Gasthaus „Sonne“ in Obereschach
: Ein Gasthaus, ein Sohn, eine klare Entscheidung

Dass die nächste Generation ein Gasthaus übernimmt, ist keine Selbstverständlichkeit mehr. In Obereschach klappt’s. Wie – das verrät Familie Klausmann von der „Sonne.“
Von
Daniela Schneider
Oberndorf
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Die Tradition im Rücken, die Zukunft vor Augen: Im Gasthaus „Sonne“ hat jetzt mit Dominik Klausmann die nächste Generation den Betrieb übernommen. Seine Eltern Hubert und Theresia Klausmann freuen sich sehr, dass ihr Sohn sich zu diesem Schritt entschieden hat.

Familie Klausmann

Das Gasthaus hat eine über 250-jährige Geschichte – und die bekommt nun ihr nächstes Kapitel.

Mit Dominik Klausmann hat die vierte Generation der Familie die „Sonne“ in Obereschach übernommen.

Warum er sich zu diesem Schritt entschieden hat, während andere Gastronomiebetriebe reihenweise aufgeben?

Der 28-Jährige muss nicht lange überlegen. „Ich möchte, dass der Familienbetrieb weitergeführt wird“, sagt er überzeugt, „und ich will dafür sorgen, dass irgendetwas im Ort bleibt. Darum ging es mir auch.“

Respekt für die Entscheidung

Seit dem 1. Juni führt er das Gasthaus, das seit schon so langer Zeit von seiner Familie betrieben wird.

Sein 66-jähriger Vater Hubert hat großen Respekt für die Entscheidung seines Sohns: „Es ist ihm hoch anzurechnen, dass er in diesen nicht einfachen Zeiten weitermacht,“ meint er anerkennend und seine Frau Theresia (65) nickt zustimmend.

Der Blick geht klar nach vorne

Beide wissen, dass einen Gastronomiebetrieb zu führen natürlich alles andere als ein Zuckerschlecken ist. Und der Fachkräftemangel, viel Bürokratie, wirtschaftlich nicht ganz einfache Zeiten und massive Einschnitte seit der Coronazeit – all das macht den Gastgebern zusätzlich das Leben schwer.

Und dennoch: Familie Klausmann schaut nach vorne. So haben sie es immer gehandhabt, so haben sie über all die Jahre immer wieder in ihren Betrieb investiert, zuletzt die Nebenräume noch einmal neu gestaltet. „Heute spielt das Ambiente eine wichtige Rolle“, weiß Theresia Klausmann, die Gäste wollen und sollen sich wohlfühlen.

Vor einige Wochen wurde in Obereschach eine Scheune abgerissen. Dabei kam dieses Schild, das wohl aus dem 19. Jahrhundert stammt, zum Vorschein. Klar, dass es in der Gaststube einen Ehrenplatz gefunden hat.

Foto: Daniela Schneider

Sie und ihr Mann haben den Betrieb über 30 Jahre lang „durch Höhen und Tiefen“ wie sie selber lächelnd sagen, zusammen geführt, er verantwortlich für den Küchenbereich, sie im Service und beide gemeinsam als Unternehmer. Ihre beiden Kinder Dominik und Anja erlebten das von klein auf mit. Während die Tochter seit 2009 nur ein paar Häuser weiter das Blumengeschäft „Blütentrend“ führt, hat der Sohn sich nach seinem Abitur 2015 und einem ersten beruflichen Start in einer Schreinerei bewusst für eine Kochlehre entschieden.

Bis August 2021 absolvierte er diese als erster Azubi in der „Burg“ in Aasen und kehrte dann als Koch in den elterlichen Betrieb zurück.

Ein verlässliches Team

Seit 2023 ist er verheiratet. „Meine Frau ist Steuerberaterin“, verrät er lachend, dass sie nicht direkt etwas mit der Branche zu tun hat – er aber natürlich gottfroh ist, dass sie ihm mit ihrer Expertise zur Seite steht. Verlassen kann er sich zudem auf ein Team aus 18 Mitarbeitenden. Zu dem gehört seit vielen Jahren unter anderem auch seine Tante Martina, die als treue Kraft in der Küche mitarbeitet.

Selbstgemacht und frisch

In der Dorfgemeinschaft sind die Familie und der Betrieb gleichermaßen verwurzelt. Wenn beim Rancherfest der Kartoffelsalat benötigt wird, liefert ihn die „Sonne“, wobei die Musikerfrauen die Kartoffeln schälen – Hand in Hand bringt man so die 56 Kilo Salat fertig. An der Kilbig bereiten Hubert und Dominik Klausmann Sauerkraut und Kesselfleisch zu, selbst eingelegt, versteht sich, wie sie betonen.

Das Gasthaus „Sonne“ auf einer alten Postkartenansicht.

Foto: Familie Klausmann

Überhaupt: Vieles wird in dem Traditionsbetrieb ganz bewusst noch selbst gemacht und vor allem frisch zubereitet.

Das gilt für die Würste und den Fleischkäse und auch für die hausgemachten Maultaschen zum Beispiel – so war’s bei Hubert Klausmann – und so wird’s auch bei Dominik Klausmann weitergeführt.

Die Geschichte des Hauses

Das Gasthaus heute
Im Restaurant und auf der Terrasse werden den Gästen je nach Gusto traditionelle Hausmannskost und andere, auch internationale Spezialitäten serviert, wobei auch immer vegetarische und ein vegane Alternativen angeboten werden und auch auf andere Wünsche eingegangen wird. Tagesgäste, Urlauber, Geschäftsreisende und Erholungssuchende kommen in den mittlerweile 25 Hotelzimmer unter. Für die Gäste, die schon früh wissen möchten, welche Tagesgerichte in der kommenden Woche angeboten werden, versendet Dominik Klausmann jeweils sonntags einen Newsletter. Dienstag und Mittwoch sind die Ruhetage.

Die Anfänge
Das Anwesen war wohl einmal ein Lehenshof der Johanniter. Als „Criminal Gefängnüs“ fand es einst Erwähnung, als „Schul“ und als „Zwey Stuben aufeinander gebaut“ und auch als Haltestation für Pferdefuhrwerke. Ab 1792 war eine Familie Hummel hier ansässig. 1823 wird ein Josef Hummel als Wirt genannt. 1884 bis 1901 übernahm Heinrich Grießhaber den Betrieb, der mit Rosa Schlenker verheiratet war.

Die „Sonne“ und die Familie Klausmann
1904 übernahm mit Franz Sales Klausmann der erste Vertreter dieser Familie den Betrieb. Er stammte vom Mönchhof bei Hardt und heiratete Karoline Hummel vom Gasthaus „Sonne“. Leider musste der Wirt als Soldat in den Ersten Weltkrieg ziehen. Und just, als er 1918 aus diesem zurückkehrte, starb seine Ehefrau. Ein Jahr später heiratete er dann seine zweite Frau Paula, geborene Storz. Sie ließen 1934 den Saal anbauen und Fremdenzimmer einrichten. 1954 ging der Betrieb samt Landwirtschaft an ihren Sohn Willibald Klausmann und dessen Frau Irmgard. In seine Ägide fiel viel gesellschaftliches Dorfleben in der „Sonne“: Musikproben im Saal, Kappenabende und Hammelläufe vor dem Gasthaus, während deftige Schlachtplatte serviert wurde. Die „Sonne“ war eine gediegene Bauernwirtschaft mit belebtem Stammtisch, die sich im Laufe der Jahre zu einem beliebten Speiselokal entwickelte, das auch für viele Festivitäten gerne genutzt wurde und immer noch wird. 1982 kam es zu einem grundlegenden Umbau. Bis auf die alte Wirtsstube wurde alles abgerissen und neu gestaltet, samt 16 Hotelzimmern. Der Betrieb wurde in die Landwirtschaft und das Gasthaus aufgeteilt. Sohn Erwin Klausmann übernahm den landwirtschaftlichen Bereich. Sein Bruder Hubert, der als gelernter Koch schon seit 1979 mitgearbeitet hat, führte das Gasthaus dann ab 1995 zusammen mit seiner Ehefrau Theresia. Auch sie modernisierten den Betrieb ständig Schritt für Schritt weiter, renovierten den Festsaal, die Zimmer und das Restaurant und später auch die komplette Fassade. 2025 am 1. Juni erfolgte dann die Übergabe an ihren Sohn Dominik Klausmann.

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