrt für ein ständiges „Rühren“ der Gülle.

Auch als Gegengewichte für alte klappbare Speichertüren fanden sie Verwendung. Woher die Kanonenkugeln aus dem Hänslehof stammen, kann nicht gesagt werden. Das ehemalige Bauerndorf Dürrheim hatte zwar um den Dreißigjährigen Krieg herum und später sehr gelitten durch Plünderungen und Einquartierungen durchziehender Truppen, aber viel geschossen wurde hier nicht. Am ehesten stammen sie aus Villingen, das als wehrhafte Festung viele Kanonenbeschüsse erlebt hat.

Öffnungszeiten

Heimatmuseum
Das Heimatmuseum hat in den kommenden Wochen an folgenden Sonntagen geöffnet: am 26. Oktober, 2., 16. und 23. November, jeweils von 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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