Er ist immer mittendrin: Rolf G. Klaiber prägt die Schwenninger Kulturszene

Rolf G. Klaiber ist auch mit 74 Jahren noch kulturell aktiv und sorgt sich um sein Schwenningen.
Birgit HeinigSo ganz glauben mag man das dem umtriebigen 74-Jährigen indes nicht. Und tatsächlich: nach wie vor ist er ehrenamtlich im Orga-Team der Vesperkirche tätig, schreibt für das „Heimatblättle“ des Heimat- und Geschichtsvereins und sitzt aktuell in der Jury des Kulturpreises 2026.
Nachdem er als Mitglied des Kulturbeirates nach drei Sitzungen wieder aus dem „Abnickverein“ austrat, freut er sich zu hören, dass Verbesserungen geplant sind und ein Nachfolger gefunden wurde. Denn die Kultur der Stadt, insbesondere des seiner Meinung nach diesbezüglich vernachlässigten Schwenningens, liegt ihm seit seiner Rückkehr 2009 in die Heimat sehr am Herzen.
Rolf G. Klaiber ist gebürtiger Schwenninger, besuchte die Karlschule und beendete das Gymnasium am Deutenberg mit dem Abitur. Nach dem Wehrdienst studierte er Erziehungswissenschaften in Konstanz und fand seine erste Stelle beim Referat für politische Bildung im bischöflichen Jugendamt in Wernau. Dort beriet und bildete er in der ganzen Diözese Rottenburg Ehrenamtliche aus und weiter, was er bis Mitte der 1980er-Jahre dann auch in Tübingen tat.
Dabei entdeckte er sein Interesse für einen spielerisch-kulturellen Zugang zu den Bildungsthemen, sodass er sich berufsbegleitend an der Akademie Remscheid in „sozio-kultureller Animation“ ausbildete. Das begeisterte ihn so, dass er ein zweites Studium in Spiel- und Theaterpädagogik an der PH Ludwigsburg aufnahm und danach zwei Jahre lang am Kinder- und Jugendtheater der Württembergischen Landesbühne in Esslingen als Dramaturg und Spielpädagoge arbeitete.
2009 kehrt er nach Schwenningen zurück
Sein Kontakt zum Betreiber des Buchladens „Erlkönig“ in Stuttgart führte zu einer weiteren Wendung in seinem Leben. Nach einem Messerangriff auf den Buchhändler übernahm Rolf G. Klaiber spontan dessen Geschäfte und entdeckte dabei eine weitere Leidenschaft, die seinerzeit von der Bevölkerung noch misstrauisch beäugt wurde – schwule Bücher. Mit einem Kompagnon aus Berlin eröffnete er 1989 in München den Buchladen „Max & Milian“, ebenfalls mit schwul-lesbischem Sortiment, den er 20 Jahre lang und zuletzt im Glockenbachviertel betrieb.
Er verließ die „schöne, aber teure“ Stadt 2009 und kehrte – „auch meiner Mutter zuliebe“ – nach Schwenningen zurück, um hier beruflich noch einmal neu anzufangen, was zunächst misslang. Im Laufe von zwei Jahren bekam er über ein Langzeitarbeitslosenprojekt Kontakt zur Stiftung Lernen, Fördern, Arbeiten und erhielt die Aufgabe, Jobsuchende über 50 zu beraten und zu trainieren, um sie für den Arbeitsmarkt wieder fit zu machen. Diese Stelle hat er nach wie vor inne und kümmert sich inzwischen um Jugendliche, die sich schwer tun, einen Ausbildungsplatz zu finden, um Migranten und um Menschen im Reha-Status bei ihrer Rückkehr in die Arbeitswelt.
Ein Konzept für das Café Häring
Die Kultur ließ Rolf G. Klaiber nie los. Das Café Häring kennt er seit seiner Kinderzeit, in der er dort viele Fastnachtsbälle erlebte. Gemeinsam mit Thomas und Seniorchef Karl-Heinz Häring entwickelte er ein Konzept mit monatlich stattfindenden Kulturveranstaltungen, vornehmlich mit Künstlerinnen und Künstlern aus der Region.
2011 startete man mit einem Mundarthörspiel über Schwenningen des Radiosenders SWR 4. Es folgten kleine klassische Konzerte, die Reihe „Bücher im Gespräch“, Musikkabaretts und Auftritte von Liedermachern, „also Kleinkunst im weitesten Sinne“, fasst Klaiber sein Programm zusammen. Die Resonanz war vielversprechend, oft gab es im Café keinen freien Platz mehr. Dennoch blieb das Kulturcafé ein ständiger „finanzieller Balanceakt“, dem er zum Ende des vergangenen Jahres – nach rund 150 Veranstaltungen – schweren Herzens ein Ende setzte.
Er hat keine Angst vor Langeweile
Vor Langeweile hat er allerdings keine Angst. Im Heimat- und Geschichtsverein ist er schon lange Teil des Redaktionsteams, schreibt für das „Heimatblättle“ Kolumnen wie „Bälder & Nint“, hat gerade August Reitzs Buch „Des Neckars Quelle“ entdeckt, aus dem er zitiert und belebt den Comicstrip „Dilldappen“ wieder. In der Vesperkirche übernahm er vor einigen Jahren die Kulturarbeit.
Und dann ist da noch seine lange verschmähte Gitarre, mit der er schon einmal einen Nachwuchs-Musikwettbewerb gewann und Konzerte gab. Zu ihr greift er jetzt wieder öfter. Oder er holt eines der Spiele hervor, die er selbst entworfen hat – unter anderem zur Landesgartenschau, und über die Doppelstadt.