NS-Zwangsarbeit in Villingen-Schwenningen
: Ausstellung im Uhrenindustriemuseum verzögert sich – das steckt dahinter

Das Großprojekt zur NS-Zwangsarbeit ist in vollem Gange und sollte in eine Ausstellung im Schwenninger Uhrenindustriemuseum gipfeln. Doch diese kann erst mal nicht wie geplant stattfinden.
Von
Mareike Kratt
Villingen-Schwenningen
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Uhrenindustriemuseum Schwenningen

Eigentlich sollte Mitte Juli die neue Sonderausstellung im Uhrenindustriemuseum Schwenningen zur NS-Zwangsarbeit eröffnen. Jetzt wird sie erst einmal verschoben.

Mareike Kratt
  • Ausstellung zur NS-Zwangsarbeit im Uhrenindustriemuseum wird vom Sommer in den Herbst verschoben.
  • Grund ist unter anderem der längere Krankenstand der Museumsleiterin Martina Baleva.
  • Am 18. Juli gibt es statt der Eröffnung eine öffentliche Projekt-Veranstaltung mit Zwischenbilanz.
  • Projekt „Heimatgeschichte International“ bindet Schüler und Studenten ein und setzt auf digitale Formate.
  • In VS wurden rund 3400 Zwangsarbeiter in 150 Betrieben und 250 Unterkünften eingesetzt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Heimatgeschichte International“ – so lautet der Titel des allumfassenden Projekts, das die Geschichte der NS-Zwangsarbeit in VS auf verschiedenen Ebenen erlebbar machen soll. Allen voran sind es dabei Schüler und Studenten, die sich in Workshops, Exkursionen und Erzählcafés auf Spurensuche begeben haben.

Material gibt es schließlich genügend zu erforschen, waren doch rund 3400 Zwangsarbeiter  während des Zweiten Weltkriegs in 150 bekannten Betrieben und 250 Unterkunftsorten in Villingen-Schwenningen tätig. Die Ergebnisse sollen dabei in eine Ausstellung vor Ort sowie in eine Website, die über den Projektzeitraum hinaus zugänglich sein wird, münden, um das Bewusstsein von NS-Zwangsarbeit als Teil einer internationalen Lokalgeschichte schärfen.

Ein Großprojekt mit vielen Kooperationen

Initiatoren und Partner hat das Projekt viele: War die Idee einst in einer Arbeitsgruppe aus Akteuren aus Uhrenindustriemuseum, Heimatverein, Stadtarchiv und Pro Stolpersteine entstanden, sind inzwischen die beiden wissenschaftlichen Mitarbeiter der Stadt, Lisa Schank und Florian Kemmelmeier federführend. Für eine vielfältige Herangehensweise haben sie Kooperationen mit der HFU, der Hochschule für Polizei, dem Gymnasium am Romäusring in Schwenningen sowie dem Gymnasium am Deutenberg in Schwenningen aufgebaut.

Durch die Zusammenarbeit mit den HFU-Studenten soll das Projekt nachhaltigen Charakter bekommen: Sie begleiten und dokumentieren die Forscherperspektive der Schüler und dokumentieren sie in Video und digitalen Formaten, seit einigen Monaten gibt es mitunter einen Instagram-Account.

Eröffnung im Uhrenindustriemuseum am 18. Juli platzt

Eigentlich hätte die Vorbereitung für die geplante Ausstellung im Uhrenindustriemuseum jetzt in die finale Phase gehen sollen, sollte diese doch am Samstag, 18. Juli, eröffnen. Doch bereits vor einigen Wochen wurde aus den Reihen der Akteure laut, dass eine Realisierung der Ausstellung zum eigentlich geplanten Datum unwahrscheinlich wird.

Der Grund mitunter: Die Leiterin der Schwenninger Museen, Martina Baleva, die auch für die Zwangsarbeiter-Ausstellung zuständig ist, befindet sich bereits seit Längerem im Krankenstand. Auf Nachfrage unserer Redaktion kann Patrick Ganter, stellvertretender Pressesprecher der Stadt, bestätigen: „Die Eröffnung der Ausstellung wurde vom Sommer in den Herbst verschoben.“  Das genaue Datum und das Begleitprogramm würden in den kommenden Wochen bekannt gegeben.

Projekt NS-Zwangsarbeit in Schwenningen

Im Januar kündigten die Projektbeteiligten rund um die Museumsleiterin Martina Baleva (links) und den wissenschaftlichen Mitarbeiter Florian Kemmelmeier (Vierter von links) noch die Ausstellung im Uhrenindustriemuseum für Sommer 2026 an.

Mareike Kratt

Geplant sei ein besonderes Ausstellungsformat, nämlich eine komprimierte und dynamische Werkstatt in den Räumen des Uhrenindustriemuseums. Sie gebe Eindrücke und pointierte Impulse, mache den Prozess des Forschens transparent und animiere zum Mitmachen. Auch künstlerische Installationen und die Erfahrungen der Projekt-Beteiligten werden präsentiert, heißt es vonseiten der Stadt.

Diese Veranstaltung ist stattdessen geplant

Dennoch sollen Projekt und Ausstellung in aller Munde bleiben: Am 18. Juli, dem eigentlichen Eröffnungsdatum, gibt es eine öffentliche Projekt-Veranstaltung, bei der symbolisch der Grundstein für den Aufbau der nachfolgenden Werkstatt gelegt wird, berichtet Patrick Ganter. Dabei werde mit den Beteiligten des Projektes, insbesondere den Schülern und Studenten, eine erste Projetbilanz gezogen. Genaue Informationen dazu folgten noch.

Allzuviel Zeit bleibt den Beteiligten sowieso nicht mehr für die Ausstellung oder weitere mögliche Aktionen: Das Projekt hat eine Laufzeit von zwei Jahren mit Beginn im Januar 2025 und wird nach jetzigem Stand im Dezember auslaufen.

Erstmal weniger los im Uhrenindustriemuseum?

Fakt ist jedoch auch: Die jüngste UIM-Sonderausstellung „Ehrenmenschen“ im Uhrenindustriemuseum ist Ende April zu Ende gegangen. Über den Sommer hinweg wird also nur die Dauerausstellung in die noch frisch sanierten Räume des Uhrenindustriemuseums locken.

Das Projekt NS-Zwangsarbeit in VS

Das Projekt „„Heimatgeschichte Internationa. Auf den Spuren von NS-Zwangsarbeit in VS“ ist Teil des bundesweit zwölf Projekte umfassenden Förderprogramms „Jugend erinnert vor Ort“. Es wird aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft mit insgesamt 200.000 Euro gefördert.
Weitere Infos gibt's unter www.uhrenindustriemuseum.de sowie auf www.instagram.com/heimatgeschichte_international

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