Bildung in VS
: Chancen für Vielfalt und Integration

Die Villinger Bickebergschule und die Schwenninger Gartenschule haben einen hohen Migrationsanteil und sind im Startchancen-Programm für Kinder mit Förderbedarf.
Von
Eva-Maria Huber
Oberndorf
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Die Bickebergschule in Villingen bekommt Fördermittel aus dem Startchancen-Programm des Landes.

Eva-Maria Huber

Der 6. Dezember 2024 dürfte ein Tag sein, der Katya Cankovski in guter Erinnerung bleibt. Die Rektorin der Schwenninger Gartenschule wurde auf Einladung des Kultusministeriums nach Stuttgart eingeladen, zusammen mit anderen Schulleitern aus dem gesamten Bundesland, die wie ihre Schule für das Startchancen-Programm des Landes ausgewählt wurden.

Aspekte wie Sozialstrukturen und ein hoher Migrationshintergrund spiegeln sich im Schuldatenblatt wider, das wiederum die Grundlage für die Auswahl der förderungswürdigen Schulen bildet.

Mit einem sehr hohen Migrationsanteil von 83 Prozent in den Klassen sei sicherlich eine Hauptvoraussetzung für die Förderung erfüllt worden, bemerkt Cankovski im Gespräch mit unserer Redaktion. Von einer „Brennpunktschule“ möchte die leitende Pädagogin keineswegs sprechen. „Wir haben hier tolle Kinder, mit besonderen Bedürfnissen, die es verdient haben, entsprechend ihres Leistungsstandes abgeholt zu werden.“

Müsste Katya Cankovski ein Kurzportrait der Klassen zeichnen, würde sie von einer großen Vielfalt sprechen. Hier die Jungen und Mädchen, die aufgrund von Flucht und Vertreibung teils traumatische Erlebnisse mit in ihre neue Heimat bringen, dort die Kinder aus Elternhäusern mit solidem Einkommen, die eine eher sorglose Kindheit haben. „Wir haben hier alles, und die Kinder lernen voneinander.“

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Mittel für Unterrichtsräume

Die Gartenschule ist eine von acht Schulen aus der Doppelstadt, die ins Startchancen-Programm des Landes aufgenommen wurde und nicht nur das. Die Schwenninger Grundschule war auch die erste, die an den Start ging.

Gefördert werden nicht nur das Engagement von Lerntherapeuten oder pädagogischen Assistenten, sondern auch bauliche Projekte, an denen sich jedoch die Stadt zu einem Drittel zu beteiligen hat, dazu zählen Umbau und Modernisierung von Unterrichts- und Fachräumen, Anschaffung moderner Lehr- und Lernmittel sowie Ausstattung und Verbesserung der digitalen Infrastruktur.

1,3 Milliarden Euro in zehn Jahren – das stelle das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport (KM) dort zur Verfügung, wo es am meisten benötigt werde, heißt es auf der Homepage des KM. „Bei den Kindern und Jugendlichen, die es aufgrund ihrer Herkunft oder ihres familiären Hintergrunds nicht aus eigener Kraft schaffen können“, sagt Kultusministerin Theresa Schopper. Der Bund stellt eine ähnliche hohe Summe bereit.

Sinnvoll und nachhaltig

Alexander Hermann, Leiter der Bickebergschule in Villingen, kann voraussichtlich kommendes Schuljahr mit einigen Klassen an den Start gehen, zumindest mit seiner Primärstufe und damit 150 Grundschülern. Wie seine Rektorats-Kollegin Katya Cankovski ist auch die Freude bei Hermann sehr groß darüber, vom Land für dieses auf zehn Jahre angelegte Programm ausgewählt worden zu sein. Sinnvoll und nachhaltig, so der Schulleiter, sei vor allem die Länge der Förderung: „In einem solchen Zeitraum lässt sich schon etwas bewegen.“

Mit Blick auf Kriterien wie Sozialstrukturen und einen relativ hohen Migrationshintergrund „haben wir die Voraussetzungen erfüllt“. Der Migrationsanteil an der Gemeinschaftsschule am Bickeberg liegt im Grundschulbereich bei 60 Prozent. „Wir erleben bei manchen Schülern immer wieder familiäre Defizite, so dass eine Förderung sehr hilfreich ist“, spricht der Rektor die teils schwierigen sozialen Verhältnisse an.

Die Bickebergschule, so Alexander Hermann weiter, sei froh über jede Unterstützung: „Jeder Euro, der für Kinder und Jugendliche ausgegeben wird, ist gut angelegt.“ Sehr zufrieden äußerte sich auch Susanne Cortinovis-Piel, Leiterin des staatlichen Schulamtes in Donaueschingen.

Kritischer Blick

Differenziert dagegen fällt die Freude von Tino Berthold über das Programm aus. Dazu der Vorsitzende des Gesamtelternbeirates Villingen-Schwenningen: „Natürlich ist es toll, dass VS mit ein paar Schulen im Startchancen-Programm vertreten ist. Aber müssen wir uns nicht auch hinterfragen, warum das so ist? Die Fördergelder gehen ja an Schulen mit offensichtlichen Problemen in den unterschiedlichsten Bereichen – haben wir in VS ein Problem in der Bildungslandschaft ? …… Und dieses Programm ist angelegt auf zehn Jahre. Was passiert danach, wenn die Fördergelder auslaufen? Stichwort Nachhaltigkeit.“

Beteiligte Schulen

Zeitplan
Das Startchancen-Programm des Landes läuft oder ist bereits angelaufen an insgesamt acht Schulen in der Doppelstadt: Als erste doppelstädtische Schule ging die Schwenninger Gartenschule an den Start. Weitere zogen nach oder starten im kommendem Schuljahr. Mit dabei sind der Schulverbund am Deutenberg, die Friedensschule und die Neckarschule, alle in Schwenningen. In Villingen sind es die Bickebergschule, die Goldenbühlschule, die Klosterringschule, darüber hinaus die Gewerbeschulen VS.