Das Capitol in Schwenningen: Wie eine Kulturbühne für gute Unterhaltung sorgt

Benjamin (links) und Joshua Zivkovic im Saal des Capitols in Schwenningen, wo mittlerweile regelmäßig Künstler und Musiker auftreten.
Cornelia Hellweg„An Wochenenden haben wir oft 800 bis 1000 Gäste im Haus – im Saal und im Restaurant“, erzählt Sascha Zivkovic. In der Gastronomie kann er jede Menge Erfahrung vorweisen. 25 Jahre lang führte er das Planet Sports in der ehemaligen Bärenbrauerei in Schwenningen.
Dann kam die Entscheidung, die Immobilie des ehemaligen Capitol-Kinos an der Alleenstraße zu erwerben. Klar war, dass das Restaurant Planet Sports hierher umzieht. Um die älteste Kulturstätte Schwenningen wieder zum Leben zu erwecken, musste umfangreich saniert werden. Dann kam Corona und traf die gesamte Event- und Gastronomiebranche hart. Im Jahr 2022 konnte man an der neue Örtlichkeit durchstarten. „Wir wussten am Anfang nicht so recht, was wir mit dem Theatersaal anfangen sollen“, sagt Sascha Zivkovic. Am Anfang traten dort ab und an eher unbekannte Künstler auf. Die Publikumsresonanz blieb verhalten.
Dann entschied man in der Familie: „Wir kümmern uns selbst drum“. Die beiden erwachsenen Söhne entwickelten Ideen. Benjamin Zivkovic durchforstet Programme von Künstlerinnen und Künstlern, die die Saalgröße bespielen können, und arbeitet mit Agenturen zusammen. Wichtiger Hinweisgeber sind für ihn Soziale Medien wie Instagram oder Tiktok. Dort erhalte man einen Eindruck zum jeweiligen Programm des Künstlers, und die Likes seien ein Anhaltspunkt, ob das beim Publikum ankommen könnte. Joshua Zivkovic kennt sich unter anderem aus mit Themen wie der Tontechnik.
Rund 230 Personen fasst der Saal
„Inzwischen kommen Künstler auf uns zu und fragen an, ob sie hier auftreten können“, erzählt Sascha Zivkovic. Viele schätzten den Theatersaal, der rund 230 Personen fasst, mit den ansteigenden Zuschauerreihen. Das ermögliche einen anderen Kontakt zum Publikum als wenn die Protagonisten erhöht auf der Bühne quasi über ihr Publikum hinweg schauen. „Außerdem liegen wir relativ geschickt zwischen Stuttgart, Freiburg und Konstanz, so dass Künstler auf ihrer Tour hier noch einen Zwischenstopp einlegen können.“ Inzwischen habe sich die angenehme Atmosphäre im Haus herumgesprochen, und es kommen auch mal Künstler, die sonst vor größerer Kulisse spielen.
Wenn ein Publikum einen Künstler oder eine Gruppe aus dem Fernsehen kennt, dann sind Eintrittskarten stärker nachgefragt oder die Veranstaltung ausverkauft. „Harald Schmidt ist hier zweimal hintereinander aufgetreten. Der war ganz unkompliziert und hat gemeint, wenn es hier gute Ripple und gutes Bier gibt, kommt er“, lacht Sascha Zivkovic. Beide Anforderungen erfüllt das Restaurant. „Nach dem Auftritt setzen sich der eine oder andere Künstler unten ins Restaurant“ und sei angetan. So einige bekannte Namen waren oder sind auf dem Veranstaltungsprogramm im Capitol zu finden. Neben Harald Schmidt beispielsweise Dieter Thomas Kuhn, Lisa Federle, Mario Basler oder Désirée Nick, Rüdiger Hoffmann, Bernhard Hoecker, Joey Kelly, Sky Dumont oder Ingo Appelt.
Erst Schwenningen, dann Stuttgart
„Serdar Karibik hat bei uns gespielt und stand zwei Wochen später in Stuttgart auf einer Bühne vor 5000 Leuten. Mit seinem ersten Soloprogramm war er bei uns, sein Publikum ist stetig gewachsen, auf Instagram hat er mittlerweile eine Million Follower“, berichtet Benjamin Zivkovic. Der Bereich Comedy und Kabarett werden nach wie vor von Männern dominiert. „Wir bemühen uns, auch Frauen eine Bühne zu bieten und insgesamt ein möglichst breites Spektrum an Künstlern zu uns zu holen.“
Am Weltfrauentag am Sonntag, 8. März, heißt es im Capitol „Schwabennacht – Lachen bis die Tränen fließen“ mit Sabine Schiele, Käthe Kächele und Schwäbische Erotik (Christiane Maschajechi). Beginn ist um 19 Uhr.
Am Freitag, 13. März, um 20 Uhr präsentiert im Capitol die Kriminalpsychologin Lydia Benecke ihr Programm, dabei geht es anhand von Fallbeispielen zu den vielfältigen Methoden der Machtausübung durch Manipulation. Sascha Zivkovic weist auf die wachsende Popularität von „True-Crime“-Formaten hin. Dieses Genre ist daher auch im aktuelle Programm hier zu finden. „Wandern total – die Welt zu deinen Füßen“ ist der Auftritt von Christine Thürmer am Samstag, 14. März, um 20 Uhr überschrieben. Die musikalische Lesung „So viel mehr“ mit Max Mutzke am 21. März ist bereits ausverkauft.
40 Veranstaltungen von Mai bis Oktober
„Wir streben so 40 Veranstaltungen im Jahr an im Zeitraum Oktober bis Mai“, sagt Sascha Zivkovic. Ein Großteil des Publikum komme aus dem Umland und sogar aus der Schweiz. Angesichts des Erfolges der Veranstaltungen im Capitol vermisst er die Wertschätzung seitens des städtischen Kulturamtes. Ein Treffen mit der neuen Kulturamtsleiterin sei anberaumt. „Wir hoffen, dass die Kommunikation besser wird.“
Weitere Ideen möchte man umsetzen: Zum Beispiel Theateraufführungen mit zwei bis drei Akteuren oder Kinovorführungen mit Arthouse-Filmen. Außerdem gibt es im Capitol noch zwei kleinere Veranstaltungsräume: die Theaterhalle für Stand-up-Comedy in kleinerem Rahmen und das Galaxys, vor Jahren bekannte Disko in Schwenningen und lange nicht mehr als solche regelmäßig genutzt. „Unser Anliegen ist es, Lebens ins Gebäude zu kriegen“ – da sind sich Sascha, Benjamin und Joshua Zivkovic einig. Auf diesem Weg sind sie bisher weit gekommen. Luft nach oben ist ja bekanntlich immer.
Mehr zu Veranstaltungen und Tickets auf www.capitol-lichtspieltheater.de.
