Ergebnisse des Projekts vorgestellt
: So viel Zwangsarbeit gab es in Schwenningen

Das zweijährige Projekt Heimatgeschichte International – Auf den Spuren von NS‑Zwangsarbeit in Villingen‑Schwenningen hat seine ersten Ergebnisse vorgestellt.
Von
Jochen Schwillo
VS-Schwenningen
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Lili Ruminska (von links), Florian Kemmelmeier, Oskar Uitz, Priska Volk und Japveen Galdu unterhielten sich im Uhrenindustriemuseum in Schwenningen über die Seminararbeit „Heimatgeschichte International“.

Lili Ruminska (von links), Florian Kemmelmeier, Oskar Uitz, Priska Volk und Japveen Galdu unterhielten sich im Uhrenindustriemuseum in Schwenningen über die Seminararbeit „Heimatgeschichte International“.

Jochen Schwillo
  • Projekt „Heimatgeschichte International“ zeigt erste Ergebnisse zur NS‑Zwangsarbeit in VS.
  • Schulen und Hochschulen wirken mit, die Stadt unterstützt das Vorhaben mit Eigenmitteln.
  • Datenbank geplant: Tausende Betroffene, in Schwenningen über 380 Unterkünfte und 160 Betriebe.
  • Höhepunkte waren ein World‑Café und Archivbesuche – Begegnungen mit Zeitzeugen berührten.
  • Eine Webseite soll im November alle Ergebnisse bündeln und dauerhaft pflegen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Oberbürgermeister Jürgen Roth zeigte sich am Samstag im Uhrenindustriemuseum beeindruckt vom Engagement der Beteiligten: „Seit Anfang 2025 entdecken junge Menschen die Lokalgeschichte und dokumentieren die Auseinandersetzung mit der NS‑Zwangsarbeit hier bei uns.“

Er würdigte die Vielfalt der Beiträge und betonte, dass ein solches Projekt ohne das Zusammenspiel von Schulen, Hochschulen, Vereinen und engagierten Bürgern nicht möglich gewesen wäre.

Schüler des Gymnasiums am Deutenberg brachten bereits 2024 das mit dem Joseph‑Haberer‑Preis ausgezeichnete Theaterstück Vergessene Schicksale auf die Bühne. Studierende der Hochschule für Polizei Baden‑Württemberg verfassten Bachelorarbeiten zur Rolle der Polizei in Schwenningen und zur Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg.

Über 280 Orte

Die Hochschule Furtwangen entwickelte ein Projektlogo, den Instagram‑Kanal „Heimatgeschichte International“ sowie eine Datenbank, die künftig Tausende Zwangsarbeiter sowie in Schwenningen über 280 Unterkunftsorte und 160 Betriebe sichtbar machen wird.

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Die wissenschaftliche Mitarbeiterin Lisa Schank blickte auf die bisherigen Höhepunkte zurück. Sie erinnerte an das große World‑Café im Januar 2026, bei dem Menschen unterschiedlicher Generationen miteinander ins Gespräch kamen: „Es war ein sehr offener Austausch über die Geschichte des Nationalsozialismus und der Zwangsarbeit. Gerade dieser intergenerationelle Dialog war etwas ganz Besonderes.“

„Bewegender Moment“

Ein weiterer Höhepunkt war die Exkursion zum Archiv des Internationalen Suchdienstes in Hessen, wo die Gruppe originale Dokumente aus der NS‑Zeit in den Händen hielt. „Das war für viele ein bewegender Moment“, sagte Schank.

Projektmitarbeiter Florian Kemmelmeier berichtete von seinen eigenen Forschungserlebnissen. Besonders eindrücklich war für ihn der Fund im Archiv des französischen Außenministeriums: eine über hundert Seiten umfassende Liste mit mehr als 4000 Arbeitskommandos. „Damit kann man praktisch für jeden Ort eine Geschichte der Kriegsgefangenen erzählen“, erklärte er.

„Schwenningen ist voll“

Die digitale Karte des Projekts zeige zudem, wie dicht die Orte der Zwangsarbeit im Stadtgebiet lagen: „Schwenningen ist voll. Wir können die Geschichte der Zwangsarbeit als Geschichte an der nächsten Straßenecke erzählen.“

Die Studierenden der Hochschule Furtwangen stellten ihre filmische Dokumentation, Interviews und das neue Corporate Design vor. Sie berichteten von Begegnungen mit Zeitzeugen und der Arbeit an Social‑Media‑Formaten.Eine Studentin sagte über das Interview mit einem ehemaligen Zwangsarbeiter: „Es war eine besondere Erfahrung, jemanden zu hören, der so viel erlebt hat.“

Schicksal berührt

Schülerin Lili Ruminska vom Gymnasium am Romäusring in Villingen präsentierte ihre Seminararbeit über polnische Kinderzwangsarbeiter. Sie identifizierte elf Jugendliche. Besonders berührte sie das Schicksal eines Jungen aus Warschau, der mit 14 Jahren deportiert wurde: „Ich bin hier aufgewachsen und wusste nie, dass Zwangsarbeit so präsent war.“

Auch Karina Rassejkin vom Schwenninger Gymnasium am Deutenberg, die für ihr Theaterstück Vergessene Schicksale mit dem Joseph‑Haberer‑Preis ausgezeichnet wurde, berichtete, wie sie durch ein Schulprojekt erstmals mit dem Thema in Berührung kam: „Ich hatte noch nie davon gehört – und plötzlich war klar, dass wir ein Stück machen müssen, um daran zu erinnern.“

Das Projekt wird von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft sowie der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert. Die Stadt Villingen‑Schwenningen unterstützt es mit erheblichen Eigenmitteln. Im November soll eine dauerhaft gepflegte Webseite vorgestellt werden, die alle Ergebnisse bündelt.

Am Ende des Abends blieb der Eindruck eines lebendigen, wachsenden Projekts, das die Geschichte der Zwangsarbeit sichtbar macht und junge Menschen nachhaltig dafür sensibilisiert.