Das verflixte 7. Jahr überstanden: „Bad Dürrheim blüht" auf kann auf viele Aktionen zurückblicken

Die Waldbegehungen im Frühjahr sind Bestandteil des Projekts Bad Dürrheim blüht auf. Revierförster Matthias Berger gibt hier Einblicke in die Natur.
Wilfried Strohmeier- Initiative Bad Dürrheim blüht auf setzt sich seit 2018 für Artenvielfalt ein.
- Breites Bündnis aus Stadt, Unternehmen, Verbänden und Bürgern koordinierte Maßnahmen.
- Auszeichnungen und Programme: UN-Dekade, Stadtgrün Naturnah, Natur nah dran.
- Projekte reichen von Biodiversitätspfad bis Blühwiese auf dem Friedhof.
- Bürger können mitmachen – etwa mit Blühstreifen, Führungen und Infoformaten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Was 2018 als Idee des Bad Dürrheimer Mineralbrunnens begann, ist heute ein breites Bündnis aus rund zehn Unternehmen, Verbänden, der Stadtverwaltung und engagierten Bürgerinnen und Bürgern und ein Musterbeispiel dafür, wie viel eine Kommune bewegen kann, wenn alle an einem Strang ziehen, freut sich Michael Neuenhagen, Marketingleiter des Mineralbrunnens.
Der Auslöser war ein leiser Notstand vor der Haustür: Die Zahlen, die am Anfang standen, waren alarmierend. Seit den 1950er-Jahren ist der Bestand an Streuobstwiesen deutschlandweit um rund 75 Prozent zurückgegangen – Lebensräume, die mit bis zu 5.000 Tier- und Pflanzenarten zu den artenreichsten Biotopen Mitteleuropas zählen. Auch im Schwarzwald-Baar-Kreis verschwanden Wiesen zunehmend durch Nutzungsaufgabe, Überalterung und fehlende Pflege. Hinzu kam der bundesweite Rückgang von Wildbienen, Schmetterlingen und anderen Insekten – Bestäubern, ohne die weder Streuobstwiesen noch Gemüsegärten funktionieren.
Aktionsgruppe 2018 gegründet
Der Bad Dürrheimer Mineralbrunnen, dessen Geschäft unmittelbar von sauberem Tiefengrundwasser und gesunden Böden abhängt, nahm das zum Anlass, 2018 die Initiative „Bad Dürrheim blüht auf“ ins Leben zu rufen. Die Botschaft war von Anfang an keine reine Naturschutzkampagne, sondern ein Aufruf zur Vernetzung: Landwirte, Imker, Unternehmen, Vereine und Bürgerinnen und Bürger sollten gemeinsam handeln, statt nebeneinanderher zu wirken.
Der Erfolg blieb nicht unbemerkt: Bereits 2020 wurde das Projekt als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet – für seinen Einsatz zum Schutz von Insekten und gesunden Böden. Wichtig ist dabei: Die Kurstadt war vor „Bad Dürrheim blüht auf“ keine ökologische Wüste. Es gab einen weitläufigen Kurpark, gepflegte Grünanlagen und eine lange Tradition im Umgang mit Natur und Landschaft. Der Ort brachte bereits gute Voraussetzungen mit – ebenso wie einzelne engagierte Landwirte, Imker und Vereine, die sich schon vorher um Streuobstwiesen, Hecken und naturnahe Flächen kümmerten. Die Arbeitsgruppe musste also nicht bei null anfangen, sondern fand einen fruchtbaren Boden vor, auf dem die Saat nun sichtbar aufgeht.

Bad Dürrheim, erscheint von oben betrachtet als eine grüne Stadt. Mit Kurpark (Vordergrund), Salinen- und Hindenburgpark und von dort ausgehend die Waldwege hinauf in den Kapf, war die Kurstadt schon vor der Gründung der Aktionsgruppe Bad Dürrheim blüht keine ökologische Wüste.
Marc EichIhr eigentliches Verdienst liegt darin, dieses vorhandene Engagement zu bündeln, sichtbar zu machen und mit System, Fördermitteln und einer klaren gemeinsamen Idee weiterzuentwickeln – aus einzelnen guten Ansätzen wurde eine koordinierte Bewegung.
Es ist ein Bündnis mit vielen Gesichtern: Was die Arbeitsgruppe von vielen Umweltinitiativen unterscheidet, ist ihre Zusammensetzung. Am Tisch sitzen längst nicht nur Naturschutzverbände, sondern auch die Stadtverwaltung mit ihrem Bauhof, die Kur und Bäder GmbH mit ihren Fachleuten für Kurortentwicklung und der Kurgärtnerei, der Landschaftserhaltungsverband Schwarzwald-Baar-Kreis, NABU, das KWA Kurstift, Biolandwirte wie der Antonihof und die Biolandwirtschaft Montlerei aus Oberbaldingen, die Schreinerei Schneckenburger aus Öfingen/Talheim, engagierte Hobbygärtner und der Generationentreff Lebenswert.
Viele Beteiligte mit hoher Kompetenz
„Es ist schon von Vorteil, dass die Stadt mit dem Bauhof und die Kur und Bäder mit ihren Kompetenzen mit am Tisch sitzen. Das erleichtert doch manches“, brachte es Michael Neuenhagen, Sprecher der Gruppe, auf den Punkt. Genau diese Mischung aus kommunaler Verwaltung, Tourismus, Wirtschaft, Fachverbänden und Zivilgesellschaft macht die Arbeitsgruppe so schlagkräftig: Wo eine Idee entsteht, findet sich meist auch jemand am Tisch, der sie umsetzen kann – sei es mit Flächen, Fachwissen, Fördermitteln oder tatkräftigen Händen.
Eine der prägenden fachlichen Stimmen der Arbeitsgruppe ist Kathrin Schwab vom Umweltbüro Donaueschingen. Die Agraringenieurin berät die Arbeitsgruppe unter anderem bei der Umgestaltung öffentlicher Grünflächen hin zu klimaangepassten, dauerhaften Pflanzkonzepten – ein Ansatz, der längst auch in der Kurgärtnerei und beim Bauhof Einzug gehalten hat. „Staudenbepflanzungen sehen nicht nur gut aus, sie brauchen im Gegensatz zu einjähriger oder saisonaler Bepflanzung auch nicht so viel Wasser. Heute ist das wichtiger denn je“, erklärt Schwab.
Ökologischer Gewinn für alle
Der ökologische Gewinn liegt auf der Hand: mehr Lebensraum für Wildbienen, Schmetterlinge und Vögel, gesündere Böden, sauberere Gewässer und ein Grundwasser, das besser geschützt ist – keine Nebensache für eine Kurstadt, deren Mineralwasser direkt aus dem Boden vor Ort kommt. Doch der Nutzen reicht weiter. Für die Stadt Bad Dürrheim ist die Initiative zu einem echten Standortfaktor geworden: naturnahe Grünflächen, Auszeichnungen wie „Stadtgrün Naturnah" und die Aufnahme in Landesförderprogramme stärken das Profil als Kur- und Erholungsort und locken zusätzliche Fördermittel in die Stadtkasse.
Engagement auch ohne Fachwissen
Für die Bürgerinnen und Bürger entsteht ein schöneres, lebendigeres Bad Dürrheim: blühende Wegränder statt Einheitsgrün, ein Lehrpfad zum Entdecken, Veranstaltungen zum Mitmachen und ein Gefühl, gemeinsam etwas zu bewegen, das größer ist als der eigene Garten. Für das Engagement in der Gruppe braucht weder Fachwissen noch großes Budget – ein Blühstreifen im eigenen Garten, ein insektenfreundlicher Balkonkasten oder einfach die Teilnahme an einem Heckenspaziergang reichen als erster Schritt.
Kontakt zur Arbeitsgruppe: Bad Dürrheimer Mineralbrunnen, Seestraße 11, Telefon: 07726/6609160, E-Mail: bluehwiese@bad-duerrheimer.de oder GVV-Umweltbüro Donaueschingen, Karlstraße 49, 78166 Donaueschingen, Telefon: 0771/17516441, E-Mail: info@gvv-umweltbuero.de
Bisherige Aktivitäten
Eine lange Liste von Aktivitäten gibt es bei der Gruppe Bad Dürrheim blüht auf.
Blühwiesen und Biodiversitätspfad: In und um den Kurpark entstand ein rund fünf Kilometer langer Lehrpfad, der die typischen Landschaftselemente der Baar erlebbar macht – vorbei an Streuobstwiesen, Heuwiesen, Alleen und Kräutersäumen.
Stadtgrün Naturnah: Auf Anregung der Arbeitsgruppe stellte sich die Stadt einem bundesweiten Zertifizierungsverfahren für naturnahe Grünflächenpflege. Die Jury zeigte sich bei der Begutachtung „voll des Lobes".
Natur nah dran (seit 2024): Bad Dürrheim sicherte sich einen der begehrten Plätze im Landesförderprogramm des Umweltministeriums Baden-Württemberg. Gemeinsam mit dem NABU wurden an sechs Standorten – darunter der Kurpark – versiegelte Flächen in artenreiche Lebensräume für Wildbienen und Schmetterlinge verwandelt.
Blühender Friedhof: 2025 zeigte die Initiative mit einer neu angelegten Blühwiese auf dem städtischen Friedhof, wie sich Trauerkultur und Naturschutz verbinden lassen – ein Ort, der Menschen, Pflanzen und Tieren gleichermaßen Raum gibt.
Streuobst-Aktionen: Gemeinsam mit den Streuobstfreunden Ostbaar, dem Bauhof und der Kurgärtnerei wurden rund 50 junge Apfelbäume veredelt – ein Beitrag zum Erhalt alter Sorten und zugleich zum Schutz des Grundwassers.
Foto-Walk am Salinensee: Bei kostenlosen Exkursionen zeigt ein Naturfotograf, wie man die heimische Vielfalt entdeckt und ablichtet – nach dem Motto: Man schützt, was man schätzt.
Waldbegehungen mit Revierförster Matthias Berger: Die beliebten Führungen durch die Bad Dürrheimer Wälder zeigen, wie eng Waldbewirtschaftung und Artenschutz zusammenhängen, und finden regelmäßig regen Zuspruch.
Wanderung mit dem Schwarzwaldverein: Entlang des Biodiversitätspfades führte der Schwarzwaldverein bereits zum zweiten Mal eine geführte Wanderung durch – ein weiteres Beispiel dafür, wie sich Vereine der Initiative anschließen.
Bürgernahe Formate: Heckenspaziergänge in Öfingen, ein „Kaffeeklatsch" im Kurstift, der Themenabend „Ostbaar blüht auf" mit über 80 Besuchern sowie ein Infostand auf dem Wochenmarkt mit verschenkten Blühsamen holen das Thema direkt zu den Menschen.
Ökologische Gärtnerei: In der Kurgärtnerei wird inzwischen auf torffreie Erden gesetzt, auf mineralischen Dünger und chemischen Pflanzenschutz wird verzichtet.